Junge fühlen sich der SVP nahe

Die SVP ist bei jungen Schweizern die beliebteste Partei. Das zeigt eine Umfrage unter 43'000 Männern und Frauen. Der Rechtstrend halte an, sagt ein Experte.

Die Rechtsausprägung hat sich verstärkt: Stellungspflichtige Zürcher im Rekrutierungszentrum Rüti. Foto: Gaëtan Bally (Keystone)

Die Rechtsausprägung hat sich verstärkt: Stellungspflichtige Zürcher im Rekrutierungszentrum Rüti. Foto: Gaëtan Bally (Keystone)

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Das Pendel wird am 18. Oktober wohl nach rechts schwingen; dies legen verschiedene Umfragen der vergangenen Wochen nahe. Als mehr oder minder klare Wahlsieger sind daraus jeweils die FDP und SVP hervorgegangen; Niederlagen drohen hingegen den Mitteparteien. Zumindest der SVP scheint auch die Zukunft zu gehören. Ihr Rückhalt bei den jüngsten Stimmberechtigten ist jedenfalls beträchtlich, wie eine gestern publizierte Studie im Rahmen der eidgenössischen Jugendbefragungen Ch-x zeigt. Die Untersuchung wurde vom Bund finanziert; für die Auswertung zeichnen Forscher der Universität Genf im Auftrag der Ch-x verantwortlich. Die Befragung erfolgte 2008 und 2009.

41'240 Schweizer Männer, mehrheitlich zwischen 19 und 20 Jahre alt, haben in einem der sechs Aushebungszentren der Schweizer Armee den Fragebogen «Multikulturelle Schweiz» ausgefüllt und dabei unter anderem ihre politische Präferenz angegeben – eine Untersuchung, die in diesem Ausmass bis dato einmalig ist. Das Resultat: Ein Drittel der Männer (33,3 Prozent) fühlt sich der SVP verbunden, die SP als zweitbeliebteste Partei folgt erst mit grossem Abstand (11,4 Prozent). Auf den nachfolgenden Plätzen rangieren die FDP (10,9), die Grünen (7), die CVP (5,3) und die übrigen Parteien (4,3). Mehr als jeder Vierte (27,8) sympathisiert mit gar keiner Partei.

Die Studie stützt sich zusätzlich auf eine Stichprobe bei 1531 jungen Schweizerinnen. Auch hier schwingt die SVP obenaus, wenn auch weniger deutlich (18,2 Prozent) und dicht gefolgt von der SP (17,1). Anders als bei den Männern schneiden bei den Frauen die Grünen (10,6) und die CVP (7,3) besser ab als die FDP (6,9). Generell vermag die SVP in der Deutschschweiz mehr zu punkten als in der Romandie und im Tessin.

Angst vor Auslandkonkurrenz

Karl Haltiner, wissenschaftlicher Leiter von Ch-x, zieht aus den Resultaten einen klaren Schluss: «Die Rechtsausprägung unter jungen Erwachsenen hat sich im Vergleich zu den Befragungen vor 2008 weiterverstärkt.» Die Tendenz sei bei beiden Geschlechtern feststellbar – bei den Männern sei sie allerdings stärker ausgeprägt.

Haltiners Einschätzung zufolge ist die überdurchschnittlich grosse Sympathie für die SVP nicht zuletzt Ausdruck der Polarisierung der helvetischen Politik. Dass diese Stärkung der Extreme nicht vorab der Linken zugutekommt, führt Haltiner auf die sozioökonomische Grosswetterlage zurück: Die Personenfreizügigkeit bringe Einwanderung mit sich und damit einen «intensivierten Wettbewerb» auf dem Arbeitsmarkt. «Dies weckt bei jungen Erwachsenen zum Teil Ängste», sagt Haltiner. Die migrationskritische SVP biete da eine mögliche Heimat. Dies gelte auch für jene jungen Erwachsenen, die der fortschreitenden Globalisierung wegen ein «verstärktes Bedürfnis nach Geborgenheit» verspürten.

Grundwerte nicht verhandelbar

Obschon die Befragung mehrere Jahre zurückliegt, liessen sich ihre Resultate laut Haltiner auf die Gegenwart übertragen. «Der Rechtstrend wird sich zumindest vorläufig weiterfortsetzen», sagt er. Dafür spreche nicht zuletzt das schwierige Verhältnis der Schweiz zur Europäischen Union, die sich derzeit in der Krise befinde. Davon könne die Rechte profitieren.

Einigkeit herrscht unter den jungen Schweizerinnen und Schweizern gemäss Umfrage nur in einem Punkt – und zwar unabhängig davon, mit welcher Partei sie sympathisieren: Demokratische Grundpfeiler wie die Meinungsfreiheit oder die Gleichberechtigung von Mann und Frau sind aus ihrer Sicht nicht verhandelbar.



(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 28.09.2015, 18:18 Uhr

Artikel zum Thema

Schlechte Wahlaussichten für Jungpolitiker

In der «Arena» streiten sich heute Abend Juso, Jungfreisinnige und Co. Bei den Jungparteien herrschen andere Mehrheitsverhältnisse. Doch beeinflusst dies die Wahlen? Mehr...

Asyldebatte – Wahlhelferin oder Stolperstein?

Der Sieg der Rechtspopulisten in Österreich könnte ein Stimmungsbarometer für die Wahlen in der Schweiz sein. Mehr...

Die Redaktion auf Twitter

Stets informiert und aktuell. Folgen Sie uns auf dem Kurznachrichtendienst.

Blog

Kommentare

Paid Post

Leisten Sie sich den schönsten Ort der Welt

Der Erwerb und die Finanzierung von Wohneigentum sollen gut überlegt sein. Darum unterstützt die Migros Bank Sie dabei.

Die Welt in Bildern

Ganz in weiss: Josephine Skriver posiert vor der Vorführung des Films «Roubaix, une lumière» in Vannes auf dem roten Teppich. (22. Mai 2019)
(Bild: Stephane Mahe) Mehr...