3000 Franken für eine Kindergärtnerin

In vielen Gemeinden zeichnet sich auf das neue Schuljahr hin ein Mangel an Lehrpersonen für den Kindergarten ab. Die Stadt Kloten reagiert mit einer speziellen Massnahme.

Lehrerinnen sollen offensiver angeworben werden: Kinder basteln in einem Kindergarten in Suhr.

Lehrerinnen sollen offensiver angeworben werden: Kinder basteln in einem Kindergarten in Suhr. Bild: Keystone

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Jahrelang machte der Lehrermangel an den Primarschulen Schlagzeilen. Nun haben viele Schweizer Gemeinden Mühe, Lehrpersonen für den Kindergarten zu finden. In Kloten ZH zeichnet sich für das neue Schuljahr eine derart schwierige Situation ab, dass die Stadt zu einer ungewöhnlichen Massnahme greift: Sie bietet Lehrerinnen und Lehrern eine Prämie für die Rekrutierung neuer Kindergarten-Lehrkräfte an. 3000 Franken bezahlt Kloten pro erfolgreicher Anstellung, wie das Regionaljournal von Radio SRF berichtet. Bedingung ist, dass die neue Lehrperson nach der fünfmonatigen Probezeit bleibt. Elsbeth Fässler, Bereichsleiterin Bildung der Stadt Kloten, sagt, der Betrag sei zwar hoch. «Aber er muss ja auch attraktiv sein. Ausserdem kostet ein Inserat etwa gleich viel.»

Im ganzen Kanton Zürich sind zurzeit 130 Stellen auf der Kindergartenstufe offen – etwas mehr als letztes Jahr zum gleichen Zeitpunkt. Urs Meier, stellvertretender Amtschef der kantonalen Bildungsdirektion, spricht deshalb von einem «Mangel». Er hält die Klotener Massnahme vor diesem Hintergrund «sicher nicht für falsch», solange es der Schule damit gelinge, Kindergärtnerinnen von aussen zu gewinnen oder sie für einen Wiedereinstieg in den Lehrberuf zu motivieren.

«Eine moralische Verpflichtung»

Allerdings bestehe dabei die Gefahr, dass sich die Gemeinden auf diese Weise gegenseitig die Lehrpersonen abwerben. «Dies mag für eine Gemeinde das Problem lösen, der Lehrermangel ist damit aber nicht vom Tisch», so Meier. Zudem ortet er ein zweites Problem: «Die vermittelnde Lehrperson bürgt mit der Empfehlung faktisch auch für die Qualität der neu anzustellenden Kindergärtnerin.» Falls es während der Anstellung zu Schwierigkeiten komme, falle dies auch auf sie zurück – weniger auf der formellen Ebene als vielmehr im emotionalen und informellen Bereich. Entsprechend vorsichtig seien Lehrpersonen mit ihrer Empfehlung.

Genau deshalb ist Matthias Mölleney, Leiter des Zentrums für Personalmanagement und Führung an der Hochschule für Wirtschaft Zürich, überzeugt, dass die Massnahme eine begrenzte Wirkung entfalten wird – und die Prämie auch nicht missbräuchlich beansprucht werden wird. «Die Personalrekrutierung ist eine moralische Verpflichtung. Niemand wird eine Person mit zweifelhaften Qualitäten anwerben. Damit würde sich die bereits in der Gemeinde angestellte Person nur selbst diskreditieren.» Umgekehrt werde aber auch niemand eine Stelle nur wegen eines Freundschaftsdiensts antreten, dafür sei ein Job schlicht zu lebensprägend.

Zeitgemässe Form der Anwerbung

Was in der Privatwirtschaft in Branchen mit Fachkräftemangel üblich ist, könnte gemäss Mölleney angesichts des anhaltenden Lehrermangels auch im Bildungsbereich Schule machen: «Prämien für die Mitarbeiteranwerbung sind zeitgemäss: Heute kommen rund 80 Prozent aller Neuanstellungen durch Empfehlungen von Bekannten, Freunden oder Verwandten zustande.» Doch diese Personaltipps müssten von den Unternehmen oder eben den Schulen mitunter auch aktiv angeregt werden – und Geld wirke dabei als Anreiz.

Urs Meier vom Zürcher Volksschulamt betont aber, dass verschiedene Massnahmen kombiniert werden müssten, um dem Kindergärtner-Mangel wirkungsvoll zu begegnen. Konkret habe die Erfahrung gezeigt, dass Pensenerhöhungen, die Beschäftigung fortgeschrittener Studenten, bereits Pensionierter oder stufenfremder Lehrpersonen sowie die Förderung des Wiedereinstiegs die Personalknappheit abdämpfen könnte.

Erstellt: 17.04.2015, 18:59 Uhr

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