Zum Hauptinhalt springen

Langes Warten auf den TCS-Rettungsflieger

Eine Versicherte erkrankt in den Ferien in Ägypten schwer und bittet den TCS um eine Rückführung. Doch der Flieger kommt nicht – aus einem zweifelhaften Grund.

Die Frau verstarb in Ägypten: TCS-Flugzeug. (Archivbild)
Die Frau verstarb in Ägypten: TCS-Flugzeug. (Archivbild)
AAA

«Erstklassige Hilfe im Notfall», dies verspricht der TCS, der grösste Reiseversicherer der Schweiz, den rund 700'000 Besitzern des ETI Schutzbriefes. Gemäss «Kassensturz» haben sich jedoch die Beschwerden unzufriedener TCS-Versicherter in der Vergangenheit gehäuft – ein Beitrag des Konsumentenmagazins im Schweizer Fernsehen lässt nun gar an besagtem Slogan zweifeln.

Eine 75-jährige Tessinerin reiste im vergangenen Jahr nach Hurghada ans Rote Meer in die Ferien. Sie war sich gemäss ihrer Tochter sicher, dass sie mit dem ETI Schutzbrief gut versichert sei, da der TCS nun seit drei Jahren auch Rückführungen von im Ausland erkrankten Versicherter organisiert. In Ägypten angekommen, suchte die Tessinerin wegen starkem Husten und Erbrechen das Nile Hospital in Hurghada auf, ihr Zustand verschlechterte sich innert kürzester Zeit noch weiter: Im Spital musste die Frau künstlich beatmet werden und erlitt während der Intubation gar einen Herzstillstand, worauf sie wiederbelebt werden musste.

Ihre Angehörigen verständigten sofort den TCS und wollten eine Rückführung in die Schweiz veranlassen – doch der TCS kam diesen Wunsch nicht nach. «Der TCS sagte, es sei zu gefährlich meine Mutter zu fliegen, weil sie künstlich beatmet werde», erinnert sich die Tochter im Fernsehbeitrag. Der Zustand der Patientin sei zu instabil für einen Transport, hiess es.

Schlechte hygienische Verhältnisse

Professor Heinz Zimmermann, ein langjähriger Notfallmediziner und Chefarzt, zweifelt die Aussagen des TCS an: «Die Patientin musste intubiert und anschliessend reanimiert werden. Das sind aber keine Gründe, dass sie nicht hätte zurückgeführt werden können.» Der TCS widerspricht ihm und sagt, die Patientin sei nicht transportfähig gewesen.

Die Tochter reiste schliesslich selbst nach Hurghada, bei ihrer Ankunft lag ihre Mutter bereits seit fünf Tagen im Spital. Die Tochter bemängelte die hygienischen Verhältnisse, aber auch die medizinische Versorgung: «Sie erhielt keine Schmerzmittel, hatte Durst», sagt die Tochter. Kommuniziert hätten die beiden mit Zetteln, da die Mutter wegen des Beatmungsschlauches nicht sprechen konnte. Auf einen Zettel schrieb die Mutter: «Ich habe starke Schmerzen», auf einen anderen «Wann kommt das Flugzeug?». Wieder bat die Tochter den TCS um eine Rückführung.

Rega schaltet sich ein

Da die erkrankte Tessinerin auch Gönnerin der Rega war und der TCS noch immer nicht fliegen wollte, verständigte ihre Tochter die Rettungsflugwacht. Diese entschied, die Patientin sei transportfähig und ein Flug dränge sich wegen der schlechten medizinischen Versorgung vor Ort auf. Die Rega traf in Hurghada ein und fand die Patientin in einem kritischen Zustand vor. Seit einer Woche lag sie nun im Spital, ihr Zustand hatte sich noch einmal deutlich verschlechtert, sodass sie noch vor dem Heimflug wegen eines Herzlungenversagens verstarb.

Der Rechtsprofessor Ueli Kieser sagt, eine Schweizer Reiseversicherung müsse die medizinische Qualität des ausländischen Spitals bei einem Rückführungsentscheid berücksichtigen, dabei gälte der hohe Schweizer Standard. Dem Bericht der Rega ist zu entnehmen, dass es vor Ort «ungenügende medizinische Möglichkeiten» gab und die Patientin im Spital nicht «adäquat» therapierbar war, die Frau sei daher auf «jeden Fall mitzunehmen».

Der TCS nimmt zum Unfall schriftlich Stellung. Der Versicherer schreibt: «Der TCS wollte die Patientin im Januar 2013 immer repatriieren. In der Zeit als der TCS verantwortlich war, war der medizinische Zustand der Patientin nach zwei Herz-/Kreislaufstillständen äusserst prekär, und es war aus medizinischer Sicht wahrscheinlich, dass die Patientin den Transport in die Schweiz nicht überleben würde, was dann leider auch geschah.» Gemäss Notfallmediziner Professor Zimmermann hätte eine Chance bestanden, dass die Tessinerin heute noch leben würde: «Wäre die Patientin bereits nach der Intubation und der Reanimation am zweiten Tag zurückgeflogen worden, dann hätte man sie hier durch erfahrene Ärzte untersuchen und behandeln können».

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch