Eine Pionier-Siedlung in Bubikon hat sich bewährt

Ein Leben in Gemeinschaft, nach ökologischen Kriterien erstellte Häuser - so gestalteten Pioniere vor 30 Jahren ihr Leben in Bubikon. Nun feiern die Dörfler den runden Geburtstag.

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Bubikon. - Zusammen mit ähnlich Denkenden eine ökologische Siedlung bauen - dieser Gedanke faszinierte Anfang der 70er-Jahre eine Gruppe von Leuten. Daraus entstand die Siedlung «Dörfli» in Bubikon mit 12 nach bauökologischen Gesichtspunkten erstellten Häusern. Jetzt ist das «Dörfli» bereits 30 Jahre alt. Am Samstag soll gefeiert werden.

Statt trostlose Einfamilienhäuser in die Landschaft zu stellen, überlegte sich in Zürich Mitte der 70er-Jahre eine Gruppe von Leuten, wie man es besser machen könnte. Und vor allem, wie sich ökologisch bauen und in Gemeinschaft zusammenleben lässt. Ein Besuch der berühmten Halensiedlung in Bern inspirierte: Dort war am Stadtrand bereits 1961 eine verkehrsfreie Pioniersiedlung mit 79 Reihenhäusern und Gemeinschaftseinrichtungen entstanden. Das innovative Wohnexperiment war damals Vorbild für ähnliche Siedlungen, auch im Zürcher Oberland, etwa in Mönchaltorf, Uster oder Kempten.

Backsteine statt Beton

Und auch in Bubikon: Während annähernd dreier Jahre wälzten nun die «Dörfli»-Initianten in endlosen Sitzungen Ideen, bis das Modell der Siedlung reifte: 12 nach bauökologischen Gesichtspunkten erstellte Häuser sollten sich lose um eine Art Dorfplatz gruppieren. In Bubikon fand sich in der Nähe des Ortskerns ein zwei Hektare grosses Landstück. Nun galt es plötzlich Ernst: «Von den über 100 Interessierten sprangen die allermeisten im entscheidenden Moment ab», erinnert sich der Fernsehjournalist Peter Züllig, der spät zur Gruppe stiess und eines der letzten Häuser der Siedlung erwarb. Gebaut wurden die Häuser nach Grundsätzen, wie sie von Hubert Palm, dem «Vater der Baubiologie» vertreten wurden: unbehandeltes Holz in Innenräumen, Backsteine statt Beton und der Einbau von Heraklith-Leichtbauplatten aus Holzwolle und Gips. Auf Kunststoff wurde verzichtet, die elektrischen Leitungen wurden speziell verlegt. Züllig baute an seinem Haus als einer der Ersten im Zürcher Oberland eine 10 Quadratmeter grosse Solaranlage zur Warmwasseraufbereitung. «Sie ist ohne Unterbruch und Panne bis jetzt gelaufen», bemerkt er stolz.

Die meisten der 12 Eigentümer waren Familien. So hielten rund zwei Dutzend Kinder mit ihren Eltern Einzug und füllten das «Dörfli» mit Leben. Die Freude über die Siedlung wurde einzig getrübt durch die massiven Mehrkosten, die infolge von Kalkulationsfehlern des Planungsbüros entstanden und die Siedler finanziell ans Limit brachten. Die Gemeinde nahm die neuen Bewohner «wohlwollend-zurückhaltend» auf, erinnert sich Peter Züllig. Etwas anders waren die «Dörfler» halt schon; einzelne Kinder wurden in der Schule gehänselt. Selbstversorgung war durchaus ein Thema. Jeder Familie stand ein Pflanzblätz von 3 Aren zur Verfügung.

Holzen als Gruppenerlebnis

Laut Konzept sollte die Siedlung zwingend in der Nähe eines Bahnhofs liegen. Motorisiert war nämlich fast niemand; es gab hingegen ein Gemeinschaftsauto - und 24 von der Gemeinde vorgeschriebene Pflichtparkplätze. Umweltfreundlich sollte auch das Heizen sein: Die Siedler entschieden, eine gemeinsame Holzschnitzelheizung einzubauen - und gleich auch selber zu betreuen. Für die 70er-Jahre eine Pioniertat. Geholzt wurde in Fronarbeit. Alle 14 Tage im Winter schwärmten die Siedler in die Wälder aus, wo der Förster Holz zuteilte. Zwei Bauern halfen mit Traktor und Holzschredder. «Das waren eindrückliche Erlebnisse, eine bleibende Erinnerung, die unser Zusammengehörigkeitsgefühl gestärkt hat», erzählt Siedlungschronist Peter Züllig.

Das Gemeinschaftszentrum, das über der Heizung liegt, war seit Anbeginn das Herz der Siedlung. Bis heute werden hier Brote oder Pizzas gebacken, Feste gefeiert und Eigentümerversammlungen abgehalten. Diese finden mittlerweile nur noch alle sechs Monate statt. Es sei klar, dass nach 30 Jahren nicht mehr das gleiche Feuer brenne wie am Anfang, meint Züllig. «Doch wir respektierten einander stets und hatten nie Unfrieden in der Siedlung.» Inzwischen haben denn auch schon die ersten der Gründer ihr Haus aufgegeben und sind ins Altersheim gezogen. Doch die gute Idee vom Zusammenleben überdauert die Gründer. Bereits sind wieder junge Familien eingezogen.

Peter Züllig lebt im «Dörfli» in Bubikon. Die 12 Häuser wurden 1979 nach baubiologischen Grundsätzen gebaut.

Peter Züllig vor seinem Hausteil im «Dörfli» in Bubikon. Es wurde 1979 bezogen; die 12 Häuser sind nach baubiologischen Grundsätzen gebaut. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 27.08.2009, 02:02 Uhr

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