Freispruch in der «Kotz-Brotz»-Affäre

Ein hoher Offizier der Armee hat nicht gegen die Dienstvorschriften verstossen. Doch abgeschlossen ist der Fall damit noch nicht.

Der ehemalige Armeechef André Blattmann bezeichnete 2016 den Moderator der «Rundschau» als «Sandro Kotz, äh Brotz».

Der ehemalige Armeechef André Blattmann bezeichnete 2016 den Moderator der «Rundschau» als «Sandro Kotz, äh Brotz». Bild: Keystone

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Das Militär-Appellationsgericht 2 hat heute in Basel einen Generalstabsoffizier der Schweizer Armee in einem delikaten Fall freigesprochen. Der Sprecher der Militärjustiz bestätigt entsprechende Informationen dieser Zeitung. Das Urteil erging mündlich, die schriftliche Begründung wird in den nächsten Wochen bis Monaten erwartet.

Der Beschuldigte hatte im April 2016 in der Kaserne Brugg AG mit seinem Smartphone verbale Ausfälligkeiten von André Blattmann aufgezeichnet. Der damalige Armeechef wetterte vor rund 150 Generalstabsoffizieren gegen jenen «widerlichen Kerl» und «Verräter», der der TV-Sendung «Rundschau» geheime Dokumente zugespielt habe. Den Moderator der «Rundschau» bezeichnete Blattmann als «Sandro Kotz, äh Brotz».

Das erstinstanzliche Gericht, das Militärgericht 5, hatte den hohen Offizier im Dezember 2017 wegen Nichtbefolgung von Dienstvorschriften zu einer bedingten Geldstrafe sowie einer Busse von 900 Franken verurteilt. Hingegen fand das Gericht keine Beweise dafür, dass der Angeklagte die Audio-Datei den Medien zugespielt habe. Der Beschuldigte akzeptierte das Urteil nicht und zog es weiter, ebenso der militärische Staatsanwalt, der die Degradierung des Offiziers gefordert hatte.

Ausschnitt aus der Rede: Bei Sekunde 20 bezeichnet André Blattmann Sandro Brotz als «Sandro Kotz».

Weiterzug ans Militär-Kassationsgericht

Das Verdikt des Militär-Appellationsgerichts 2 nehme er mit «grosser Genugtuung» zur Kenntnis, sagt der Offizier gegenüber dieser Zeitung. Er ist Mitglied der Gruppe Giardino – jener Gruppe, die 2016 die Armeereform WEA bekämpft hat und gegenüber dem Verteidigungsdepartement von Bundesrat Guy Parmelin (SVP) bis heute sehr kritisch eingestellt ist. Ausgestanden ist die Angelegenheit für den Offizier damit aber nicht. Wie der militärische Staatsanwalt ankündigt, wird er das Urteil ans Militär-Kassationsgericht weiterziehen.

Erstellt: 18.06.2018, 16:59 Uhr

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