Pionierin ohne Nachahmer

Das AKW Mühleberg selber abzuschalten, bringt der Betreiberin einen gewichtigen Vorteil.

Bald wird hier das Licht ausgehen: Das AKW Mühleberg. Foto: Alessandro Della Bella (Keystone)

Bald wird hier das Licht ausgehen: Das AKW Mühleberg. Foto: Alessandro Della Bella (Keystone)

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Mit der Abschaltung und dem Abriss des ersten kommerziellen Atomkraftwerks ist die BKW eine Pionierin –zumindest in der Schweiz. Denn der Berner Stromkonzern profitiert davon, dass weltweit bereits viele AKW stillgelegt wurden und die Technik für den Rückbau mittlerweile erprobt ist.

So gesehen besteht die Pionierleistung der BKW darin, dass sie mit Behörden, die mehr schlecht als recht auf AKW-Stilllegungen vorbereitet waren, einen gangbaren Weg durch den Verfahrensdschungel gefunden hat. Wichtiger war aber: Die BKW hat als erster Schweizer Stromkonzern seriös die Frage geprüft, ob und wie lange das eigene AKW noch am Netz bleiben soll. Sie kam zum Schluss, dass der Weiterbetrieb nicht mehr rentiert – und legte das Abschaltdatum vom 20. Dezember 2019 fest.

Mit diesem Vorgehen steht die Pionierin BKW ohne Nachahmer da. Die zwei anderen grossen Stromkonzerne, Alpiq und Axpo, orientieren sich an der Devise, die auch jene der offiziellen Energiepolitik ist: Die übrigen vier Schweizer AKW sollen «so lange am Netz bleiben, wie sie sicher sind». Das tönt einleuchtend – birgt aber Risiken.

Das Risiko steigt

So zunächst, dass die AKW bis zu den letzten Grenzen der Sicherheitsreserven ausgefahren werden – zumal der Kostendruck weiterhin sehr hoch ist. Es steigt aber auch die Gefahr, dass die anderen AKW dann von einem Moment auf den andern vom Netz gehen werden. Sei es, weil ein neues Sicherheitsproblem dies erzwingt, weil die Politik plötzlich doch eingreift – oder auch, weil Aktionäre sich nicht mehr an den nuklearen Kosten beteiligen wollen.

Die BKW hatte den Vorteil, dass sie das Abschaltdatum selber festlegen konnte. Weil sie selber entschied, konnte die BKW sich die nötige Zeit nehmen, um den AKW-Rückbau seriös vorzubereiten. Dies aber ist entscheidend, um die hohen, letztlich aber unvermeidbaren Rückbaukosten in Grenzen zu halten. Mit ihrer Navigation auf Sicht drohen die anderen zwei Stromkonzerne die Vorteile einer geplanten Stilllegung zu verspielen.

Erstellt: 20.09.2019, 21:19 Uhr

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