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So soll der Eigenmietwert abgeschafft werden

Wohneigentum dürfte in der Schweiz künftig anders besteuert werden. Jetzt wurden dafür Eckwerte vorgeschlagen.

Wer Wohneigentum besitzt oder erwirbt, muss sich vermutlich bald auf ein neues Besteuerungsmodell gefasst machen.
Wer Wohneigentum besitzt oder erwirbt, muss sich vermutlich bald auf ein neues Besteuerungsmodell gefasst machen.
Keystone

Der Entscheid war mit Spannung erwartet worden. Nach Beratungen, die sich über Monate hingezogen haben, hat die Wirtschaftskommission des Ständerats heute das Konzept präsentiert, wie der Eigenmietwert abgeschafft werden soll. Das Konzept dürfte vielen Hausbesitzern gefallen, vor allem älteren, die ihre Hypothekarschulden zurückbezahlt haben.

Der Eigenmietwert ist der Betrag, den Personen mit selbst bewohntem Wohneigentum versteuern müssen, weil sie Geld einnehmen könnten, wenn sie das Haus oder die Wohnung vermieten würden. Im Gegenzug können Schuldzinsen und Unterhaltskosten abgezogen werden.

Dafür, dass es bei der Besteuerung von Wohneigentum zu einem Systemwechsel kommen soll, hatten sich die Kommissionen beider Räte bereits im letzten Jahr ausgesprochen.

Das sind die Eckwerte des nun vorgeschlagenen Konzepts:

  • Die Besteuerung des Eigenmietwerts wird abgeschafft. Aber nur für selbstbewohntes Eigentum. Bei Zweitwohnungen bleibt der Eigenmietwert bestehen.
  • Weil Hausbesitzer dadurch weniger Steuern zahlen müssen, sollen im Gegenzug Kosten für den Unterhalt der Liegenschaft nicht mehr von den Steuern abgezogen werden können.
  • Für die überwiegende Mehrheit der Hausbesitzer, die weder andere Liegenschaften noch Wertpapiere besitzen, soll auch der Abzug für die Hypothekarzinsen wegfallen. Die Kommission will die Schuldzinsen nur noch dann zum Abzug zulassen, wenn ihnen gleichzeitig Vermögenserträge gegenüberstehen. Das können Mieteinnahmen aus anderen Liegenschaften sein oder Erträge aus Wertpapieren. Die Kommission gibt hier zwei Varianten in die Vernehmlassung, sowieso dürfen die Zinsen maximal im Umfang der Vermögenserträge abgezogen werden.
  • Bringt sie einen neuen Abzug ins Spiel: Personen, die erstmals Wohneigentum kaufen, können die Schuldzinsen eine gewisse Zeit lang – voraussichtlich zehn Jahre – abziehen. Der Abzug wäre nach oben begrenzt und würde mit der Zeit auf null sinken. Ohne einen solchen Abzug würde Jungen der Hauskauf stark erschwert.

Gemäss der Kommission wäre eine Reform mit diesen Eckwerten für den Bund voraussichtlich haushaltneutral. Die Verwaltung wird nun eine detaillierte Vorlage dazu ausarbeiten, die 2019 in die Vernehmlassung gehen soll.

Das jetzt noch geltende Regime führt zu einer im internationalen Vergleich hohen Verschuldung der Privathaushalte. Aus Sicht der Parlamentskommission wird die Besteuerung des Eigenmietwerts zudem von weiten Kreisen als ungerecht empfunden.

In den letzten Jahren sind verschiedene Anläufe gescheitert, den Eigenmietwert abzulösen. 1999 lehnte das Stimmvolk die Initiative «Wohneigentum für alle» ab. 2004 scheiterte ein Systemwechsel, der im Steuerpaket 2001 vorgesehen war, 2012 die Initiative «Sicheres Wohnen im Alter».

Bei einem Ja zur letzten Initiative hätten Rentnerinnen und Rentner den Eigenmietwert nicht mehr versteuern müssen. Zwar hätten sie dann auch die Schuldzinsen nicht mehr vom steuerbaren Einkommen abziehen können. Weiterhin abziehbar wären aber Unterhaltskosten sowie Kosten für Energiespar- und Umweltschutzmassnahmen gewesen.

Seither standen diverse parlamentarische Vorstösse zur Diskussion, darunter eine Motion von Hauseigentümer-Präsident und Nationalrat Hans Egloff (SVP, ZH). Der Vorstoss verlangte, dass Wohneigentümer zwischen Eigenmietwert und Abzugsmöglichkeiten wählen dürfen. Er scheiterte aber im Parlament.

SDA/ldc

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