Als Blocher Schawinski an die Wand spielte

Die 500. «Teleblocher»-Sendung geht bald über den Sender. Was Christoph Blocher dazu sagt. Und: Acht denkwürdige Momente.

Best-of «Teleblocher»: Acht Highlights aus der Sendung von Christoph Blocher (Video: Mario von Ow)

10'000 Minuten. So viel Zeit haben Alt-Bundesrat Christoph Blocher und der Journalist Matthias Ackeret in den letzten zehn Jahren miteinander verbracht, wenn man den Kaffee nicht mitrechnet, den sie freitagmorgens um 7 Uhr in Herrliberg trinken, bevor sie die wöchentliche Folge von «Teleblocher» aufzeichnen.

Die Aufregung war gross, als das Schaffhauser Fernsehen die Sendung vor zehn Jahren lancierte. Ein Bundesrat mit einer eigenen Fernsehsendung, finanziert von unbekannten Gönnern? Das war 2007 so unerhört wie 2017 Trumps unpräsidiale Tweets. Moderator Ackeret wurde «Blocher-Groupie» genannt, das Bundesamt für Kommunikation überprüfte, ob die Sendung unzulässige politische Werbung darstellte, und die Landesregierung beauftragte ihren Sprecher, sich die Sendungen anzuschauen.

Wenn am 31. März die 500. Folge von «Teleblocher» ausgestrahlt wird, wird die Schweizer Politik nicht zittern. Die Sendung verzeichnet zwar laut Ackeret durchschnittlich 30'000–40'000 Zuschauer (das wäre etwa ein Drittel der Einschaltquote von «Schawinski»). Dass Blocher mit seiner Sendung die Medien vor sich her treiben würde wie Trump via Twitter, kann man aber nicht behaupten. Die Sendung ist eine frohe Mischung aus Kalkül und Geplauder, Weltbetrachtung und Nabelschau, Interview und Kommentar, aus «Weltchronik» und Youtube-Channel. Manchmal zündet Blocher zwar ein Bombe – seinen Rücktritt aus dem Nationalrat und die Verheimlichung einer Operation vor seinen Bundesratskollegen etwa. «Teleblocher» hätte er hierzu aber nicht gebraucht. Vieles, was er von sich gibt und die Medien weiterverbreiten, ist ausserdem mässig spannend. Blocher findet Nelson Mandela überschätzt? Nun ja.

«Teleblocher» will auch nicht so recht ins Internet des Jahres 2017 passen. Rund 7000 Aufrufe pro Sendung – das ist im Vergleich zur Reichweite anderer Schweizer Politiker im Internet nicht wenig. «Teleblocher» ist aber zu sperrig, um ein Internet-Renner zu sein. Wer will sich schon erst anhören, dass Blocher ein Vorwort zu einem Buch Mörgelis schrieb, das er noch gar nicht gelesen hatte, um dann vielleicht auf etwas Spannendes zu stossen – vielleicht aber auch nicht? Zwei Männer mit Doktortitel unterhalten sich zwanzig Minuten lang vor einer Bücherwand – eine Einstellung, kein Schnitt, keine zweite Aufnahme. Das sprengt die Aufmerksamkeitsspanne des durchschnittlichen Social-Media-Nutzers.

Und was sagt Christoph Blocher dazu? «Ich höre auf, wenn keiner mehr zuschaut, oder ich nicht mehr mag.»

Erstellt: 21.03.2017, 13:08 Uhr

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