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Schon lange wird sie gefürchtet, bald könnte sie eintreten: die textfreie Gesellschaft.

Wer braucht da noch Text, wenn doch (fast) alles mit Bildern ausgedrückt werden kann? Tastatur mit sogenannten Emojis. Foto: PD

Wer braucht da noch Text, wenn doch (fast) alles mit Bildern ausgedrückt werden kann? Tastatur mit sogenannten Emojis. Foto: PD

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In einer Disziplin schneiden Pisa-Tests stets mit Höchstnoten ab: der Panikmache. Diesmal empört der Befund, dass immer mehr Schweizer Kinder (und solche aus ganz Europa) Mühe haben, schriftliche Texte zu verstehen. Darin sehen einige Kommentatoren eine bedenkliche Entwicklung. Ohne lesende Bürgerinnen, sagen sie, leide die Demokratie.

Vielleicht sind textferne Kinder nicht nur Opfer eines mangelhaften Schulsystems. Vielleicht passen sie sich als Erste ihrer Zukunft an – einer ­Zukunft, in der Lesen keine zentrale Fähigkeit mehr darstellen wird, weil sich die Menschen anders verständigen, über Podcasts, Memes, Youtube-Channels, Instagram-Storys oder Virtual-Reality-Erlebnisse. Die Vorstellung einer solchen postliteraten Gesellschaft, in der Bücher nur noch im Museum stehen, ist selber schon leicht museal. 1962 schrieb der Philosoph Marshall McLuhan darüber, verschiedene Science-Fiction-Autoren haben die Idee aufgenommen. Immer wieder wurde davor gewarnt.

Die Entwicklung des Internets bietet weiteren Anlass dazu. Derzeit dominieren Multimedia-Formate über Online-Texte. Wichtige Influencer verbreiten ihre Botschaften als Filme und Podcasts, zu fast allen Fragen existiert ein Youtube-Tutorial (etwa «What is postliterate society?»), viele gute Bücher gibt es auch in verfilmter Form. Die meisten Social-Media-­Kanäle sind durch Bilder geprägt, die dort verwendete Schrift entfernt sich über Abkürzungen, Slang und ­Emoticons von traditionellem Text.

Manche deuten diesen Trend als Schritt in Richtung mächtiger künstlicher Intelligenz. Viele Beobachter hingegen befürchten den Verlust einer Schriftkultur, die sowohl die Fran­zösische Revolution als auch die modernen Wissenschaften ermöglicht habe. Eine betont audiovisuelle Kommunikation spreche Gefühle stärker an als die Vernunft, heisst es. Dies vereinfache politische Manipulation und erschwere komplexes Denken.

Vielleicht müsste die nächste ­Pisa-Studie auf Youtube veröffentlicht werden. Zur Probe.

Erstellt: 04.12.2019, 22:09 Uhr

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