200 Millionen für Zweitwohnungs-Verlierer

«Die Chancen der Zweitwohnungsinitiative nutzen»: Wirtschaftsminister Johann Schneider-Ammann stellte die Tourismus-Strategie des Bundes vor. Er will die Branche neu strukturieren.

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Ein Impulsprogramm soll dem Tourismus helfen, auf die Herausforderungen rund um die Zweitwohnungsinitiative zu reagieren. Dafür will der Bundesrat 200 Millionen Franken aus der Neuen Regionalpolitik (NRP) verwenden. Das Programm kommt allerdings erst ab 2016.

Durch die Zweitwohnungsinitiative, die den Bau von Ferienwohnungen in Bergregionen beschränkt, kommt es im Tourismus zu einem beschleunigten Strukturwandel, hält der Bundesrat in seinem Tourismusbericht fest. Diesen verabschiedete er und präsentierte ihn heute Donnerstag.

Kein Bedarf für Neuorientierung

Trotz Zweitwohnungsinitiative und Frankenstärke gibt es aus Sicht des Bundesrates keinen Bedarf für eine Neuorientierung der Tourismuspolitik. Die konjunkturellen Probleme schwächten sich derzeit ab, hält er fest. Der Bundesrat lehnt es auch ab, eine Tourismusbank zu schaffen, wie sie Österreich kennt. Diese Forderung war im Parlament laut geworden.

Helfen will der Bundesrat dem Tourismus beim Strukturwandel. Die Branche soll dabei unterstützt werden, auch die Chancen der neuen Entwicklung zu nutzten. Zu diesem Zweck sollen für die Neue Regionalpolitik in der Vierjahresperiode 2016–2019 insgesamt 200 Millionen Franken mehr zur Verfügung stehen. Diese Mittel sollen aus bestehenden Fonds für die Regionalentwicklung stammen.

Darlehen an Hotels bis 2019 verlängert

Weiter will der Bundesrat die Mittel für Innotour um 10 Millionen Franken in der gleichen Vierjahresperiode erhöhen. Die Agentur unterstützt Innovationen, Zusammenarbeit und Wissensaufbau im Tourismus.

Bereits 2011 und damit im Zuge der Frankenstärke bewilligte das Parlament ein Zusatzdarlehen für die Schweizerische Gesellschaft für Hotelkredit (SGH) von 100 Millionen Franken. Dieses Darlehen soll von Ende 2015 auf Ende 2019 verlängert werden. Ausserdem sollen die Strukturen der SGH angepasst und besser mit der NRP abgestimmt werden.

Lob für bisherige Programme

Die drei letzten Impulsprogramme des Bundes für den Schweizer Tourismus haben sich laut einer Studie gelohnt. Kriseneffekte seien gedämpft und Marktanteile in Wachstumsmärkten gewonnen worden.

Dies besagt die am Donnerstag publizierte Wirkungsmessung, welche von der Universität St. Gallen im Auftrag des Staatssekretariats für Wirtschaft (Seco) und von Schweiz Tourismus erstellt worden ist. Schweiz Tourismus konnte durch die drei Programme seit 2009 44 Millionen Franken in die Nachfrageförderung investieren. Davon stammten 36 Millionen Franken vom Bund, den Rest steuerten Partner und Schweiz Tourismus bei.

Die Investitionen hätten rund 850 Millionen Franken Mehrumsatz und knapp 3,7 Millionen zusätzliche Logiernächte erzielt, hiess es. Der beeinflusste touristische Umsatz beträgt demnach 23 Franken pro investiertem Franken des Bundes.

Mit den Impulsprogramm-Mitteln hätten viele Neukunden gewonnen werden können, insbesondere aus den BRIC-Staaten (Brasilien, Russland, Indien und China) sowie aus Südostasien und den Golfstaaten. Der Rückgang der Übernachtungen konnte laut der Studie in allen drei Zeitperioden der Impulsprogramme durchschnittlich um 2 Prozent gedämpft werden. (fko/sda)

Erstellt: 27.06.2013, 10:11 Uhr

Tourismusverbände begrüssen Impulsprogramm

Der Schweizer Tourismus-Verband, Gastrosuisse, Hotelleriesuisse, Parahotellerie Schweiz und die Seilbahnen Schweiz begrüssen die neue Tourismusstrategie des Bundesrates. Diese setze an den bekannten strukturellen Schwächen an. Dazu zählen kleingewerbliche Betriebsstrukturen, eine ungenügende Ertragslage vor allem der Drei- und Viersternhotellerie, zu kleinräumige Destinationen und eine zu geringe Innovationskraft, wie die Tourismusverbände festhalten. Mit dem Impulsprogramm 2016-2019 und einer optimierten Förderung von verschiedenen Beherbergungsformen wolle der Bundesrat die strukturellen Schwächen subsidiär angehen. Die Beihilfe ziele darauf ab, die Beherbergungsstrukturen zu modernisieren, die Zusammenarbeit in den oftmals zu kleinräumigen Destinationen zu stärken und die Innovationsstärke zu erhöhen.

Die Tourismusverbände rufen in Erinnerung, dass die Hotellerie seit 2008 rund sieben Prozent an Übernachtungen verloren habe, die Parahotellerie schätzungsweise gleich viel. Im alpinen Freizeittourismus beträgt der Einbruch gar 13 Prozent. Gründe seien primär die Weltwirtschaftskrise und der starke Franken, hiess es. Die Folge sei eine angespannte Ertrags- und Finanzierungssituation. Die Zweitwohnungsinitiative, hohe Kosten und der Klimawandel seien weitere Faktoren, welche die Entwicklung des alpinen und ländlichen Tourismus hemmten. (sda)

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