«Ich konnte kaum glauben, was ich da hörte»

Warum wir in der eigenen Branche recherchieren: Die wichtigsten Fragen und Antworten zu #MediaToo – im Podcast.

Reporterin Simone Rau und Oliver Zihlmann, Leiter Recherchedesk Tamedia, sprechen im Podcast über die #MediaToo-Recherche. Audio: Anthony Ackermann

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Monatelang haben Journalistinnen und Journalisten des Recherchedesks und des Datenteams von Tamedia eine eigene Umfrage durchgeführt und ausgewertet sowie mit Betroffenen gesprochen. Die Hintergründe zur #MediaToo-Artikelserie finden Sie im Podcast oder in gekürzter Version als Text.

Warum eine Umfrage über sexuelle Belästigung in der Medienbranche?
Bei Geschlechterrollen haben ­die Medien eine Vorbildfunktion. In den USA, Frankreich und Deutschland kamen jüngst massive sexuelle Belästigungen in grossen Zeitungen und TV-Sendern ans Licht. Die Umfrage beleuchtet zum ersten Mal Schweizer Medien.

Wer hat mitgemacht?
Die Umfrage ging per E-Mail an 3429 Medienschaffende aus Print, Fernsehen, Radio und Online, die etwa in einem Impressum oder Organigramm verzeichnet waren. 755 antworten auf die Frage, ob sie persönlich bei der Arbeit sexuelle Übergriffen oder Belästigungen erlebten. 244 Frauen und 34 Männer berichten von mindestens einem Vorfall.

Welche Technik wurde benutzt?
Die Online-Umfrage wurde mit der Software Limesurvey gemacht. Dabei wurde sichergestellt, dass pro verwendete E-Mail-Adresse nur eine Teilnahme möglich ist. Wer welche Antworten gegeben hat, lässt sich nicht nachvollziehen.

Die Umfrage ist anonym und nicht repräsentativ. Was sagt sie aus?
Es gab hunderte Rückmeldungen mit detailliert beschriebenen Vorfällen. Allein die Kommentare füllen ein 220-seitiges Buch. Experten attestieren der Umfrage eine hohe Aussagekraft.

Welche Medienhäuser sind dabei?
Es nahmen über 160 Personen aus TV und Radio und mehr als 540 aus Print und Online teil. Antworten kamen aus allen grossen Medienhäusern, auch von Titeln der Tamedia, die diese Umfrage durchführte.

Gibt es Fälle mit konkreten Namen?
Ja. Dazu laufen weitere Recherchen.

In der Umfrage ging es auch um Sexismus. Was sind die Ergebnisse?
Über 600 Teilnehmer schildern Vorfälle, die nicht als Belästigung einzustufen sind. Dazu folgen weitere Berichte.

Sind die Fälle nicht oft nur falsch verstandene Komplimente?
Nicht die Absicht ist entscheidend. Ist ein Verhalten mit sexistischem Bezug für die betroffene Person unerwünscht, gilt dies als Belästigung. Jemanden «in grober Weise durch Worte» sexuell zu belästigten, ist ein Straftatbestand.

Im ausführlichen Gespräch erfahren Sie, auf welche Hindernisse Simone Rau bei der Recherche stiess und warum wir keine Täter nennen.

Erstellt: 08.06.2019, 07:13 Uhr

Was tun bei einem Vorfall?

Auch in der Medienbranche melden die Betroffenen sexuelle Belästigungen sehr selten. Experten bestätigen einhellig, dass man sich stets beraten lassen sollte. Viele Medienhäuser, darunter auch Tamedia, haben dafür Vertrauenspersonen unter den Mitarbeitenden, die unter Schweigepflicht stehen. Die Personalabteilung ist Anlaufstelle für Meldungen. Aufgrund der Fürsorgepflicht des Arbeitgebers müssen sie diesen nachgehen. Für eine anonyme Beratung ausserhalb des Betriebs wendet man sich an Angebote wie www.belaestigt.ch, deren Experten Vorfälle kompetent einordnen. (oz/sir)

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