«Jeder, der Pieps machen kann, sollte Pieps machen»

Der Kampagnenstratege Andreas Freimüller hat eine Petition gegen Donald Trump lanciert. Warum die Schweizer Widerstand leisten sollten.

Demonstration vor der US-Botschaft in Tokio: Auf der ganzen Welt formiert sich Widerstand gegen Trump.

Demonstration vor der US-Botschaft in Tokio: Auf der ganzen Welt formiert sich Widerstand gegen Trump. Bild: Eugene Hoshiko/Keystone

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Donald Trump tobt. Am Wochenende hat ein Richter die von ihm angeordnete Reisesperre gegen Reisende aus sieben mehrheitlich muslimischen Ländern aufgehoben. Die Justiz stellt sich gegen den Präsidenten. Mit Erfolg.

Auf der ganzen Welt wächst der Protest gegen Trumps Regierungsstil – auch in der Schweiz. Der Kampagnenleiter Andreas Freimüller will, dass sich die Bevölkerung gegen den US-Präsidenten stellt. Er hat eine Petition lanciert, um Donald Trump zur Persona non grata zu erklären. Der Bundesrat soll Trump mitteilen, er sei in der Schweiz nicht willkommen. Wir haben mit Freimüller darüber gesprochen, wie und ob ein normaler Bürger gegen Trump Widerstand leisten kann.

Sie haben eine Petition gegen Trump eingereicht. Was wollen Sie damit erreichen?
Wir wollen, dass die Leute nicht einfach nur den ganzen Tag in die USA starren und Tweets von Trump lesen, sondern dass sie auch handeln können. In vielen Ländern gibt es bereits Petitionen wie unsere. Wenn viele Länder solche Botschaften aussenden, wird auch die Regierung Trump merken, das sich überall Widerstand bildet. Es spielt für uns keine zentrale Rolle, wie viele Unterschriften genau zusammenkommen. Es geht darum, ein starkes Signal zu senden.

Wie viele Unterschriften haben Sie bereits gesammelt?
Rund 8500 Personen haben schon unterschrieben. Es spielt für uns keine grosse Rolle, wie viele Unterschriften genau zusammenkommen. Es geht darum, eine starke Botschaft an den Bundesrat zu senden.

Was planen Sie als Nächstes?
Wir planen derzeit, die Übergabe der Petition am 20.2. zu machen. Es ist allerdings noch ein Hin und Her, weil wir auch eine Kopie der US-Botschaft übergeben wollen, und das ist gemäss Polizei etwas kompliziert, da muss offenbar von verschiedenen Seiten drüber befunden werden. Man kann sich aber jetzt schon für die Übergabe anmelden.

Was erwarten Sie von der offiziellen Schweiz?
Unsere Regierung ist es gewohnt, keine klare Haltung einzunehmen. Doch wenn wichtige Dinge anstehen, hat die Schweiz die moralische Verpflichtung, den Mund aufzumachen. Ich erwarte Wachsamkeit und Mut von der offiziellen Schweiz. Was in den USA jetzt passiert, betrifft uns stark. Ich erwarte, dass unsere Regierung klar Position bezieht, indem sie beispielsweise noch deutlicher zum Ausdruck bringt, dass sie die Reisesperre nicht gut findet. Und dann nicht zuletzt auch den Groll oder die Tweets von Trump aushalten kann.

Und vom normalen Bürger?
Protest, das ist das eine: Jede und jeder, der Pieps machen kann, sollte Pieps machen. Meines Erachtens gibt es ganz klar eine Pflicht, Widerstand zu leisten. Wir bestimmen, wie viel wir unwidersprochen geschehen lassen. Doch wir sollten auch bereit sein, weiter zu gehen und wenn nötig auch wirtschaftliche Massnahmen wie Boykotte von amerikanischen Firmen, die Trump unterstützen, zu ergreifen. Alle sollten sich überlegen, was sie bereit sind zu tun, wenn Trump so weitermacht.

Trump wurde gewählt und ist demokratisch legitimiert. Macht es da Sinn, Widerstand zu leisten?
Es gibt Situationen, da muss man sich gegen Autokraten wie Trump auflehnen, um sich selbst und die Menschheit vor grösserem Unheil zu bewahren. Wie gross der Wähleranteil war, spielt dabei keine Rolle.

Erstellt: 07.02.2017, 21:10 Uhr

Freimüller ist Präsident der Kampagnenorganisation Campax. Diese bezeichnet sich selbst als «die neue progressive Kraft der Schweiz». Der 47-Jährige engagierte sich früher für Greenpeace und entwickelt heute Strategien für verschiedene Kampagnen. Bekannt wurde er durch den Mammut-Fall. 2011 setzte sich der Wirtschaftsverband Economiesuisse mit der Unterstützung von 200 Unternehmen gegen die Verschärfung des CO2-Gesetzes ein. Unter anderen auch der Kleiderhersteller Mammut. Freimüller startete einen Shitstorm gegen Mammut. Die Firma distanzierte sich daraufhin von der Economiesuisse-Kampagne. Diese nahm der Wirtschaftsverband wenig später vom Netz.

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