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Fremd-Follower und Bubble-Freunde

Wer folgt im Parlament eigentlich wem? Unsere Daten-Recherche verrät, wo die Social-Könige hocken, die auch den politischen Gegner auf dem Radar haben.

Folgen die mir? Regula Rytz und Adele Thorens schauen im Nationalratssaal gebannt auf ein Handy.
Folgen die mir? Regula Rytz und Adele Thorens schauen im Nationalratssaal gebannt auf ein Handy.
Keystone

Obwohl schweizweit nur jede zehnte Person Twitter nutzt, setzen drei von fünf der National- und Ständeräte auf den Kurznachrichtendienst. Das soziale Netzwerk dient ihnen dazu, Journalisten zu erreichen und untereinander zu kommunizieren.

Wenn es um die Kommunikation mit Kollegen aus anderen Fraktionen geht, zeigen sich die Parlamentarier allerdings unterschiedlich offen. Am wenigsten interessiert an fremden Twitter-Inhalten von Kolleginnen und Kolleginnen zeigen sich die Vertreter der SVP. Das zeigt eine Untersuchung der Twitter-Konten aller National- und Ständeräte.

Untersucht wurde das Twitter-Netzwerk der National- und Ständeräte also nur dahingehend, welche Verbindungen diese untereinander haben. Abonniert ein Rat die Nachrichten eines anderen, wird er so als sogenannter Follower gekennzeichnet. Dadurch wird er ab diesem Zeitpunkt über die Neuigkeiten der Person, der er folgt, informiert.

«Im Bereich der sozialen Medien hebt sich die SP auch auf kantonaler und lokaler Ebene durch ihre gute Organisation von den anderen Parteien ab.»

Thomas Willi, Politologe an der Universität Zürich

Insgesamt wurden 155 National- und Ständeräte identifiziert, die Twitter mit unterschiedlicher Regelmässigkeit nutzen. Die grösste Gruppe bildet die Sozialdemokratische Fraktion mit 41 Konten. Dahinter finden sich die SVP- und die CVP-Fraktion mit 34 beziehungsweise 30 Twitter-Nutzern. Die kleinsten Gruppen, und somit der Fraktionsgrösse entsprechend, sind die BDP und die Grünliberale Fraktion mit sieben und sechs Nutzern.

Als Twitter-Könige sind die Mitglieder der SP-Fraktion auch am besten untereinander gut vernetzt. Mit 72,1 Prozent weisen sie einen grossen Anteil an Beziehungen zu Personen aus der eigenen Fraktion auf. Ein Anteil von 100 Prozent würde bedeuten, dass jedes Fraktionsmitglied auch jedes Konto aus der eigenen Fraktion abonniert hätte. Thomas Willi, Politologe an der Universität Zürich, überrascht die gute Vernetzung der SP nicht. Er stellt fest: «Im Bereich der sozialen Medien hebt sich die SP auch auf kantonaler und lokaler Ebene durch ihre gute Organisation von den anderen Parteien ab.»

Noch höhere Vernetzungsanteile erreichen nur die Fraktionen mit wenigen Twitter-Konten. Ein Mitglied der Grünliberalen Fraktion muss allerdings nur knapp vier Kollegen auf Twitter folgen, um die ermittelte Quote von 77,8 Prozent zu erreichen. Im Vergleich: Ein Vertreter der SP muss sich dafür 32-mal vernetzen.

Man könnte annehmen, dass die Parlamentarier aller Fraktionen sich auch dafür interessieren, was aus den anderen politischen Lagern getwittert wird. Die Zahlen zeigen aber: Im Schnitt wird nur 25 Prozent der Fraktions-fremden Parlamentarier gefolgt. Während die Grünliberale Fraktion mit 41,4 Prozent noch den grössten Anteil an Twitter-Beziehungen zu den anderen Parteien hat, schaut man bei der SVP kaum über den Twitter-Tellerrand hinaus.

Die Fraktion der Schweizerischen Volkspartei hat im Schnitt nur 12,7 Prozent ihrer aussenstehenden Kollegen abonniert. Gemäss Thomas Willi ist auch die SVP im Bereich der sozialen Medien speziell. Als wählerstarke Partei verfüge sie zwar über viele Twitter-Accounts, offenbare aber auf Twitter eine schwache Organisation innerhalb der Partei. In der Tat: Auch an den Konten der eigenen Fraktion scheinen die Mitglieder der SVP wenig Interesse zu haben. Im Schnitt folgen sie nur einem Viertel der eigenen Twitter-Nutzer.

Es gibt aber auch einzelne Parlamentarier, die sehr breit mit anderen Fraktionen vernetzt sind. Gemessen an den absoluten Twitter-Beziehungen, zeigen sich Beat Flach (GLP), Christian Wasserfallen (FDP) und Bernhard Guhl (BDP) am interessiertesten an den Nachrichten aus den anderen Parteien.

Der Twitter-Nutzer mit der grössten Anzahl Follower aus fremden Fraktionen ist der Glarner BDP-Präsident Martin Landolt. Auf den weiteren Plätzen folgen der Zürcher Nationalrat Balthasar Glättli (GPS) und der Aargauer Nationalrat Beat Flach (GLP). Ihre Nachrichten werden vom Grossteil der Twitter-Nutzer anderer Parteien gelesen.

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