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«60 Prozent! Absolut fantastisch»

Sie war die Auslöserin für die Reform der erleichterten Einbürgerung: SP-Nationalrätin Ada Marra. Das sagt sie nun nach ihrem grossen Sieg.

Tochter italienischer Einwanderer: SP-Nationalrätin Ada Marra. Foto: Keystone
Tochter italienischer Einwanderer: SP-Nationalrätin Ada Marra. Foto: Keystone

Dreimal haben die Schweizerinnen und Schweizer die erleichterte Einbürgerung seit 1983 abgelehnt – diesmal sagten 60 Prozent Ja. Haben Sie ein solches Resultat, einen Sieg überhaupt, erwartet?

Ehrlich gesagt: nein. Ich hatte grosse Angst vor einer Niederlage. Dass es für ein Volksmehr reichen könnte, davon ging ich aus. Meine Befürchtung war, dass die Vorlage am Ständemehr scheitert. Jetzt haben 19 Kantone und über 60 Prozent der Stimmbevölkerung zugestimmt. 60 Prozent! Das ist ein absolut fantastisches Resultat. Ich hätte nicht damit gerechnet.

Was hat man diesmal besser gemacht als früher?

Wir haben vor allem eine sehr vernünftige Vorlage aufgegleist. Sie war inhaltlich moderat. Wir haben uns bei der Beratung im Parlament konstruktiv verhalten und sind Kompromisse eingegangen. Zentral scheint mir, dass die Schweizerinnen und Schweizer den Behörden vertrauen, die die Einbürgerungsentscheide treffen. Und anders als die SVP behauptet, haben wir in der Schweiz kein Integrationsproblem. Die Leute stellen fest, dass die Integration funktioniert. Ich glaube im Übrigen, dass die aggressiven Plakate der Gegner eher kontraproduktiv waren. Unsere eigene Kampagne war diskret, aber sie war wirkungsvoll.

Vor allem war sie nicht sehr sichtbar. Hat es Sie nicht frustriert, dass die Parteien, die die Vorlage unterstützten, so wenig Engagement zeigten – auch Ihre eigene?

(lacht) Wir haben gewonnen. Das ist es, was jetzt zählt.

Die Gewerkschaften und Operation Libero kündigen an, für eine weitere Liberalisierung des Bürgerrechts zu kämpfen. Unterstützen Sie diese Bemühungen?

Es ist normal, dass nach einer Volksabstimmung Forderungen gestellt werden. Ich freue mich jetzt über das tolle Resultat, das wir geschafft haben. Das Weitere sehen wir dann später.

Von der jetzigen Liberalisierung profitiert aber nur die dritte Generation. Bräuchte es für die Secondos nicht auch Erleichterungen?

Alles zu seiner Zeit. Meiner Meinung nach haben wir mit dieser Vorlage das erreicht, was zum jetzigen Zeitpunkt und in der aktuellen politischen Konstellation möglich war.

Sie haben 2008 mit einer parlamentarischen Initiative den Anstoss zu dieser Reform gegeben. Der Kampf hierfür durchzieht fast ihre gesamte bisherige Nationalratslaufbahn . . .

Wirklich gefordert war ich vor allem in den letzten Monaten. Natürlich ist es auch für mich persönlich befriedigend, nach so vielen Jahren ans Ziel gekommen zu sein. Vor allem aber ist das Resultat ein Zeichen der Anerkennung für die Ausländerinnen und Ausländer, die schon seit je hier bei uns leben.

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