Stadt Bern befragt Kiffer, bevor sie Cannabis abgeben kann

Weil es Hasch aus der Apotheke frühestens 2021 geben wird, füllt die Stadt die Wartezeit mit einer weiteren Studie.

Wie regulieren Cannabis-Konsumenten ihren Konsum? Das ist eine Frage des Forschungsprojekts.

Wie regulieren Cannabis-Konsumenten ihren Konsum? Das ist eine Frage des Forschungsprojekts. Bild: Thomas Egli

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Eigentlich wäre man in Bern bereit für das vor drei Jahren vorgestellte Pilotprojekt, das Erkenntnisse über die Auswirkung von Cannabis bei Erwachsenen gewinnen will: «Die Bewilligung der Ethikkommission liegt vor, die Finanzierung ist sichergestellt und das Interesse seitens Apotheken, Bevölkerung und Politik ist gross», sagte die Berner Gesundheitsdirektorin Franziska Teuscher (GB) gestern vor den Medien.

Nur: Das Gesetz lässt den Versuch noch nicht zu. Doch stehen die Zeichen nicht schlecht dafür, das ein sogenannter Experimentierartikel im Betäubungsmittelgesetz aufgenommen wird. Dieser würde es erlauben, solche Cannabisstudien durchzuführen, der Bundesrat gab vor einem Monat bekannt, dass er einen solchen befürwortet. Gesundheitsminister Alain Berset (SP) sagte damals, dass Cannabis dennoch eine verbotene Droge bleibe.

Nun liegt es am eidgenössischen Parlament, die Gesetzesänderung zu bewilligen. Wann die entsprechenden Debatten stattfinden, ist noch unklar. Die Cannabisversuche sind im Nationalrat nicht unbestritten. Dieser hat sich im Herbst mit 96 zu 92 Stimmen knapp für die Gesetzesänderung ausgesprochen – ähnlich knapp dürfte es bei der Beratung der konkreten Vorlage werden. Stimmt das Parlament zu, dürfte es mit dem Pilotprojekt frühestens 2021 losgehen. Der Bundesrat setzt sich für enge Rahmenbedingungen für die wissenschaftlichen Cannabisstudien ein.

So dürfen daran nur Personen teilnehmen, die über 18 Jahre alt sind, nachweislich bereits Cannabis konsumieren und in der Gemeinde wohnen, die am Pilotversuch teilnimmt. Neben der Stadt Bern haben auch Biel, Luzern, Zürich und St. Gallen ihr Interesse an der Studiendurchführung bekannt gegeben.

Die Konsumenten müssen sich zudem verpflichten, die Drogen nur zum Eigengebrauch zu verwenden und sie nicht weiterzuverkaufen. Ausserdem darf das zu wissenschaftlichen Zwecken abgegebene Cannabis nicht gratis sein. «Im Grossen und Ganzen unterstützen wir den Pilotversuch mit Erwachsenen Cannabiskonsumenten», sagt Rita Hubrich, Regionalleiterin der Suchtberatungsstelle Berner Gesundheit. So interessiere sie sich etwa dafür, inwiefern sich der Cannabismarkt besser regulieren lasse.

Auswertung Ende Jahr

Die Universität Bern und die Stadt Bern haben nun gestern einen neuen Ansatz präsentiert, wie sie den Umgang mit Cannabis erforschen wollen – ohne dass es einen Experimentierartikel braucht. Cannabiskonsum sei in der Schweiz weit verbreitet, aber wie Konsumenten ihren Konsum selber regulieren, sei nur wenig bekannt, sagte Studienleiter Hansjörg Znoj vom Institut für Psychologie der Universität Bern. «Hier mehr zu wissen, ist jedoch wichtig, da niemand bestreitet, dass der regelmässige Konsum von Cannabis ein Gefährdungspotenzial aufweist.» Mit der Studie möchte Znoj erfahren, welche Strategien im Umgang hilfreicher sind als andere. Auch die Haltung von Nichtkonsumierenden wird einbezogen.

5000 nach dem Zufallsprinzip ausgesuchte Bernerinnen und Berner sollen in den nächsten Wochen einen Brief mit Zugang zu einer Onlineumfrage erhalten. Interessierte Personen können daran auch ohne Einladung teilnehmen. Man habe die Zeit nutzen wollen, um auf dem Gebiet des Cannabiskonsums weitere Erkenntnisse zu gewinnen, begründete Teuscher die nun gestartete Studie. Sie laufe unabhängig vom ersten, bisher noch nicht bewilligten Projekt. Die gestern präsentierte Studie kostet rund 90'000 Franken. Die Stadt Bern beteiligt sich daran mit 29'000 Franken. Erste Resultate sollen Ende Jahr vorliegen. «Bis Berner Apotheken Cannabis im Rahmen einer Studie an Kiffer abgeben dürfen, fliesst noch viel Wasser die Aare runter», sagte gestern Teuscher.

Erstellt: 01.04.2019, 14:51 Uhr

Die Redaktion auf Twitter

Stets informiert und aktuell. Folgen Sie uns auf dem Kurznachrichtendienst.

Kommentare

Paid Post

Studieren von zu Hause aus

Erstmals in der Schweiz lässt sich ein Bachelor virtuell absolvieren. Dieses Set-up erlaubt es den virtuell Teilnehmenden ohne Pendeln zu studieren.

Die Welt in Bildern

Klebriger Protest: Eine PETA (People for the Ethical Treatment of Animals) Aktivistin protestiert im Vorfeld der Mailänder Fashion Week gegen die Lederindustrie indem sie sich mit schwarzem Schleim übergiesst. (18. Februar 2020)
(Bild: Flavio Lo Scalzo) Mehr...