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1700-mal harte Pornografie

Im vergangenen Jahr wurden dem Fedpol über 1700 Internetseiten mit unerlaubtem pornografischen Inhalt gemeldet. In praktisch allen Fällen waren sexuelle Handlungen mit Kindern im Spiel.

Verdeckte Ermittlungen im Internet: Dialog zwischen den Ermittlern und einem Täter, aufgenommen an einer Medienkonferenz in Zürich (Archivbild).
Verdeckte Ermittlungen im Internet: Dialog zwischen den Ermittlern und einem Täter, aufgenommen an einer Medienkonferenz in Zürich (Archivbild).
Keystone

Kinderpornografie im Internet beschäftigt das Bundesamt für Polizei (Fedpol) immer stärker. 2010 sind der Fachstelle Kobik über 1700 Mal Internetseiten mit harten pornografischen Inhalten gemeldet worden. Praktisch alle betrafen Kinderpornografie.

Die harte Pornografie im Internet erreicht damit einen unrühmlichen Spitzenplatz: Zum ersten Mal hat die Koordinationsstelle zur Bekämpfung der Internetkriminalität (Kobik) von der Bevölkerung mehr Meldungen über harte Pornografie (1743) erhalten als über Spam (1205), wie das Fedpol heute mitteilte.

Zur harten Pornografie zählt die Kobik Kinderpornografie, Pornografie mit Ausscheidungen, Tieren oder Gewalt. Rund 96 Prozent der Internetseiten mit harter Pornografie habe Kinderpornografie betroffen, heisst es weiter.

Viele Möglichkeiten für Pädophile

Den Anstieg bei der Kinderpornografie führt die Kobik unter anderem auf die steigende Anzahl der Web2.0-Anwendungen zurück. Diese würden vermehrt auch für den schnellen und anonymen Austausch von kinderpornografischem Material genutzt. «Pädophilen steht weiterhin eine Vielzahl von sich stetig weiterentwickelnden Kommunikationsplattformen zur Verfügung», schreibt die Kobik im Jahresbericht 2010.

Die Kobik nimmt nicht nur Verdachtsmeldungen aus der Bevölkerung entgegen, sie überwacht auch Peer-to-Peer-Netzwerke. Bei der aktiven Recherche im Internet stiessen die Ermittler auf zahlreiche Fälle «von systematischem Besitz und Verbreitung von kinderpornografischen Inhalten».

Eigene Recherche verstärkt

Insgesamt leitete die Kobik im vergangenen Jahr 299 Verdachtsdossiers an die kantonalen Strafbehörden weiter. Die Mehrheit der Fälle entdeckte die Fachstelle durch Recherche in den Internetnetzwerken, wie sie schreibt.

Die Kobik hat ihre Recherchetätigkeit verstärkt: «Dank verbesserten Rechercheprogrammen können wir in der gleichen Zeit mehr Ermittlungen durchführen», erklärte der interimistische Kobik- Leiter Thomas Walther auf Anfrage der Nachrichtenagentur SDA.

Unter anderem identifizierten die Ermittler nach einer Recherche im Internet einen Schweizer, der sich kinderpornografisches Material aneignete und weiterverbreitete. Bei der anschliessenden Hausdurchsuchung durch die zuständige Kantonspolizei stellte diese fest, dass der Verdächtige bereits über einen längeren Zeitraum sexuelle Handlungen an einer Minderjährigen beging.

Bei einem weiteren Fall gelang es der Kobik, einen Schweizer zu identifizieren, der in einem für Kinder und Jugendliche reservierten Chatraum gezielt Kontakt zu einem Mädchen suchte, das angab, erst 13 Jahre alt zu sein.

Insgesamt weniger Meldungen

Die Kobik registriert nicht nur Verdachtsmeldungen zu Pornografie, sondern auch zu Spam, Betrug oder Wirtschaftsdelikten. Insgesamt gingen 2010 bei der Koordinationsstelle 6181 Verdachtsmeldungen per Internet-Meldeformular ein. Das ist fast ein Fünftel weniger als im Vorjahr (7541). Erklärungen für den Rückgang seien noch nicht ersichtlich, schreibt die Kobik dazu.

Immer häufiger gemeldet werden auch Betrugsfälle im Internethandel. Seit 2006 stiegen die Meldungen kontinuierlich an. 2010 wurden 409 Betrugsfälle gemeldet. Besonders Kleinanzeige- und Auktionsseiten würden vermehrt als Tatort für Betrügereien genutzt, schreibt die Kobik.

Beliebtes Ziel sei auch der Gebrauchtwagenhandel, «wo ahnungslose Käufer oder Verkäufer mittels fingierten Transportunternehmen und lokalen Komplizen betrogen werden», heisst es weiter.

SDA/mrs

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