Je Pendler, desto Panne

Die SBB brüsten sich gern mit ihrer Pünktlichkeit. Doch der Pendler weiss: alles gelogen. Deshalb muss er viel Bier trinken.

Der Pendler in freier Wildbahn: Eine gestresste Spezies.

Der Pendler in freier Wildbahn: Eine gestresste Spezies.

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Jahr für Jahr brüsten sich die SBB mit der extremen Pünktlichkeit ihrer Züge. Aber Pendler wissen: alles gelogen. Eine Auswertung der «NZZ am Sonntag» bestätigt den Verdacht: In den letzten vier Wochen kamen auf der Strecke Zürich–Bern nur 61,3 Prozent der Züge pünktlich an. Ganz im Gegensatz zu der in der SBB-Statistik ausgewiesenen Pünktlichkeit von 89 Prozent für das gesamte SBB-Netz.

Pendler kennen die echte Formel zur Zuverlässigkeit der SBB. Sie lautet: je Pendler, desto Panne. Auf den viel befahrenen Strecken jagen sich Stellwerkstörungen, Arbeiten am Gleismaterial, Ereignisse im Ausland, Zugsausfälle, Entgleisungen, Personenunfälle und noch mehr Stellwerkstörungen. «Wir danken für Ihr Verständnis», säuselt es jeweils aus dem Lautsprecher, wenn der Zug mal wieder zickt. Was für ein Affront! Der gemeine Pendler hat kein Verständnis, er hat Frust, weshalb er sich dann zum «Restaurant in der Zugsmitte» schleppt und die Auswahl «köstlicher Speisen und erfrischender Getränke» um ein lasches Bier erleichtert.

Überhaupt: Wieso sollte ich Verständnis dafür haben, wenn ich immer mehr zahlen muss, aber immer seltener einen Sitzplatz bekomme, manchmal mitten auf der Strecke in einen überfüllten anderen Zug umzusteigen genötigt werde oder mich am Arsch der Schweiz um einen Platz im Ersatzbus prügeln muss? Erstweltprobleme, höhnen die Nichtpendler dann gern. Ach ja? Das sage ich das nächste Mal gern der Kondukteurin, wenn ein Billett falsch gelöst oder abgestempelt wurde: «Erstweltprobleme! Meine Quote beträgt sonst über 90 Prozent. Ich danke für Ihr Verständnis.»

Erstellt: 16.10.2018, 17:20 Uhr

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