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Jetzt redet die Katalanin, die in die Schweiz geflüchtet ist

Ihre Mitstreiter flüchteten nach Belgien, Anna Gabriel sucht jetzt Schutz in Genf. In Madrid wartet auf sie ein Prozess.

Flammende Rede für die Unabhängigkeit Kataloniens: Parlamentarierin Anna Gabriel von CUP.
Flammende Rede für die Unabhängigkeit Kataloniens: Parlamentarierin Anna Gabriel von CUP.
Alberto Estévez, Keystone

Der Katalonien-Konflikt hat definitiv die Schweiz erreicht. Am Wochenende ist bekannt geworden, dass sich die katalanische Politikerin Anna Gabriel vor der spanischen Justiz nach Genf geflüchtet hat. Jetzt äussert sich Gabriel zum ersten Mal – und macht klar, dass sie in der Schweiz bleiben will. «Weil ich zu Hause keinen gerechten Prozess erwarten kann, suche ich ein Land, das meine Rechte schützt», erklärte Gabriel gegenüber der Westschweizer Zeitung «Le Temps».

Bereits morgen Mittwoch sollte Gabriel in Madrid vor Gericht erscheinen wegen angeblicher Beteiligung an einer Rebellion. Gemeint sind die Unabhängigkeitsbestrebungen der Autonomieregion Katalonien vom letzten Jahr. Dabei drohen Gabriel laut Medienberichten bis zu 30 Jahre Gefängnis. Diesem Prozess will sich Gabriel unter keinen Umständen stellen. «Ich werde nicht nach Madrid gehen», stellt sie klar.

Spanien wie die Türkei?

Laut Gabriel kann sie in Spanien nicht mit einem fairen Prozess rechnen. «Ich werde verfolgt für mein politisches Engagement», sagt sie. Die regierungsnahen Medien hätten sie «bereits vorverurteilt». Sie vergleicht Spaniens Umgang mit der Unabhängigkeitsbewegung in Katalonien mit der Repression der türkischen Regierung nach dem Putschversuch vom Juli 2016.

Gabriels Ankunft in Genf markiert möglicherweise eine neue Phase im Kampf der katalanischen Unabhängigkeitsbewegung. Im Oktober hatte sich der abgesetzte katalanische Regionalpräsident Carles Puigdemont und mehrere seiner Minister an den Sitz der EU nach Belgien geflüchtet. Indem Gabriel nun in Genf, dem europäischen Sitz der UNO, Zuflucht suche, versuche die Unabhängigkeitsbewegung «eine zweite diplomatische Front» gegen Spanien zu eröffnen.

In Freiheit nützlicher

Die 43-jährige Gabriel unterrichtet Recht an der autonomen Universität Barcelona und gehörte dem katalanischen Regionalparlament an, bis es im Oktober 2017 von der Zentralregierung aufgelöst wurde. Gabriel ist Mitglied der linksradikalen Partei Kandidatur der Volkseinheit (CUP), welche Puigdemonts Regierungskoalition angehörte. Gabriel kämpft seit Jahren für eine Unabhängigkeit Kataloniens von Spanien und war in der Referendumskampagne stark engagiert.

Dafür will ihr die spanische Justiz nun den Prozess machen. Laut spanischen Presseberichten wirft die Polizei Gabriel vor, dem Führungszirkel der angeblichen Rebellion angehört zu haben. Zudem habe sie die Bevölkerung zum Ungehorsam aufgerufen. Gegenüber «Le Temps» bestätigt Gabriel, sie habe «schon immer» für die Unabhängigkeit gekämpft, aber stets auf friedliche Weise.

Als sie gesehen habe, wie im Dezember mehrere ihrer Kollegen von der spanischen Justiz in Haft genommen wurden, habe sie verstanden, dass sie das Land verlassen müsse. «In Freiheit bin ich meiner Bewegung nützlicher als hinter Gittern.»

Ob Gabriel in der Schweiz bereits ein Asylgesuch gestellt hat oder demnächst eines stellen will, ist derzeit unklar.

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