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Jet-Anbieter stehen in den Startlöchern

Welcher Jet soll dereinst die F/A-18 ablösen: Eurofighter, Rafale, F-35 – oder doch der Gripen?

Bis spätestens 2030 wird der Bundesrat einen neuen Jet zum Kauf vorschlagen: Als Jet der Zukunft gilt der Joint Strike Fighter (F-35) des US-Konzerns Lockheed Martin.
Bis spätestens 2030 wird der Bundesrat einen neuen Jet zum Kauf vorschlagen: Als Jet der Zukunft gilt der Joint Strike Fighter (F-35) des US-Konzerns Lockheed Martin.
Keystone

Wenn 2016 die 54 Tiger-Jets ausser Betrieb genommen werden, besteht die Schweizer Luftwaffe noch aus 32 F/A-18. Gegen 2030 hin erreichen auch sie das Ende ihrer Lebensdauer. Spätestens auf dann hin wird der Bundesrat einen neuen Jet zum Kauf vorschlagen. Bereits jetzt stehen die bei der Gripen-Evaluation unterlegenen Anbieter Airbus (früher EADS) mit dem Eurofighter und Dassault mit dem Rafale bereit. Wirklich aufgehört mit dem Bietverfahren haben sie nie. Via die Sicherheitspolitischen Kommissionen boten sie auch nach Abschluss der Evaluation Occasionsjets und Sonderangebote an. Die jüngste Offerte hat laut der «Schweiz am Sonntag» Airbus im August 2013 zuhanden des Bundesrats eingereicht: 22 Eurofighter für 2,2 Milliarden Franken. Die Bundeskanzlei bestätigte den Eingang des Schreibens.

Airbus nahm dazu keine Stellung. Sprecher Florian Taitsch sagte jedoch: «Wir können der Schweiz ein attraktives Angebot innerhalb des vorgegebenen Budgets offerieren. Wenn der Bundesrat interessiert ist, nehmen wir den Dialog gerne wieder auf.» Und auch Dassault-Generaldirektor Eric Trappier betonte gestern an einer Flugzeugmesse in Genf: «Unser ursprüngliches Angebot ist zwar nicht mehr gültig. Aber wenn man uns fragt, können wir es erneuern.»

Erst die Hausaufgaben machen

Georges Bridel, einer der wenigen Schweizer Ingenieure mit mehrjähriger Erfahrung in der Kampfjetentwicklung, rät derweil, erst die «Hausaufgaben» zu machen. «Wir müssen zunächst wissen, was die künftigen Anforderungen sind», sagt Bridel, der für Boeing, EADS sowie Dassault gearbeitet hat und nun als unabhängiger Experte tätig ist. Beim Schutz des Luftraums empfiehlt er, einen Verbund mit den Nachbarländern zu prüfen. Keine Lösung sei es, ganz auf Jets zu verzichten und nur auf Drohnen oder Luftabwehrraketen zu setzen: «Für die Luftpolizei benötigt es bemannte Jets.» Wie lange die F/A-18 diesen Dienst ausführen können, ist umstritten.

Gemäss Verteidigungsdepartement (VBS) beträgt die F/A-18-Lebensdauer 5000 Flugstunden. Experten zweifeln die Zahl an. Die F/A-18 sei für den Luftkampf und -angriff konzipiert worden, werde in der Schweiz aber für die Luftpolizei gebraucht. Das nütze weniger ab. Bridel teilt diese Einschätzung. Er gibt aber zu bedenken, dass es immer schwieriger werde, Ersatzteile und Support zu erhalten. Seit Ende der 90er-Jahre produziert Boeing die F/A-18 nicht mehr.

Die Tiger länger nutzen?

Zur Typenwahl will sich Bridel noch nicht näher äussern. Der als Jet der Zukunft geltende Joint Strike Fighter (F-35) des US-Konzerns Lockheed Martin sei ein Angriffsflugzeug und weniger geeignet. In den letzten Jahren haben sich Italien, Norwegen und Holland für den F-35 entschieden. Eurofighter und Rafale bieten laut Bridel den Vorteil, dass sie in den Nachbarländern im Einsatz sind, was bei mehr Kooperation hilfreich wäre. Gut möglich sei auch, dass der Gripen in vier bis fünf Jahren Beschaffungsreife erlange. «Dann könnte er wieder ein Thema werden», sagt Bridel. Schliesslich sollte man laut ihm prüfen, ob rund 30 Tiger-Jets, aufdatiert mit neuem Radar und Cockpit, für das Training und zur Unterstützung der Luftpolizei über 2016 hinaus verwendet werden können. Das erlaubte, die F/A-18 zu schonen.

Das VBS hingegen hat mehrfach betont, die Tiger 2016 stillzulegen. Und auch an den 5000 Flugstunden hält es fest: «Trotz weniger Luftkampfübungen ist die Belastung gross», sagt Sprecher Peter Minder. In den USA starteten die F/A-18 auf Flugzeugträgern und flögen lange geradeaus. Die Topografie der Schweiz zwinge hingegen zu mehr Kurven. Das erhöhe die Abnützung.

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