40'000 Franken Stipendien für Nicolas Blancho und Patric Illi

Die Köpfe des Islamischen Zentralrates profitieren bei der Unterstützung von ihren Kindern – und sie können ihre Studienplanung nicht einhalten.

«Ich habe im vergangenen Frühjahrssemester wegen der zeitlichen Belastung durch das Engagement beim IZRS zwei gebuchte Seminare nicht beenden können»: Nicolas Blancho, Präsident des Islamischen Zentralrates Schweiz.

«Ich habe im vergangenen Frühjahrssemester wegen der zeitlichen Belastung durch das Engagement beim IZRS zwei gebuchte Seminare nicht beenden können»: Nicolas Blancho, Präsident des Islamischen Zentralrates Schweiz. Bild: Keystone

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Nicolas Blancho, Präsident des Islamischen Zentralrates Schweiz (IZRS), und Pressesprecher Patric Illi konnten im vergangenen Frühjahrssemester nicht alle ihre Verpflichtungen am Institut für Islamwissenschaft wahrnehmen. Die beiden IZRS-Zugpferde mussten wegen zu häufiger Absenzen bereits gebuchte Veranstaltungen auf spätere Semester verschieben.

Zu wenig Zeit

Blancho bestätigt entsprechende Recherchen des TA: «Ich habe im vergangenen Frühjahrssemester wegen der zeitlichen Belastung durch das Engagement beim IZRS zwei gebuchte Seminare nicht beenden können.» Auch Illi räumt ein, dass er zwei Seminare hat sausen lassen: «Ich habe während des Semsters gemerkt, dass es zeitlich nicht möglich ist, die Veranstaltungen regelmässig zu besuchen.»

Dass der Aufbau einer islamistischen Parallelgemeinschaft die Dauer des Studiums und damit auch des Stipendienbezugs verlängert, treffe in seinem Fall aber nicht zu, sagt Illi: «Die fraglichen Seminare wollte ich mir bereits für das Masterstudium anrechnen lassen, das ich im kommenden Herbst beginne.» Nun absolviere er die beiden Veranstaltungen eben regulär während des Masterstudiums.

Vier Kinder à 7200 Franken

Illi hat nach eigenen Angaben indes bereits aus anderen Gründen eine Verlängerung der Stipendienzahlungen beantragt. Laut Stipendienrecht des Kantons Zürich ist es möglich, nach den regulären fünf Jahren Studiendauer für Bachelor und Master zusätzlich ein sechstes Jahr Stipendiengelder zu erhalten. Etwa wenn man während des Studiums Kinder bekommt.

Diese Voraussetzungen erfüllt Illi. Er ist seit Studienbeginn dreimal Vater geworden (erstes Kind 2007, Zwillinge 2010) und hat nun insgesamt vier Kinder. Pro Kind und Jahr sieht das Stipendienrecht Zulagen von 7200 Franken vor. 2009 erhielt Illi rund 24 000 Franken Stipendien. Für die 2010 geborenen Zwillinge erhält er künftig zusätzliche 14 400 Franken jährlich. «Das ist immer noch weit unter dem kantonalen Existenzminimum. Reich werde ich damit nicht», sagt Illi.

Studium dürfte länger dauern

Blancho studiert seit 2007 und erhält Stipendien des Kantons Bern. Auch er ist sich bewusst, dass er mehr Zeit als die im Studienreglement vorgegebene minimale Dauer der Ausbildung benötigen wird. «Ich gehe davon aus, dass ich bis zum Master noch bis 2013/14 studieren werde. Ich habe mich aber bereits nach der Gründung meiner Familie darauf eingestellt, dass das Studium länger dauern dürfte.»

Anders als Illi in Zürich kann Blancho statt der für ein Masterstudium nötigen 6 ganze 12 Jahre studieren, bis er keine Stipendien mehr erhält. Und dies auch, wenn er zu Prüfungen nicht zugelassen wird oder diese nicht besteht. «Selbst wenn eine studierende Person infolge nicht bestandener Prüfungen ein Jahr repetieren muss, ist das Repetitionsjahr grundsätzlich beitragsberechtigt», sagt Claude Küpfer, Vorsteher Ausbildungsbeiträge der Berner Erziehungsdirektion.

Blancho, der zwei Kinder hat, wird von der Erziehungsdirektion aber knapper eingestuft als Pressesprecher Illi. «Bis anhin habe ich einmal während eines Jahres 5060 Franken Stipendien erhalten», sagt Blancho, was nicht gerade überrissen sei, um eine vierköpfige Familie durchzubringen. Sein neuer Stipendienantrag für 2010 sei noch immer nicht bewilligt. Er gehe aber nicht davon aus, dass substanziell mehr bewilligt werde.

Erstellt: 27.07.2010, 09:37 Uhr

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