58'350 Franken Notrente: Wer das kriegt

Wer im Alter ohne Job dasteht, soll Geld erhalten. Dafür gibt es aber Grenzen: Die Zahlen, das Beispiel.

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Künftig sollen Arbeitslose über 60 Jahren, die zwei Jahre lang Bewerbungen geschrieben und dennoch keine Stelle gefunden haben, unter bestimmten Voraussetzungen Anspruch auf eine Überbrückungsleistung haben. «Sonst kann es zu dramatischen Situationen kommen», sagte Sozialminister Alain Berset (SP) gestern vor den Medien. In den Jahren bis zur Pensionierung wären die Betroffenen sonst auf Sozialhilfe angewiesen. Bevor sie diese aber erhielten, müssten sie ihr Vermögen aufbrauchen, ihr Erspartes in der 2. und der 3. Säule antasten und die AHV vorbeziehen. Mit der Folge, dass sie im Alter weniger Geld hätten und unter Umständen wiederum auf Unterstützung angewiesen wären.

Es ist zwar weiterhin das Ziel, dass sich die Bezüger dieser Leistungen noch um Arbeit bemühen, sie müssen dies aber nicht mehr. Sie müssen also keine Arbeitsvermittlungszentren aufsuchen und keine Bewerbungen mehr schreiben.

Nur scheinbar komfortabel

Jedes Jahr werden rund 2600 Personen über 60 Jahre ausgesteuert. Unterstützung erhalten sie aber nur dann, wenn sie während mindestens 20 Jahren 21'330 Franken pro Jahr oder mehr verdient und darauf AHV-Beiträge entrichtet haben. 10 dieser 20 Jahre müssen unmittelbar vor der Aussteuerung liegen, und zwar in einem Zeitraum von 15 Jahren. Zudem dürfen sie höchstens über 100'000 Franken verfügen (Ehepaare: 200'000 Franken). Dazu werden auch Einkäufe in die 2. Säule und das Ersparte in der 3. Säule angerechnet, nicht aber Wohneigentum.

Bezüger von Überbrückungsleistungen werden grundsätzlich behandelt wie jene von Ergänzungsleistungen. Da sie aber die Gesundheitskosten selber bezahlen müssen – Franchise, Selbstbehalt oder Zahnarzt –, erhalten sie nur für den sogenannten Grundbedarf 2025 statt 1620 Franken pro Monat.

Für alle Ausgaben zusammen erhält eine Person maximal 58'350 Franken (Ehepaare: 87'525 Franken). Das wirkt auf den ersten Blick komfortabel. Schaut man aber, was sie damit bezahlen muss, kann dieser Plafond schnell gesprengt werden. Das zeigt ein Rechenbeispiel des Schweizerischen Gewerkschaftsbundes für Basel: Zum Grundbedarf (24'310 Franken) kommt die Miete, die in einer Grossstadt höchstens 1370 Franken kosten darf (16'440 Franken pro Jahr). Zudem Beiträge für Krankenkasse (kantonale Durchschnittsprämie: 7264 Franken), AHV (Mindestbeitrag: 3509 Franken) und Pensionskasse (10'878 Franken); der Empfänger muss auch die Arbeitgeberbeiträge bezahlen.

Ob die Überbrückungsrente im Parlament durchkommt, wer dagegen ist und wer dafür, das lesen Sie hier.

Erstellt: 30.10.2019, 19:49 Uhr

Artikel zum Thema

Bis zu 58'350 Franken Notrente für ältere Arbeitslose

Sozialminister Alain Berset informierte über die geplante finanzielle Hilfe für Menschen, die nach dem 60. Altersjahr ohne Job sind. Mehr...

So läuft der Polit-Poker um die Notrente

Rente statt Sozialhilfe für ältere Arbeitslose: Wer dafür ist, wer dagegen – und bei wem am Schluss die Entscheidung fallen dürfte. Mehr...

Die Redaktion auf Twitter

Stets informiert und aktuell. Folgen Sie uns auf dem Kurznachrichtendienst.

Blog

Kommentare

Paid Post

Verstehen Sie Ihre Arztrechnungen?

Sie wollen wissen, was genau auf Ihrer Arztrechnung steht? Kein Problem – lassen Sie es sich einfach im Kundenportal des Gesundheitsversicherers Atupri übersetzen.

Die Welt in Bildern

Fast wie auf der Titanic: Ein Liebespaar betrachtet die untergehende Sonne im untergehenden Venedig (17. November 2019).
(Bild: Luca Bruno) Mehr...