10'000 Franken für innovative Milizarbeit

Lokale Feuerwehren standen im Fokus einer Preisverleihung. Geehrt wurden Ideen, die der ganzen Gesellschaft zugute kommen.

Bei einem Einsatz der Feuerwehr Eggenwil werden die Kinder der Einsatzkräfte intern betreut. Foto: Feuerwehr Eggenwil

Bei einem Einsatz der Feuerwehr Eggenwil werden die Kinder der Einsatzkräfte intern betreut. Foto: Feuerwehr Eggenwil

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Wie rekrutieren wir genügend Nachwuchs? Diese Frage stellen sich nicht nur politische Parteien, vor allem auf Gemeindeebene, sondern auch viele Vereinsverantwortliche und Kommandanten von Milizfeuerwehren.

Der Schweizerische Gemeindeverband (SGV) mit Direktor Christoph Niederberger und Präsident Hannes Germann, dem Ständerat und früheren Gemeindepräsidenten, an der Spitze, hat das laufende Jahr per Verbandsbeschluss zum «Jahr der Milizarbeit» bestimmt. Mit Leitfäden, Onlinetools, Veranstaltungen, neuen Ideen und politischen Vorstössen soll dem Milizsystem neues Leben eingehaucht und auch den heute rund 100'000 Miliztätigen Wertschätzung entgegengebracht werden.

Dabei standen gemeinschaftlich erbrachte Verdienste und Innovationen von lokalen Milizfeuerwehren im Fokus, von denen die Gesellschaft profitiert. Der Verwaltungsratspräsident von Swiss Re, Walter Kielholz, würdigte an einer Preisverleihung in Zürich Innovationen und Leistungen im Bereich Feuerwehr.

«Jahr der Milizarbeit»

Seit 2000 vergibt Swiss Re einen Preis für aussergewöhnliche Leistungen in der Milizarbeit. Ausgezeichnet wurden in der Vergangenheit Menschen, die neben ihrer beruflichen Tätigkeit auch Freiwilligenarbeit auf professionellem Niveau leisten, oder auch Organisationen, die den Milizgedanken in besonderer Weise fördern. Dieses Jahr vergab sie den von Ueli Bremi begründeten Preis, der zeitlebens ein grosser Fan und Förderer der Miliztätigkeit war, im Rahmen des «Jahrs der Milizarbeit» an lokale Milizfeuerwehren.

Ziemlich spektakulär mutet dabei an, welche Ideen und Innovationen Ehrung erfuhren. So kamen Verantwortliche der Feuerwehr Eggenwil auf die Idee, wie Eltern mit Kindern zum Dienst in der Feuerwehr gewonnen werden können. Ins Leben gerufen wurde kurzerhand eine Gruppe von Betreuerinnen für die Kinder von Feuerwehrfrauen und -männern. Bei Alarm eilen die Feuerwehrangehörigen mit ihren Kindern ins Magazin, wo eine dreiköpfige Crew auf die Kleinen wartet. Mit Spielzeugen, Essen und Turngerät in der nahen Turnhalle verkürzen die Betreuerinnen den wartenden Kindern die Zeit, bis der Brand gelöscht und Mami oder Papi wieder da ist.

Geehrt wurde auch die Feuerwehr Kandersteg, die unter Personalmangel leidet. Bei drohendem Hochwasser, das aus drei Richtungen kommen kann, werden nach einem erfolgreichen Aufruf an ausgemusterte Feuerwehrmänner genügend noch rüstige Freiwillige gefunden, die an neuralgischen Stellen den Wasserstand beobachten. So erhalten die weiter unten im Dorf wartenden Wehrangehörigen einen Zeitvorsprung von mindestens 15 Minuten, um zur rechten Zeit am richtigen Ort zu sein.

Wertschätzung für Milizarbeit fördern

Ein weiterer Preis ging an die Betriebsfeuerwehr des Kantonsspitals Aarau. Dort stellten die Einsatzkräfte nach einem Brandfall auf der Neonatologie fest, dass es für die Kleinsten keine geeigneten Rettungsmittel gibt. Fünf Angehörige der Feuerwehr machten sich daraufhin Gedanken und entwickelten mit einer neuartigen «Lifebox» ein Produkt, das eine sichere und schnelle Rettung von Säuglingen im Notfall ermöglicht. In der Box gibt es Platz für zwei Frühgeborene oder ein bis zu zwölf Monate altes Kleinkind. Falls die Säuglinge überwacht werden müssen, ist es auch möglich, die dafür verwendeten Monitore in der «Lifebox» mitzuführen.

Geehrt und – wie die anderen Gewinner auch – mit 10'000 Franken belohnt wurde sodann die Stützpunktfeuerwehr Kloten, die mit Feuerwehrleuten aus Altbach, Bassersdorf, Embrach und Kloten ein besonderes Team mit 16 Angehörigen bildet. Bei Unwetter übernimmt dieses die Anrufe auf die Alarmierungsnummer 118 direkt in der Einsatzleitstelle; die Angehörigen sorgen so für eine neue und effiziente Zusammenarbeit zwischen Miliz- und Berufsfeuerwehr.

Die fünfköpfige Jury unter FDP-Nationalrätin Corina Eichenberger (AG) liess sich zu guter Letzt auch von einer Kampagne des Liechtensteinischen Feuerwehrverbandes überzeugen. Dieser schaffte es, «auf innovative Art mit Plakaten, Zeitungsberichten und Internetauftritten» gezielt um Frauen in der Feuerwehr zu werben und den Frauenanteil unter den Feuerwehrangehörigen markant zu erhöhen.

Durch die Verleihung der fünf Preise wurde ein Aspekt der Miliztätigkeit gewürdigt, der oft vergessen geht: Miliztätigkeit verdient auch darum Wertschätzung, weil sie Innovationen auszulösen vermag, die wiederum der gesamten Gesellschaft dienlich sind.

Erstellt: 04.09.2019, 21:06 Uhr

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