100 Millionen Franken gegen den Fachkräftemangel

Wer sich weiterbilden möchte, muss dafür oft tief in die Tasche greifen. Mit einer dicken Finanzspritze will Bundesrat Schneider-Ammann dies nun ändern – auch im Hinblick auf die Zuwanderungsinitiative.

Will die finanzielle Benachteiligung der Absolventen einer höheren Berufsbildung stoppen: Bundesrat Johann Schneider-Ammann am Industrietag des Branchenverbandes Swissmem, wo er seine Pläne bekannt gab. (2. Juli 2014)

Will die finanzielle Benachteiligung der Absolventen einer höheren Berufsbildung stoppen: Bundesrat Johann Schneider-Ammann am Industrietag des Branchenverbandes Swissmem, wo er seine Pläne bekannt gab. (2. Juli 2014) Bild: Steffen Schmidt/Keystone

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Wer eine teure berufsbegleitende Spezialausbildung zum Meister, Techniker, Controller oder Treuhandexperten macht, soll künftig finanziell nicht stärker belastet werden als ein Hochschulstudent. Heute zahlt ein Absolvent einer höheren beruflichen Bildung deutlich mehr, oft aus der eigenen Tasche. Wirtschaftsminister Johann Schneider-Ammann will diese Ungleichbehandlung beenden, wie die Zeitung «Schweiz am Sonntag» schreibt.

Ab Anfang 2017 sollen Bund und Kantone die höheren Berufsbildungskurse pro Jahr mit 60 bis 100 Millionen Franken unterstützen, so die Zeitung weiter. Jährlich 25'500 Personen, die eine höhere Berufsbildung absolvieren, würden davon profitieren. Laut dem Bericht soll der Staat ab 2017 den Absolventen die Hälfte an die oft kostspieligen Vorbereitungskurse für die Ausbildung wie jene zur Marketingfachfrau oder zum Steuerexperten zahlen. Heute übernimmt der Staat bereits einen Teil der Prüfungsgebühren.

Zudem sollen die Schweizer Abschlüsse international vergleichbarer werden, unter anderem dank eines englischen Titelzusatzes, der die Qualifikationen erklärt.

Zu viele Maturanden

Ende August entscheidet der Bundesrat über das Vorhaben. Schneider-Ammann will damit den zunehmenden Fachkräftemangel bekämpfen, der sich mit dem Ja zur Masseneinwanderungsinitiative aller Voraussicht nach noch verschärfen wird.

Gleichzeitig macht die Wirtschaft Druck auf die steigende Maturitätsquote. Heute hat jeder fünfte 19-Jährige einen Gymnasiumsabschluss. «Das sind zu viele», sagt Hans Hess, Präsident des Industrieverbandes Swissmem. Er fordert eine Senkung der Maturitätsquote, die sich in den letzten 30 Jahren verdoppelt hat. Die Arbeitgeber beklagen vor allem den Mangel an guten Lehrlingen. Die besten Schüler entscheiden sich meistens fürs Gymnasium. Jedes Jahr bleiben Hunderte Lehrstellen unbesetzt. (thu)

Erstellt: 06.07.2014, 11:20 Uhr

Artikel zum Thema

Fachkräfte fehlen vor allem in Management- und MINT-Berufen

Der Fachkräftemangel ist laut einer Studie des Bundes in der Schweiz ein verbreitetes Phänomen. Mehr...

Was ist gegen den Fachkräftemangel zu tun?

Kolumne Mit welcher Strategie Rudolf Strahm den Mangel an Fachkräften beheben würde. Mehr...

Zürich will bei Kontingenten mitreden

Effizient, dynamisch und unbürokratisch: So soll die SVP-Initiative nach Ansicht des Regierungsrats umgesetzt werden. Der Kanton leide schon heute unter Fachkräftemangel. Mehr...

Die Redaktion auf Twitter

Stets informiert und aktuell. Folgen Sie uns auf dem Kurznachrichtendienst.

Blog

Kommentare

Paid Post

Die Schweiz zum halben Preis entdecken

Exklusiv und nur für kurze Zeit: Mobility-Testabo für 43 Franken inkl. gratis Hotelcard!

Die Welt in Bildern

Im Wiederaufbau: Das Sonnenlicht am frühen Morgen scheint auf die Kathedrale Notre-Dame in Paris. (16. September 2019)
(Bild: Ian Langsdon) Mehr...