Juso rebellieren gegen AHV-Pläne ihres eigenen Bundesrats

Die Jungsozialisten lehnen bei der grossen Reform der Altersvorsorge selbst die Variante von Alain Berset ab.

«Das ist stupid»: Juso-Präsidentin Tamara Funiciello.

«Das ist stupid»: Juso-Präsidentin Tamara Funiciello. Bild: Keystone

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Die grosse Rentenreform von SP-Bundesrat Alain Berset stösst jetzt auch in seiner eigenen Partei auf offiziellen Widerstand. Nachdem welsche Gewerkschaften und linke Kleinparteien das Referendum angekündigt haben, und nachdem in linken Frauenorganisationen Unmut laut geworden ist, melden jetzt auch die Jungsozialisten (Juso) Opposition gegen die Vorlage an. «Wir müssen die Altersreform 2020 aktiv bekämpfen», schreibt die neunköpfige Juso-Geschäftsleitung in einem Resolutionsentwurf, den sie am Mittwoch beschlossen hat.

Wie weit gehen die Juso?

Die Resolution soll am übernächsten Wochenende von der Jahresversammlung der Juso Schweiz in Bern offiziell verabschiedet werden. Mit der Juso-Spitze stellt sich erstmals ein offizielles Parteigremium der SP Schweiz gegen die Altersreform, die der SP-Bundesrat Berset verantwortet. Die Juso opponieren aber nicht nur gegen ihren eigenen Bundesrat, sondern auch gegen die gesamte SP-Bundeshausfraktion, die die Ständeratsvariante mitgeprägt hat.

Wie aktiv die Juso sich in einem allfälligen Referendumskampf engagieren werden, kann Juso-Präsidentin Tamara Funiciello derzeit nicht beantworten. Das werde davon abhängen, «wie sich die Sache entwickelt» und welche anderen Organisationen beim Referendum mitmachen würden.

«Mickrige 70 Franken»

Die Juso begründen ihre Ablehnung der Reform mit der Erhöhung des Frauenrentenalters auf 65 Jahre. Das sei «ungerecht für alle in der Schweiz lebenden Frauen», heisst es im Resolutionstext. Die Frauen seien gegenüber den Männern bei den Löhnen nach wie vor diskriminiert. Zudem müssten Frauen öfter Teilzeit arbeiten, seien tendenziell schlechter bezahlt und würden den grössten Teil der unbezahlten Care-Arbeit in der Familie leisten. Aus diesen Gründen erachten die Juso die im Ständeratsmodell enthaltene Erhöhung der monatlichen AHV-Renten um 70 Franken für ungenügend.

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«Tatsache ist, dass wir das Rentenalter der Frauen für mickrige 70 Franken verkaufen», heisst es im Resolutionstext. Hinzu komme, dass die Erwerbsarbeit sowieso knapper werde. «In Zeiten der Digitalisierung sei jede Rentenaltererhöhung stupid — egal ob für Frauen oder Männer», sagt Funiciello.

Video – wieviel Geld braucht es im Alter?

«Mit 4000 Franken Rente kommt man durch»: Umfrage auf der Strasse.

Erstellt: 02.03.2017, 16:52 Uhr

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