180'000 Franken pro Arbeitsplatz

2000 Bundesbeamte erhalten neue Büros. Diese sind grosszügiger ausgefallen als geplant.

Am Berner Guisanplatz sind Gebäude für rund 2000 Arbeitsplätze entstanden. Laut Immobilienstrategie sollten es 3200 sein. Foto: Raphael Moser

Am Berner Guisanplatz sind Gebäude für rund 2000 Arbeitsplätze entstanden. Laut Immobilienstrategie sollten es 3200 sein. Foto: Raphael Moser

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Es ist eine grosse, nein, eine riesige Kiste. Fast 400 Millionen Franken hat der Bund in den letzten sechs Jahren am Randdes Berner Breitenrainquartiers verbaut. In drei Gebäuden entstand eine Nutzfläche von rund 60'000 Quadratmetern, das entspricht etwa neun Fussballfeldern. Nie hat das Bundesamt für Bauten und Logistik (BBL) ein teureres Projekt bewältigt.

Die einzigartige Dimension hat sich auch in der Benamsung der drei neuen Gebäude nie­dergeschlagen: Sie heissen – in Anlehnung an historische Schlachten der Eidgenossenschaft – Sempach, Morgarten und Laupen. Dazu passt die Adresse: Guisanplatz 1.

In diesem Themenpark der Schweizer Geschichte also werden in den nächsten Monaten rund 2000 Mitarbeiter der Bundesanwaltschaft, des Eidgenössischen Justiz- und Polizeidepartementes und des Bundesamtes für Rüstung Armasuisse ihre Büros beziehen.

Missverhältnis

Doch was nach viel klingt, ist für die Eidgenössische Finanzkon­trolle viel zu wenig. In einem 2017 veröffentlichten Prüfbericht monierten die Aufpasser des Bundes, dass die Verwaltung am Guisanplatz1 einen viel zu gross­zügigen Umgang mit dem Platz pflegt. Wirtschaftlich sei die ­vorgesehene Auslastung «nicht vertretbar».

Als das Parlament den 420-Millionen-Franken-Baukredit bewilligte, schrieb der Bundesrat, es sollten am Guisanplatz 1 rund 2700 Arbeitsplätze geschaffen werden. Diese Zahl schraubte das zuständige Bundesamt nach Baubeginn noch weiter in die Höhe, auf 3200 Arbeitsplätze. Grund für diese Verdichtung: Die Immobilienstrategie des Bundes legt fest, dass pro Standardarbeitsplatz die Investitionskosten nicht höher als 120000 Franken sein sollen. Die Anpassungen des BBL sollten sicherstellen, dass dieser Zielwert erreicht wird.

Weil am Guisanplatz nun aber nur rund 2000 Mitarbeiter einziehen, betragen die Investi­tionskosten pro Kopf über 180000 Franken. Nach dieser ­Berechnungsart hat der Bund über 100 Millionen Franken zu viel in den Verwaltungscampus gesteckt.

Das Missverhältnis zwischen Kosten und Nutzen beschäftigte auch die Finanzdelegation des Parlaments: «Werden die Kosten pro effektiv belegtem Arbeitsplatz betrachtet, so ist die Wirtschaftlichkeit zu tief», konstatierte sie in ihrem Tätigkeitsbericht 2017. In der Bundesverwaltung sieht man dies indes anders. Verschiedene Verwaltungsabteilungen hätten unterschiedliche Platzbedürfnisse. «Die Strafverfolgungsbehörden stellen aufgrund ihrer Tätigkeit besondere Anforderungen an Räumlichkeiten», teilt ein Mediensprecher mit. Kurz: Sie bräuchten mehr Platz.

Ihre Arbeitsplätze könnten nicht als durchschnittliche Verwaltungsarbeitsplätze eingestuft werden, weil spezifische Bedürfnisse wie Befragungsräume, die Kommandozentrale sowie eine höhere Sicherheitsstufe den Platzbedarf erhöhen. Entsprechend sei auch nicht die Kennzahl von 120'000 Franken Investitionskosten pro Platz mass­geblich. Entscheidend sei die Kapazität von durchschnittlichen Arbeitsplätzen. Diese betrage im Neubau weiterhin 3200.

«Falsche Information?»

Für Albert Vitali, Präsident der Finanzdelegation und FDP-Nationalrat, ist diese Begründung nicht überzeugend. Das Parlament habe den Baukredit für das Verwaltungszentrum Guisanplatz in der Annahme bewilligt, es würden 2700 Büroplätze geschaffen. Der Bund habe aber schon 2012 gewusst, dass mit den Strafverfolgungsbehörden Mieter mit besonderen Platzbedürfnissen am Guisanplatz einziehen. «Für mich stellt sich die Frage: Wurden wir damals falsch oder unvollständig informiert?» Im Herbst werde sich die Finanzdelegation das Projekt Guisanplatz nochmals vornehmen.

Erstellt: 14.05.2019, 11:20 Uhr

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