Paukenschlag am Limmatknie: Mario Botta baut in Baden

Baufällig, leer, verelendet sind die einst stolzen Badener Bäder. Nun soll Mario Botta eine neue Therme und Wohnungen an der Limmat bauen. 50 Millionen kostet allein das Bad.

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Baden. - Wo einst Richard Strauss komponierte, Hermann Hesse dichtete und Kaiser Haile Selassie logierte, tropfts durch die Dächer, die Farbe blättert von den Wänden prunkvoller Salons, und Ratten haben sich der Räume bemächtigt. Im baufälligen Thermalbad entspannen sich bloss noch 170 000 Gäste im Jahr. Dabei war Baden um 1850 der meistbesuchte Touristenort der Schweiz. Nach dem Zweiten Weltkrieg gings aber bergab. In die Hotels um den berühmten Verenahof wurde kaum mehr investiert, und im Thermalbad (1963/1980) sorgt das stark schwefelhaltige Wasser für einen nicht aufzuhaltenden Zerfall.

Botta baut erstmals an einem Fluss

Unter ein trübes Kapitel mit Streit zwischen der Stadt Baden und Investoren, strengen Vorschriften von Denkmalschutz und Archäologie (die alten Römer) wurde gestern ein definitiver Schlussstrich gezogen. Bereits seit drei Jahren ziehen die Stadt Baden und die Verenahof AG mit dem neuen Mehrheitsaktionär Benno Zehnder am gleichen Strick. Im November 2008 haben sie einen Studienauftrag an fünf Schweizer Top-Architekturbüros vergeben: Bétrix & Consolascio (Erlenbach), Mario Botta (Lugano), Diener & Diener (Basel), Max Dudler (Zürich) und Christian Kerez (Zürich). Mit dem weltbekannten Tessiner Architekten Mario Botta wurde gestern der Sieger gekürt. «Ich baue erstmals an einem Fluss», freute sich Botta an der Medienkonferenz.

Das Ziel ist eine attraktive, auf Gesundheit und Erholung ausgerichtete Therme für ein urbanes Publikum mit Wellness, Fitness und Gastronomie, die pro Jahr 500 000 Besucher anlockt - also dreimal mehr als heute. «Mit einem Bad allein verdient man sich nicht gesund», sagte Investor Benno Zehnder. Deshalb gehören zum Projekt auch Wohnraum am Wasser mit 30 Wohnungen, ein oder mehrere Restaurants und 500 Parkplätze. Zehnder rechnet mit einer Baubewilligung bis Ende 2010. Dann werden der Staadhof aus den 60er-Jahren mitsamt dem bisherigen Thermalbad abgebrochen. «2013 kann in Baden wieder gebadet werden», glaubt Zehnder.

Der Verenahof soll saniert und in ein Boutiquehotel mit 30 Zimmern umgewandelt werden. Die benachbarten Badehotels Ochsen und Bären, die heute kaum mehr begehbar sind und letztmals durch die Besetzung durch Juso-Präsident Cédric Wermuth Schlagzeilen machten, sollen Raum für Arbeitsplätze und allenfalls eine Rehaklinik bieten. Beim Streit zwischen der Stadt und dem früheren Verenahof-Direktor ging es vor allem darum, ob die stark verwinkelten Gebäude abgebrochen und neu gebaut werden dürfen. Denkmalschutz und Stadt blieben aber hart, der damalige Direktor schloss 2002 den Verenahof wütend, in einer Nacht-und-Nebel-Aktion wurden Waschbecken, Toiletten und Lampen aus den Wänden gerissen, alte Akten und Gästebücher vernichtet.

Mittelalterliche Formen

Heute haben sich die Verenahof AG, der Badener Stadtammann Stephan Attiger und der Denkmalschutz auf einen Kompromiss zwischen Alt und Neu geeinigt. Und Botta ist über den Auftrag begeistert: «An dieser Stelle zu bauen, ist der Traum jedes Architekten», sagte er. Sein Projekt sieht für das Bad einen Längsbau mit Aussenbädern und einem Limmatbad vor, so markant, wie es sich für Botta gehört. Bétrix & Consolascio zum Beispiel hatten ein paar lockere Badehäuser vorgeschlagen. Die Grundidee Bottas, um Bad und Wohnkomplex zusammenzufügen, ist eine handförmige Konstruktion, die mit fünf Fingern ins Limmatknie hineingreift. Die steilen, giebelartigen Dachpartien nehmen den mittelalterlichen Charme der Stadt Baden auf. Grundlage für Bottas Werk bildete ein Merian-Stich aus dem Jahr 1642, auf den er seinen Entwurf projizierte.

Über die Kosten informierten Verenahof AG und Stadt gestern nur spärlich. Allein das Bad soll rund 50 Millionen kosten, sagte Zehnder, der aus Badens Nachbardorf Birmenstorf stammt. Weil ein Teil des Landes Baden gehört, wird sich voraussichtlich auch die Stadt an der AG beteiligen.

Stararchitekt Mario Botta bei der Präsentation: «An dieser Stelle zu bauen, ist der Traum jedes Architekten.» (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 20.08.2009, 01:00 Uhr

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