Berner Querschläger erzwingt zweiten Wahlgang – 500'000 Franken Kosten

Bruno Moser hat keine Chance und will trotzdem Ständerat werden. Mit dem Staat hat er ein Hühnchen zu rupfen.

Seine Wahl sei nur eine Frage der Zeit: Bruno Moser. (Foto: Christain Liechti)

Seine Wahl sei nur eine Frage der Zeit: Bruno Moser. (Foto: Christain Liechti)

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Bruno Moser ist so frei: Und die Freiheit geht ihm über alles. Nicht umsonst nennt sich der Bieler mit Jahrgang 1961 und markanten weissen Bocksbart auf seiner Homepage Freiherr von Moser. Vom «feindlichen System» hat er sich losgesagt, den Staat lehnt er ab. Nun hält er trotz Chancenlosigkeit seine Kandidatur für den zweiten Wahlgang für den Ständerat im Kanton Bern aufrecht. Alle anderen Herausforderer haben die Segel gestrichen. Selbst SVP-Kandidat Albert Rösti zog sich zurück. Es wäre eine Zwängerei, sagte der wiedergewählte Nationalrat. Gegen die Bisherigen Hans Stöckli (SP) und Werner Luginbühl (BDP) rechnete sich Rösti keine Chancen aus. Der parteilose Moser kam am 18. Oktober auf gerade einmal 4114 Stimmen, für Luginbühl dagegen votierten über 151'000 Personen.

Der erzwungene zweite Wahlgang am 15. November kostet den Kanton Bern geschätzte 500'000 Franken. Moser verteidigt sich damit, er nehme nur seine demokratischen Rechte wahr. Und überhaupt: Pro Stimmberechtigten gehe es lediglich um Kosten von 62 Rappen. Moser versucht seit 1998 ein politisches Amt im Kanton Bern zu ergattern. So trat er bereits mehrmals erfolglos als Kandidat zu den Regierungsratswahlen an. Mit dem Staat hat er ein Hühnchen zu rupfen. 2014 wurde er am Wahlsonntag in Handschellen gelegt, als er das Rathaus betreten wollte, um die Ergebnisse aus erster Hand zu erfahren. Er habe sich geweigert, einen Ausweis zu zeigen, teilte die Polizei im Nachgang mit. Zudem habe er sich gegen die Kontrolle gewehrt, weshalb er «zu Boden geführt» worden sei. Videoaufnahmen zeigen, wie Moser von drei Polizisten mehr als unsanft aufs Strassenpflaster gedrückt wird. Ein Polizist kniete dabei auf seinem Kopf.

Nicht gut zu sprechen ist Moser auf die Medien, weil sie ihm nicht genügend Platz einräumten. Journalisten bezeichnet er deshalb wahlweise als «Medienhuren» oder als «Presstituierte». Die Welt sieht er durch eine Geheimregierung ferngesteuert, der Anschlag auf die Twin Towers in Manhattan 2001 war für ihn inszeniert, die Mondlandung ebenso, den Bundesrat will er in corpore «in die Kiste» stecken, und gegen Wehwechen empfiehlt er ein sagenhaftes Wunderpflaster. Moser, der Volkswirtschaft studiert hat, pflegt nicht nur verquere Ansichten. Er kämpft auch für eine Utopie und die heisst Bodensteuer. «Der Boden gehört uns allen. Wer Boden nutzt, zahlt entsprechend dessen Wert eine Steuer», so begründete Moser seine Utopie. Da komme so viel Geld zusammen, dass man gar nicht alles ausgeben könne. Alle anderen Steuern will er abschaffen.

Moser denkt langfristig: Die Frage sei nicht, ob er gewählt werde, sondern wann. Würde die Bodensteuer eingeführt, müsste man sich zumindest über die Kosten von Wahlen keine Sorgen mehr machen.

Erstellt: 26.10.2015, 06:52 Uhr

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