1200 Meter in den Boden im Zürcher Weinland

Die Atomendlager-Suche schreitet voran: Nun sollen in den Gebieten Jura Ost und Zürich Nordost die Böden angebohrt werden.

Sie wollen verhindern, dass ein Endlager in ihre Region kommt: Aktivisten im Zürcher Weinland. (Archiv)

Sie wollen verhindern, dass ein Endlager in ihre Region kommt: Aktivisten im Zürcher Weinland. (Archiv) Bild: Keystone

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Nagra plant Sondierbohrungen an zwei Atomendlager-Standorten. Die Nagra will an den zwei vorgeschlagenen Standorten für ein Atomendlager - Bözberg im Aargau und Zürcher Weinland - sechs bis zehn Sondierbohrungen vornehmen. Die Gesuche sollen in diesem Jahr eingereicht werden. Auch will die Nagra seismische Messungen machen.

Das teilten Vertreter der Nationalen Genossenschaft für die Lagerung radioaktiver Abfälle (Nagra) an einem Mediengespräch am Donnerstag in Baden AG mit. Es stünden ganz entscheidende Jahre an, sagte Nagra-Chef Thomas Ernst.

An den beiden Standorten, die offiziell Jura Ost und Zürich Nordost genannt werden, will die Nagra je drei bis fünf Sondierbohrungen machen. Man werde im vierten Quartal dieses Jahres jeweils sieben bis acht Gesuche bei den Behörden einreichen, um flexibel auf die Resultate der laufenden Untersuchungen reagieren zu können, sagte Markus Fritschi, Mitglied der Nagra-Geschäftsleitung.

Die Bohrungen für die Untersuchungen des geologischen Untergrundes sind gemäss Kernenergiegesetz bewilligungspflichtig. Das von den Bundesbehörden koordinierte Bewilligungsverfahren ist laut Nagra aufwändig und dauert rund zwei Jahre.

Die Nagra geht davon aus, dass das Eidgenössische Departement für Umwelt, Verkehr, Energie und Kommunikation (Uvek) Mitte 2017 die Bewilligung erteilen wird. Der UVEK-Entscheid kann beim Bundesverwaltungsgericht und letztlich beim Bundesgericht angefochten werden.

Die Arbeiten werden pro Sondierbohrung inklusive der Rekultivierung bis zu anderthalb Jahre dauern. Es soll bis zu 1200 Meter tief in den Untergrund gebohrt werden. Drei bis vier Bohrungen sollen zeitgleich vorgenommen werden. Ähnliche Bohrungen fanden in den 1980er Jahren unter anderem in Riniken AG, Benken ZH und am Wellenberg im Kanton Nidwalden statt.

Seismische Messungen in diesem Jahr

Einen Schritt weiter sind die Vorbereitungsarbeiten für die dreidimensionale Seismik-Messkampagnen. Damit soll die Geologie im räumlichen Untergrund erforscht werden. Im Sommer will die Nagra die Bevölkerung und die Grundeigentümer informieren.

Ende September soll die Messkampagne im Gebiet Jura Ost anlaufen. Für Anfang des nächsten Jahres ist der Beginn der Messkampagne im Gebiet Zürich Nordost geplant. Diese Arbeit soll drei Wochen dauern, im Gebiet Jura Ost ist eine Dauer von drei Monaten vorgesehen. Das im Aargau untersuchte Gebiet ist grösser.

Nur zwei mögliche Standorte vorgeschlagen

Die Nagra hatte Ende Januar im Auswahlverfahren nur zwei mögliche Standorte für ein geologisches Tiefenlager vorgeschlagen. Es sind Jura Ost (Bözberg) im Kanton Aargau und Zürich Nordost in den Kantonen Zürich und Thurgau.

Die zwei Gebiete eignen sich gemäss den Untersuchungen der Nagra sowohl zur Lagerung von schwach- und mittelradioaktiven Abfällen als auch für hochradioaktive Abfälle oder für ein kombiniertes Lager. Sie würden die strengen Anforderungen am besten erfüllen.

Der Entscheid der Nagra, auf vier untersuchte mögliche Standorte zu verzichten, galt als Überraschung und zog die Kritik der betroffenen Kantone auf sich.

Als geeignete Gebiete waren neben Jura Ost und Zürich Nordost auch Standorte in den Gebieten Jura-Südfuss (SO/AG), Nördlich Lägern (ZH/AG), Südranden (SH) und Wellenberg (NW/OW) identifiziert worden. Diese Standorte sind derzeit aus dem Rennen.

Bisherige Gesamtkosten von 1,3 Milliarden Franken

Man befinde sich auf dem richtigen Weg, um die Abfälle sicher in der Schweiz zu entsorgen, hielt Nagra-Chef Ernst fest. Alle Beteiligten seien in den Sachplan eingebunden und stünden hinter dem Primat der Sicherheit. Die Kantone Aargau und Zürich müssten ihre Verantwortung wahrnehmen. Sie seien zu rund einem Drittel an den Schweizer Atomkraftwerken beteiligt.

Ernst sagte, die Nagra habe seit ihrer Gründung 1972 rund 1,3 Milliarden Franken für die Suche nach einem Endlager ausgegeben. (sda)

Erstellt: 16.04.2015, 14:51 Uhr

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