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240 Flüchtlingskinder in der Schweiz spurlos verschwunden

Obwohl oftmals noch ein Asylverfahren läuft, reisen minderjährige Migranten unkontrolliert ab. Flüchtlingshelfer fordern, dass die Politik jetzt handelt.

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Viele der minderjährigen Flüchtlinge kommen bei Verwandten unter: Kinder im Empfangszentrum in Chiasso. (Archiv)
Viele der minderjährigen Flüchtlinge kommen bei Verwandten unter: Kinder im Empfangszentrum in Chiasso. (Archiv)
Gaetan Bally, Keystone

Unter den tausenden Flüchtlingen die nach Westeuropa strömen, sind immer häufiger auch Kinder und Jugendliche, die ohne Begleitperson unterwegs sind. Ohne ihre Familien müssen die Minderjährigen in einem fremden Land zurechtkommen. Immer wieder kommt es dabei vor, dass Flüchtlingskinder spurlos verschwinden. Nach Angaben der Polizeibehörde Europol waren in den letzten zwei Jahren rund 10'000 minderjährige Migranten nicht mehr auffindbar.

Wie die Sendung «10vor10» des Senders SRFberichtet, gibt es auch in der Schweiz solche Fälle. So seien in den letzten vier Jahren 240 Flüchtlingskinder hierzulande verschwunden. Allein 2015 registrierte das Staatssekretariat für Migration (SEM) 76 «unkontrollierte Abreisen» von minderjährigen Asylbewerbern. Im Vorjahr war es knapp die Hälfte. Oftmals seien die Kinder noch während des laufenden Asylverfahrens verschwunden.

Forderung an die Politik

Laut Europol bedeuten die Zahlen aber nicht, dass sich alle Kinder in Gefahr befinden. Viele von ihnen seien bei Angehörigen oder Verwandten untergekommen, sagte Vertreter Brian Donald Ende letzter Woche. Dennoch wisse man von kriminellen Organisationen, die mit der Ausbeutung der Minderjährigen Geld machen.

Dass immer häufiger Kinder verschwinden, beunruhigt die Schweizer Flüchtlingshilfe. Jeder dieser Fälle sei eine menschliche Tragödie und darum inakzeptabel, sagt Pressesprecher Stefan Frey zu «10vor10». Er fordert: «Die Politik muss mehr unternehmen, um den Kindern grösseres Vertrauen in das Asylsystem zu geben.»

Knapp 40'000 Gesuche

2015 sind in der Schweiz 39'500 Asylgesuche gestellt worden. In ganz Europa haben rund 1,4 Millionen Menschen um Asyl gebeten, doppelt so viele wie 2014. Die Schweiz ist laut SEM für Menschen, die über die Balkanroute nach Europa kommen, kein primäres Zielland. Hingegen kommen viele Flüchtlinge über das Mittelmeer in die Schweiz.

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