Psychisch Beeinträchtigte treffen sich in Bülach

Seit zehn Jahren gibt es den Treffpunkt Büli. Menschen mit psychischen Problemen finden hier aus der Isolation heraus. Für viele ist er «wie eine Familie».

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Bülach. - Eine warme Mahlzeit gemeinsam mit vertrauten Leuten einnehmen - für die meisten eine Selbstverständlichkeit. Nicht so für Menschen mit psychischen Problemen: Viele ziehen sich in ihre Wohnung zurück, zum richtig Kochen fehlt die Energie. Deshalb ist der Treffpunkt Büli, der dieses Jahr das zehnjährige Jubiläum feiert, für viele Psychiatrie-Erfahrene aus der Region so wichtig: Zweimal pro Woche erhalten sie dort eine richtige Mahlzeit, treffen Leute in ähnlichen Situationen und haben eine Ansprechperson für Probleme. Wenn sie es wünschen, bleiben sie anonym: Im Treffpunkt sprechen sich alle mit dem Vornamen an; Personalien werden keine aufgenommen.

An diesem Montagabend tischt Köchin Regina Bosshard Poulet mit Teigwaren und Gemüse auf. Ursula* ist wie immer früher gekommen und hat die Tische gedeckt. Knapp 15 Männer und Frauen essen an verschiedenen Tischen verteilt, plaudern und räumen danach das Geschirr ab. Einige helfen beim Abwaschen. «Der Treff ist für mich wie eine Familie», sagt Claudia, die seit vielen Jahren regelmässig kommt. «Sogar meinen Freund habe ich hier kennen gelernt.»

Auch für Martin ist der Treff im Raum der reformierte Kirche beim Sigristenkeller ein wichtiger Ort, um unter die Leute zu kommen. «Nach dem Essen gehen wir oft noch zusammen ins Pub.» Am Sonntag treffe man sich manchmal zu einem Brunch, erzählen andere, und auch Silvester habe man zusammen gefeiert.

Und trotzdem würden diese Kontakte wohl bald einschlafen, wenn es den Treff nicht mehr gäbe, sagt Judith Bentele, Leiterin des Betreuungsteams. Denn wenn Menschen mit chronischen psychischen Krankheiten in eine Krise geraten, ist es ihnen kaum mehr möglich, Kontakt mit anderen aufzunehmen. Es braucht dann immer wieder Professionelle, die auf sie zugehen.

Klinikeintritte vermeiden

So erschien zum Beispiel Claudia am Montagabend nicht von selber im Treff. Seit Montag lag die Depressionskranke nur noch im Bett. «Aufstehen, anziehen und kommen», ordnete die Betreuerin am Telefon kategorisch an. Sie kennt Claudia seit Jahren und hat mit ihr vereinbart, in Krisensituationen dementsprechend zu intervenieren. Eine halbe Stunde später ist Claudia da und taut im Laufe des Abends immer mehr auf. «Ohne den Treff wäre es wohl zu einem Eintritt in die psychiatrische Klinik gekommen», mutmasst Bentele.

Der Verein Treffpunkt Büli, der den Treff betreibt, finanziert sich über Beiträge der Stiftung Pro Mente Sana und über Spenden. Betreutes Einzelwohnen ist ein weiteres Angebot des Vereins. Jedes Jahr organisiert der Verein zudem eine Ferienwoche für psychisch Beeinträchtigte. Dieses Jahr ging es nach Ascona. Claudia hat schöne Erinnerungen an diese Ferien: «Von meinem Bett aus sah ich direkt auf die Insel Brissago.» Treffpunkt Büli für Menschen mit einer psychischen Beeinträchtigung. Hans Haller-Gasse 4, Bülach. Öffnungszeiten: Mo und Do 17.30-20.30 Uhr plus ein Sonntag im Monat. Nachtessen: 9 Franken.
* Alle Namen der Besucher geändert.
(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 13.08.2009, 15:51 Uhr

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