25-mal fälschte er die Unterschrift von Aymo Brunetti

Mit 35 fingierten Rechnungen hat ein Ex-Beamter des Seco 330'000 Franken ertrogen. Er ist weitgehend geständig.

Seine Unterschrift wurde gefälscht :Aymo Brunetti, ehemaliger Seco Chefökonomom und heutiger Wirtschaftsprofessor an der Uni Bern.

Seine Unterschrift wurde gefälscht :Aymo Brunetti, ehemaliger Seco Chefökonomom und heutiger Wirtschaftsprofessor an der Uni Bern. Bild: Gaëtan Bally/Keystone

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Mit Datum vom 7. Dezember 2010 hat die Firma Plansolutions dem Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco) 21'500 Franken für das Projekt «Multifunktionale Technische Zusammenarbeit zur Entwicklung und Förderung von Exporten» in Rechnung gestellt. Dieses Projekt gab es tatsächlich – ganz im Gegensatz zur Firma Plansolutions, die nur auf dem Papier existierte. Sie war eines der vier Unternehmen, die der frühere Seco-Angestellte Bruno C. erfand, um seinen Arbeitgeber zu betrügen. Der Zahlungsauftrag für die 21'500 Franken befand sich bereits im Rechnungskreislauf des Seco, als die Verantwortlichen Verdacht schöpften, die Zahlung stoppten und den Betrüger auffliegen liessen.

Es wäre dies die 36. fingierte Rechnung gewesen, mit der Bruno C. Geld in die eigene Tasche wirtschaften wollte. 35-mal war er vorher erfolgreich gewesen. Zwischen Dezember 2002 und September 2010 war es ihm gelungen, seinen Arbeitgeber und damit die Steuerzahler um insgesamt 330'992.35 Franken zu betrügen. So steht es zumindest in der Anklageschrift der Bundesanwaltschaft. Sie wirft Bruno C. gewerbsmässigen Betrug, Urkundenfälschung im Amt und Geldwäscherei vor. Am Freitag steht er vor dem Bundesstrafgericht in Bellinzona.

Unterschriften zu Hause geübt

Mit drei verschiedenen Tricks hat der heute 52-jährige Finanzadministrator das Seco während fast acht Jahren überlistet:

  • 3-mal hat er bereits bezahlte Rechnungen erneut in den Zahlungskreislauf geschleust und dabei vorübergehend seine eigenen Kontodaten ins Empfängerfeld eingefüllt.
  • In 29 Fällen hat er fingierte Rechnungen seiner Scheinfirmen ins Seco-Zahlungssystem einfliessen lassen – grösstenteils Übersetzungshonorare im Umfang von 92.80 bis 30'128 Franken.
  • Nach einem Stellenwechsel und dem Aufstieg zum stellvertretenden SAP-Administrator der neuen Abteilung hat er in 3 Fällen zu seinen fingierten Rechnungen auch gleich noch gefälschte Zahlungsaufträge erstellt.

Um die Seco-Mitarbeiter zu täuschen, welche die Zahlungen auslösen mussten, hat Bruno C. insgesamt 43-mal die Unterschriften der jeweils zeichnungsberechtigten Vorgesetzten gefälscht. Allein 25-mal ahmte er die Unterschrift von Aymo Brunetti nach, dem damaligen Chefökonomen des Seco und heutigem Wirtschaftsprofessor an der Universität Bern. Er habe diese Unterschriften «zuvor lange und gründlich zu Hause geübt», heisst es in der Anklage. Und: «Gemäss einhelligen Aussagen der befragten Zeugen» sehen diese den «Originalunterschriften der Betroffenen täuschend ähnlich».

Gericht weist Deal zurück

Bruno C. hat sich nach Angaben seines Anwalts Patrick Walker bei den Ermittlungen kooperativ gezeigt. In einem abgekürzten Verfahren hatte er sich mit der Bundesanwaltschaft auf eine bedingte Haftstrafe von unter zwei Jahren geeinigt, doch das Bundesstrafgericht hat diesen Deal im Oktober 2013 zurückgewiesen. Das Gericht habe die Vorgänge nicht in ausreichendem Mass überprüfen können, die zur «Anklageschrift im abgekürzten Verfahren» geführt hätten, schrieb Einzelrichter Walter Wüthrich in seiner Verfügung. Laut Urteil gab es zwischen dem Anklageentwurf und der definitiven Anklage eine auffällige Verschärfung der Sanktionen, welche das Gericht offenbar nicht nachvollziehen konnte. Zudem sei die Anklage teilweise unvollständig, bemängelte Wüthrich weiter.

Nun hat die Bundesanwaltschaft die Anklageschrift überarbeitet und für ein ordentliches Verfahren eingereicht. Allerdings hat das Bundesstrafgericht für Verfahren und Urteilsverkündung nur einen Tag eingeplant. Das lässt darauf schliessen, dass das Gericht kaum mehr offene Fragen hat.

Erstellt: 19.02.2014, 07:28 Uhr

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