Der Alt-Bundesrat ist nun Hotelier

Vom Bundeshaus ins «Alpenland»: Johann Schneider-Ammann hält Hof im Berner Oberland, wo er Geld in ein Hotel gesteckt hat.

Johann Schneider-Ammann lud im Hotel Alpenland in Lauenen zum Zmorgen ein. Foto: Stefan Kocherhans

Johann Schneider-Ammann lud im Hotel Alpenland in Lauenen zum Zmorgen ein. Foto: Stefan Kocherhans

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Ein bisschen ist er immer noch Bundesrat, der Johann Schneider-Ammann, oder «Hannes», wie man ihn hier im Hotel Alpenland in Lauenen nennt, so wie er da steht, im schwarzen Anzug und weissem Hemd. Die blaue Krawatte, die er wie als Bundesrat üblich umgebunden hatte, hat er rasch ausgezogen, als er frühmorgens vor sieben Uhr die Treppe herunterkam. Sie steckt nun in seiner linken Anzugtasche. Als Bundesrat hätte er sie einem Weibel geben können.

Das halbe Dorf Lauenen haben er und Willy Michel, Mitbesitzer des Hotels und Präsident der Medizintechnikfirma Ypsomed, zum Zmorge eingeladen. Und es ist auch zahlreich gekommen, sodass es auf dem Parkplatz vor dem Alpenland einen Einweiser braucht. Es gibt Filterkaffee und später, nach der Begrüssung und einem moderierten Gespräch, bernische «Züpfe», «Anke» und Konfitüre. Das Durchschnittsalter ist hoch, die Jungen sind «am Wärche». Das Restaurant wurde völlig neu gestaltet, zu einem «Zusammenspiel von knorrigem Holz und edlem Stein», wie es auf der Website heisst. Wenn Michel und Schneider-Ammann so nebeneinanderstehen, gleicht Ersterer dem edlen Stein und Letzterer dem knorrigen Holz.

«Damit meine Leute Arbeit haben»

Schneider-Ammann ist noch etwas gebückter als in seinen letzten Amtstagen, und etwas runder geworden ist er auch. Er habe für seine Firma, die Ammann-Gruppe, Aufträge hereinholen müssen, «damit meine Leute Arbeit haben», sagt er entschuldigend. Und die Kilos aus den ungesunden Jahren als Bundesrat, «die werde ich einfach nicht los».

Er investiere Geld in diese abgelegene Region, «weil es eine wunderschöne Gegend ist», sagt Schneider-Ammann, hier im Gespräch mit einer Moderatorin. Foto: Stefan Kocherhans

Aber ansonsten steht da ein Alt-Bundesrat, der wieder das tut, was er immer gerne tat. «Ein Unternehmer muss einfach etwas unternehmen», sagt er, und hinter den Brillengläsern taucht der Schalk auf, den so viele im manchmal übertrieben ernsten Berner Politbetrieb nie richtig verstanden haben. Er investiere Geld in diese abgelegene Region, «weil es eine wunderschöne Gegend ist», sagt Schneider-Ammann. «Das ist besser, als wenn ich Geldsäcke nach Bern heruntertrage und den Steuerbehörden bringe», findet er, «hier ist es besser investiert.»

Lauenen, gut 800 Einwohner, liegt auf 1250 Meter über Meer und noch fünf Autominuten hinter Gstaad. Vom mondänen Ort der Reichen und mehr oder weniger Schönen bekommt man hier nur wenig mit. Viele «Lauener» arbeiteten zwar in «Gstaad unten», sie seien aber ein ganz eigenes Völkchen geblieben, sagt ein Gstaader, der zur Einweihung des Restaurants heraufgefahren ist.

Das Haus unter bernischer Kontrolle halten

Schneider-Ammann, den im Emmental aufgewachsenen Unternehmer aus Langenthal, hat es nicht per Zufall in diese entlegene Gegend verschlagen. «Die Schwiegereltern hatten ein Chalet in Grindelwald, die Eltern in Adelboden», erzählt der Ex-Bundesrat, «da wollten wir möglichst weit weg.» Für ihn war das Saanenland seit jeher ein Rückzugsort, ganz besonders in den Jahren als Bundesrat.

Ich stieg ein, um das Haus unter bernischer Kontrolle zu halten.Johann Schneider-Ammann

Jahre später wollte er dem lokalen Kies- und Bauunternehmer seine Baumaschinen verkaufen, «was mir nie gelang», wie er heute einräumt. Als der aber Hilfe für das in die Jahre gekommene Hotel Alpenland brauchte, «da stieg ich ein, um das Haus unter bernischer Kontrolle zu halten.» Schneider-Ammann grinst. «Ist die Geschichte da zu Ende?», fragt die Moderatorin nach einer Pause höflich. «I würd säge.»

Am Schluss steht der Ex-Bundesrat am Haupteingang des Hotels und verabschiedet die Gäste, als hätte er nie etwas anderes getan.

Erstellt: 21.06.2019, 21:45 Uhr

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