«Prüde Bitch!»: Wie Journalistinnen sexuell belästigt werden

Eine exklusive Umfrage zeigt: Frauen in der Medienbranche sind besonders stark von Übergriffen betroffen – durch Kollegen, Interviewpartner, Chefs.

Es passiert im Büro und unterwegs: Viele Journalistinnen erzählen von verbalen und körperlichen Belästigungen. Illustration: Benjamin Güdel

Es passiert im Büro und unterwegs: Viele Journalistinnen erzählen von verbalen und körperlichen Belästigungen. Illustration: Benjamin Güdel

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

«Betreibst du gerne Bettsport?»

«Was hältst du davon, wenn ich dich packen und von hinten meinen Schwanz in dich rammen würde?»

«Du musst wohl mal wieder durchgefickt werden.»

«Hast du dich hochgeschlafen, dass du in diese Position gekommen bist?»

«Wir haben über deinen Arsch gesprochen.»

«Geh mit deinem Mund näher ans Mikrofon und stelle dir vor, es sei mein grosser Schwanz.»

«Prüde Bitch!»

Solche Sprüche müssen sich Journalistinnen bei ihrer Arbeit anhören. Von ihren Vorgesetzten und Teamkollegen, von Interviewpartnern und Informanten, von Experten und anderen Auskunftspersonen. Es passiert im Büro, bei Dreharbeiten, bei Treffen mit Politikern, Managern, Musikern und Sportlern. In einer anonymen Umfrage des Recherchedesks und des Datenteams von Tamedia berichten 244 von 458 weiblichen Medienschaffenden, dass sie sexuelle Belästigungen oder Übergriffe bei der Arbeit erlebt haben. Das sind 53 Prozent der Teilnehmerinnen.

Der Anteil betroffener Frauen liegt damit wesentlich höher als in einer nationalen Umfrage durch das Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco) zu sexueller Belästigung am Arbeitsplatz im Jahr 2008. «In unserer Studie lag dieser Wert bei den Frauen bei rund 28 Prozent», sagt Marianne Schär Moser, Psychologin und Mitverfasserin jener Studie. Amnesty International veröffentlichte vor kurzem eine Studie über sexuelle Gewalt und Belästigungen an Frauen in der Schweiz. Dort berichtet zwar mehr als die Hälfte von Vorfällen, doch die meisten erlebten diese auf der Strasse oder im öffentlichen Verkehr. Ein Drittel ist von Belästigung am Arbeitsplatz betroffen: ein ähnliches Resultat wie in der Seco-Studie – und ebenfalls deutlich weniger als bei den Journalistinnen.

An der Tamedia-Umfrage nahmen auch 297 männliche Medienschaffende teil. 34 von ihnen antworteten, sie seien sexuell belästigt worden. Das sind 11 Prozent aller männlichen Teilnehmer. Dieser Wert bewegt sich im Rahmen der Seco-Studie.

Die Tamedia-Umfrage mit über 30 Teilfragen ging Ende Januar an 3429 Medienschaffende in der Deutschschweiz und der Romandie. Sie ist nicht repräsentativ, die Ergebnisse lassen sich also nicht ohne weiteres auf alle Journalistinnen und Journalisten in der Schweiz hochrechnen. Möglicherweise haben vermehrt Personen teilgenommen, die von sexueller Belästigung betroffen waren oder sind. Und schliesslich sind Einzelfälle schwierig zu verifizieren, da stets nur eine Seite anonym erzählt.

Doch der sehr grosse Umfang der Rückmeldungen verleiht den Ergebnissen Gewicht: Fast ein Viertel der Angeschriebenen hat an der Umfrage teilgenommen. Hunderte Befragte aus Print, Fernsehen, Radio und Online schildern – teils detailliert – erschütternde Erlebnisse. Insgesamt schrieben sie in den Kommentarfeldern 410 000 Zeichen, das entspricht einem 220-seitigen Buch. «Der Rücklauf dieser Befragung ist sehr gut», sagt Seco-Studienleiterin Schär Moser. «Die Resultate haben eine hohe Aussagekraft.»

Wohl zum ersten Mal überhaupt in der Schweiz liegen damit zahlreiche Einzelheiten zu sexuellen Belästigungen in einer ganzen Branche vor. Relevant sind sie über die Branche hinaus. «Sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz ist kein Randthema», sagt Schär Moser. «Neben Lohnungleichheit und Diskriminierung ist sie das dritte grosse Hindernis für eine erfolgreiche Integration der Frauen am Arbeitsplatz – und das ist ein zentrales wirtschaftliches und gesellschaftliches Anliegen.»

Was also erzählen die Journalistinnen? Die Auswertung ihrer Antworten und Gespräche mit Expertinnen führen zu sechs Schlussfolgerungen:

Resultat 1: Fast die Hälfte der Belästigten hat Vorfälle erlebt, die über schlüpfrige Bemerkungen hinausgehen

Am häufigsten berichten die Journalistinnen von anzüglichen Bemerkungen über Aussehen oder Kleidung, von schlüpfrigen Witzen über sexuelle Merkmale oder sexuelles Verhalten. Fast die Hälfte der 458 Teilnehmerinnen, nämlich 219 Frauen, hat solche Erfahrungen gemacht. Das deckt sich mit Ergebnissen anderer Studien. Das Aussergewöhnliche an der Medien-Umfrage: 105 Frauen schildern neben den verbalen Belästigungen auch viel weitergehende Ereignisse.

Dutzende erzählen zum Beispiel von körperlichen Übergriffen. Ein Griff zwischen die Beine hier, ein Ziehen am Reissverschluss da – am Kopierer, im Lift, im Büro. Die Frauen schildern unerwünschte Berührungen an Busen und Po oder aufgedrängte Küsse auf den Mund. Wie Männer sie von hinten umarmt, am Nacken gestreichelt oder «am Bauch getätschelt» haben.

Eine Journalistin schreibt: «Am Schlimmsten war sicher das Firmenfest, als mich zwei viel ältere Kollegen, die viel Alkohol getrunken hatten, zu betatschen anfingen und mir erzählten, was sie alles mit mir machen sollten. Der eine Kollege, der das mitbekam, griff nicht ein.»

Andere beschreiben, wie sie teils über Wochen oder gar Monate gestalkt wurden – zum Teil so heftig, dass sie sich kaum mehr aus dem Haus getrauten. Und sie schildern, wie Männer ihnen ungefragt pornografisches Material schickten oder sich vor ihnen entblössten. Eine junge Journalistin aus der Romandie etwa schreibt, wie ein Unbekannter ihr Gesicht per digitale Bildbearbeitung auf pornografische Bilder montierte und ihren Kollegen und Freunden schickte.

Ein entscheidender Unterschied zur nationalen Seco-Studie: Journalistinnen schildern wesentlich häufiger Avancen, die mit Versprechen von Vorteilen oder Androhen von Nachteilen einhergehen. «Mehrmals in der Nacht erhielt ich anzügliche SMS mit der Aufforderung, meinen Freund zu verlassen», schreibt eine junge Journalistin über einen Chef. «Einmal schrieb er, dass sich dies auch positiv auf meine Karriere auswirken könnte.» Andere schreiben, die Belästiger hätten «sexuelle Gegenleistungen» oder «sexuelle Handlungen» verlangt, etwa für eine Beförderung. Besonders häufig nennen Frauen das Versprechen von Vorteilen und das Androhen von Nachteilen im Zusammenhang mit Vorgesetzten.

«In unserer nationalen Studie meldeten erheblich weniger Personen diese Art von Belästigungen», sagt Seco-Studienleiterin Schär Moser. Sie könnten für die Opfer besonders gravierend sein. «Viele Betroffene erzählten uns, dass das Verhalten ihres Kollegen oder Vorgesetzten ihnen gegenüber sich nach der Ablehnung einer sexuellen Avance tatsächlich verschlechterte. Dass ihre Leistung plötzlich schlechter beurteilt wurde.»

Solcherlei rapportieren auch die Journalistinnen: «Er schickte mir Nachrichten, wo er mich auf der Strasse gesehen habe oder wie mir welches Kleid steht», schreibt etwa eine ehemalige Praktikantin. «Er war so etwas wie der Star der Redaktion. Es gab niemanden, dem ich mich hätte anvertrauen können. Es hat nicht aufgehört, also habe ich ihn irgendwann zur Rede gestellt. Danach wurde es erst recht unangenehm. Wann immer ich von nun an einer Sitzung einen Vorschlag für eine Geschichte machte, haben er oder seine Kumpels den Vorschlag torpediert, meine Stücke wurden bei der Blattkritik zerrissen.»

Resultat 2: Journalistinnen berichten auffallend häufig von Belästigungen durch Vorgesetzte

204 betroffene Frauen beantworten die Frage, wer sie alles belästigt habe. 85 von ihnen, also über 40 Prozent, nennen auch Vorgesetzte als Urheber. «Der Anteil der Personen, die Belästigungen durch Vorgesetzte erlebten, ist wesentlich höher als in unserer nationalen Studie», sagt Schär Moser. Es ist unklar, ob dies eine Besonderheit der Medienbranche ist, oder ob sich Journalistinnen mehr als Frauen in anderen Branchen trauen, ihre Vorgesetzten als Belästiger zu nennen. Fakt ist, dass solche Fälle oft wesentlich schwerer wiegen als Belästigungen durch Kollegen oder Externe. «Die Hilflosigkeit ist besonders hoch», sagt Schär Moser.

«Beim Vorstellungsgespräch stand mein Äusseres im Mittelpunkt», schreibt zum Beispiel eine junge Journalistin. «Primär hat mich Ihr Foto sehr angesprochen», so die Aussage des zukünftigen Chefs. «Ich war total verunsichert und wollte den Job unbedingt, habe daher versucht, die anzüglichen Bemerkungen zu ignorieren. Nach der Anstellung kam es immer wieder zu solchen Bemerkungen und auch privaten Einladungen mündlich und per SMS. Alles habe ich kommentarlos ignoriert. Gewehrt habe ich mich leider nie.»

Auch verbale Belästigungen wirken viel stärker, wenn sie von Chefs kommen. «Über einen längeren Zeitraum war ich immer wieder Bemerkungen ausgesetzt», schreibt eine junge Journalistin. «Die extremste Bemerkung machte er bei einem Apéro, als er sagte, ich habe ‹einen grossen Arsch und kleine Titten›.» Der Chef schickte ihr zudem anzügliche SMS und gab ihr Geschenke.

«Die Erfahrung zeigt, dass Betroffene, die Belästigungen durch Vorgesetzte erleben, oft kündigen oder sich versetzen lassen, weil sie keinen anderen Ausweg mehr sehen», sagt Schär Moser. «Andere zeigen wegen der Belastungen schlechtere Leistungen, was zu weiteren Problemen am Arbeitsplatz führt, nicht selten auch zur Entlassung.»

Die Anwältin Monika Hirzel hat in ihrer Beratungsfirma BeTrieb oft mit Fällen von Belästigung durch Vorgesetzte zu tun. «Sobald es ein Machtgefälle gibt, versucht ein Teil der Männer, das auszunutzen», sagt Hirzel. Dabei zeige sich ein Altersmuster, das auch in der Umfrage unter Journalisten erkennbar sei: «Oft trifft es jüngere und unerfahrene Frauen, die von älteren Männern in Machtpositionen belästigt werden.»

Tatsächlich machten rund drei Viertel der betroffenen Journalistinnen ihre Erfahrungen mit unter 35 Jahren. Knapp die Hälfte war sogar unter 30, als erstmals etwas passierte. Viele betonen, dass ihre Unerfahrenheit als Berufseinsteigerin ausgenutzt worden sei. Das klingt zum Beispiel so: «Grenzen setzen und Nein sagen, das konnte ich als 22-jährige Praktikantin noch nicht.» Oder: «Wenn ich heute solche Sprüche höre, habe ich kein Problem, mich zu wehren. Aber mit 18, 19 – neuer Job, neue Leute – überrumpelte mich das, und ich sagte nichts.»

Resultat 3: Die meisten Fälle sind neu

Die #MeToo-Bewegung startete im Herbst 2017 mit dem Skandal um Filmproduzent Harvey Weinstein. Nebst Hollywood erfasste sie auch die Medienbranche in den USA, in Frankreich, Grossbritannien und Deutschland. Doch zahlreiche Umfrage-Teilnehmerinnen berichten, wie die Belästigungen in der Schweiz ungerührt weitergingen: Im März 2018 etwa habe ein Mann einer Journalistin an einem Medientermin zugerufen, sie solle sich auf seinen Schoss setzen. Vor allen Teilnehmenden habe er seine Belästigungen fortgesetzt. Zwei junge Journalistinnen beschreiben drastische körperliche Übergriffe, der eine datiert vom Frühling, der andere vom Herbst 2018. Das ist nur ein kleiner Teil der Fälle aus dem letzten Jahr. Insgesamt haben sich rund drei Viertel der gemeldeten Ereignisse in den letzten zehn Jahren zugetragen.

Resultat 4: Nur die wenigsten Betroffenen melden die Vorfälle – entsprechend gering sind die Konsequenzen für die Beschuldigten

Zwar berichtet der Grossteil der belästigten Journalistinnen ihren Partnern, Arbeitskollegen oder Freundinnen von ihren Erfahrungen. Doch nur 13 Frauen geben an, den geschilderten Vorfall bei einer internen oder externen Ombudsstelle gemeldet zu haben. Weitere zwei gingen zur Polizei.

«Das ist erschreckend», sagt die auf Arbeitsrecht spezialisierte Anwältin Monika Hirzel. «Oft finden Belästigungen in einer Grauzone statt. Die Opfer sind sich nicht sicher, wie gravierend ihr Fall ist.» Dass sich die allermeisten in dieser Situation nur mit ihrem engen Umfeld austauschen, helfe wenig. Denn der Arbeitgeber könne nur konkrete Massnahmen ergreifen, wenn er von Vorfällen Kenntnis habe. «Die meisten Opfer wollen aber vor allem wissen, was sie tun sollen», sagt Hirzel. «Einfach abhaken? Sich wehren? Oder melden, und wenn ja, wem? Und: Welche Risiken birgt das allenfalls?»

Gerade für solche Fälle in der Grauzone gibt es interne und externe Ombudsstellen. «Ganz offensichtlich nehmen viel zu wenige in der Medienbranche diese Angebote wahr», sagt Anwältin Hirzel. Die Gründe dafür sind zahlreich, wie die Umfrage zeigt: Einige Frauen sind verunsichert, ob das Erlebte wirklich schlimm genug für eine Meldung ist. Andere sagen, sie hätten Angst, dass ihnen nicht geglaubt werde. Oder es sei ihnen von Kollegen explizit davon abgeraten worden. Manche haben den Eindruck, dass Belästigungen Teil der Betriebskultur sind. Und vor allem fürchten die Frauen die Konsequenzen. Denn oft geht es um ihre Vorgesetzten. «Aber gerade für solche Fragen sind die Ombuds­stellen gedacht», sagt Hirzel.

Je weniger Fälle gemeldet werden, desto freier können die Beschuldigten agieren: Sie haben kaum etwas zu befürchten – auch das zeigt die Tamedia-Umfrage. Von den 244 Journalistinnen, die von Belästigungen berichten, sagen nur 13, die Vorfälle hätten Folgen für den Beschuldigten gehabt. Eine Frau zählt minutiös 17 verschiedene Fälle aus den letzten 30 Jahren auf. Sie hat sich teils auch bei Ombudsstellen gemeldet – ohne Konsequenzen.

Resultat 5: Viele Betroffene kämpfen jahrelang mit den Folgen

Während es für die Männer in den meisten Fällen keine Konsequenzen gibt, prägen sich die Vorfälle bei den Betroffene umso heftiger ein. 102 Frauen berichtet von einem Gefühl der Hilflosigkeit, von Scham oder einem Verlust des Selbstwertgefühls nach einem Vorfall. 49 Frauen fühlten sich demotiviert, ihre Konzentration oder Leistung habe nachgelassen, schreiben sie. Andere berichten von gesundheitlichen Problemen wie etwa Schlafstörungen oder Depressionen. In manchen Fällen trieben die Vorfälle die Frauen in die Isolation.

Einige Journalistinnen fühlen sich, so schildern sie es, schmutzig. Andere genervt. Sie sind irritiert, perplex und oft sehr wütend. Nicht nur auf die Belästiger, sondern auch auf sich selbst. Auffallend häufig erwähnen sie, dass sie die Schuld bei sich selber gesucht hätten oder noch immer suchen. Auch das zeigt die Umfrage: Die negativen Folgen können bereits bei schlüpfrigen Bemerkungen sehr lange anhalten.

«Jede vierte Betroffene leidet jahrelang unter dem Erlebten. Das ist ernüchternd», sagt Anwältin Monika Hirzel. «Die Erfahrung zeigt, dass es leichter ist, das Erlebte zu verarbeiten, wenn man es mit einer Fachstelle besprochen oder den Vorfall gemeldet hat. Die vielen Betroffenen mit Langzeitfolgen sind also womöglich eine Folge davon, dass so wenig gemeldet wird.»

Dass es sich lohnen kann, sexuelle Belästigungen zu melden, zeigt der Fall einer Radiojournalistin aus der Romandie. Während einer Livesendung sagte ihr ein Techniker, sie solle sich vorstellen, das Mikrofon sei sein Penis. «Dank der sehr guten Reaktion meines Unternehmens hat mich der Vorfall nur kurze Zeit beschäftigt. Sie hat mir gezeigt, dass mich meine Vorgesetzten in solchen Situationen schützen.»


#MediaToo: Warum wir jetzt keine Täter nennen

Die wichtigsten Fragen und Antworten zur Recherche über sexuelle Belästigung im Journalismus – im Podcast von Reporterin Simone Rau und Oliver Zihlmann, Leiter Recherchedesk Tamedia.


In manchen Fällen haben die Vorfälle, wie die Umfrage zeigt, auch die Karrieren der Journalistinnen negativ beeinflusst. Sie schreiben zum Beispiel: «Ich habe weniger Selbstvertrauen in meine Arbeit.» – «Ich beendete mein Praktikum frühzeitig.» – «Ich kündigte die Festanstellung, die ich liebte.» – «Meine Karriere ist zerstört. Ich kann nicht mehr in dem Beruf arbeiten, den ich erlernt habe und in dem ich wirklich gut wäre.»

Resultat 6: Externe Kontakte verstärken die Probleme

Zu den Belästigungen durch Kollegen oder Vorgesetzte kommen für viele Journalistinnen Vorfälle hinzu, welche sie mit externen Personen erleben. Dutzende berichten von Belästigungen durch Politiker, Manager, Sportler oder Musiker. Es geschieht bei Interviews, auf Reportagereisen oder an Treffen mit Informanten. Auch hier sind die Frauen körperlichen Übergriffen bis hin zu sexuellen Nötigungen ausgesetzt, auch hier werden Gegenleistungen von ihnen verlangt, für ein Interview zum Beispiel. Hinzu kommt zum Teil starkes Stalking durch Hörer, Zuschauer und Leser.

So berichtet eine Online-Journalistin wie folgt aus ihrem Alltag: «Ich habe wöchentlich Mails (‹Will dich flachlegen›, ‹du geiles Stück› und so weiter) bekommen. Ansonsten: Immer wieder Kommentare unserer Leser zu meinen Äusserlichkeiten, die in Videos zu sehen sind (‹Geile Titten›, ‹schöner Arsch›).»

Mit Recherchehinweise an simone.rau@tamedia.ch (Redaktion Tamedia)

Erstellt: 08.06.2019, 07:12 Uhr

Was tun bei einem Vorfall?

Auch in der Medienbranche melden die Betroffenen sexuelle Belästigungen sehr selten. Experten bestätigen einhellig, dass man sich stets beraten lassen sollte. Viele Medienhäuser, darunter auch Tamedia, haben dafür Vertrauenspersonen unter den Mitarbeitenden, die unter Schweigepflicht stehen. Die Personalabteilung ist Anlaufstelle für Meldungen. Aufgrund der Fürsorgepflicht des Arbeitgebers müssen sie diesen nachgehen. Für eine anonyme Beratung ausserhalb des Betriebs wendet man sich an Angebote wie www.belaestigt.ch, deren Experten Vorfälle kompetent einordnen. (oz/sir)

Artikel zum Thema

«Ich konnte kaum glauben, was ich da hörte»

Interview Warum wir in der eigenen Branche recherchieren: Die wichtigsten Fragen und Antworten zu #MediaToo – im Podcast. Mehr...

Die Redaktion auf Twitter

Stets informiert und aktuell. Folgen Sie uns auf dem Kurznachrichtendienst.

Kommentare

Paid Post

Bereit für die Ferien?

Die Ferien sind gebucht, die Vorfreude gross – doch was ist mit Impfungen oder Medikamenten? Mit einer Reiseberatung ist man sicher gut gewappnet.

Die Welt in Bildern

Fanliebe: Kurz vor dem sechsten Spiel des NBA Finals zwischen den Toronto Raptors und den Golden State Warriors herrscht im Fansektor grosse Anspannung. (Toronto, 13. Juni 2019)
(Bild: Chris Helgren ) Mehr...