1:12-Gegner haben die Nase vorn

Zwei Wochen vor der Abstimmung würden laut einer Umfrage 55 Prozent bei der 1:12-Initiative ein Nein in die Urne legen. Ein europaweiter Vergleich über die Löhne von Bankchefs könnte den neuen Trend stoppen.

Schweizer Doppelsieg: Die Löhne von Bankenpräsidenten im Europa-Vergleich. (* Weber für acht Monate, Achleitner für sieben Monate)


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Die VR-Präsidenten von Schweizer Grossbanken verdienen im europäischen Vergleich mit Abstand am meisten. Mit seinen 5,2 Millionen Franken Gehalt gilt CS-Präsident Urs Rohner als der bestverdienende Präsident einer Grossbank in Europa, schreibt die «Schweiz am Sonntag».

Das Blatt hat die Bezüge von 10 VR-Präsidenten verglichen, die für europäische und schweizerische Banken tätig sind. Auf Platz zwei liegt UBS-Präsident Axel Weber, der im Jahr 2012 für 8 Monate Einsatz – er übernahm das Amt im Mai – ein Salär von 3,5 Millionen Franken bezog. Rohner und Webers Konkurrenten in Frankfurt, London oder Paris verdienen deutlich weniger, obwohl sie Banken vorstehen, die teilweise deutlich grössere Bilanzen bewirtschaften und auch wesentlich mehr Personal beschäftigen. Auch die Präsidenten von relativ kleinen Schweizer Banken wie Bank Vontobel und Julius Bär erhalten Bezüge, die deutlich über denjenigen von europäischen Grossbanken liegen.

Wendung zum Nein

Der Bericht nimmt den 1:12-Gegnern den Wind aus den Segeln. Denn der Vergleich zeigt, dass die Wettbewerbsfähigkeit bei den Löhnen im Bankensektor zumindest in Europa mit grossem Abstand gegeben ist.

Zurzeit sehen die Vorzeichen für die Abstimmung noch anders aus: Zwei Wochen vor der Abstimmung zeichnet sich ein Nein für die 1:12-Initiative ab. Laut einer repräsentativen Umfrage des Marktforschungsinstitutes GFK Switzerland im Auftrag von «SonntagsBlick» wollen jetzt 55 Prozent der Befragten am 24. November Nein sagen. 34 Prozent legen ein Ja in die Urne. GFK interviewte am 7. und 8. November telefonisch 1531 Personen in der Deutsch- und Westschweiz, davon 1363 Stimmwillige. Fehlermarge: maximal 2,7 Prozent.

Vor einigen Wochen sah es noch nach einem Kopf-an-Kopf-Rennen für die 1:12-Initiative aus. Inzwischen scheint sich das Blatt gewendet zu haben. Die Resultate zeigen, dass die Abstimmungskampagne der Parteien ihre Wirkung nicht verfehlt. Nur gerade 7 Prozent der FDP-Wähler sagen Ja, bei den CVP-Sympathisanten sind es 18 Prozent. Mit Abstand am besten weg kommt die Initiative im bürgerlichen Lager noch bei der SVP: 29 Prozent der Anhänger der Rechtspartei wollen dem linken Anliegen zustimmen. Bei den Frauen kommt das Begehren mit 36 Prozent Ja besser an als bei den Männern (31 Prozent). Auch jüngere Wähler können sich eher mit der Initiative identifizieren als ältere.

Heinz Karrer, Präsident von Economiesuisse, sagt: «Wenn diese sozialistische, weltweit einmalige Initiative am 24. November abgelehnt wird, werden alle Bürgerinnen und Bürger aufatmen können.» SP-Chef Christian Levrat erklärt: «Die Umfrage bestätigt, dass der Unmut über Abzocker und Millionensaläre nach wie vor gross ist.»

Hilfswerke warnen vor Spendenrückgang

Derweil warnen Hilfswerk-Vertreter vor einer Annahme der 1:12-Initiative. Diese würde zu einer Abnahme des Spendenvolumens führen. Harry Witzthum, Sprecher von Aids-Hilfe Schweiz, sagt gegenüber der «SonntagsZeitung»: «Wir beobachten die Lage genau. Am ehesten rechnen wir mit einem Rückgang bei den institutionellen Grossspendern, deren Engagement für uns sehr wichtig ist.» Auch Zewo-Geschäftsführerin Martina Ziegerer geht von «möglichen Einbussen bei Grossspenden» aus. Deutlicher wird Georg von Schnurbein, Leiter des Centre for Philanthropy Studies an der Uni Basel: «Eine Annahme der Initiative dürfte sich langfristig erheblich auf das Spendenvolumen und die Anzahl Stiftungen in der Schweiz auswirken.» Betroffen seien vor allem Grossspenden, worauf heute viele gemeinnützige Stiftungen angewiesen sind. (wid)

Erstellt: 10.11.2013, 09:36 Uhr

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