7500 ehemalige Soldaten reagieren nicht auf Brief der Armee

Seit April überprüft das Schweizer Militär Tausende Dienstbüchlein. Bisher hat sie so 31 Armeewaffen aufgespürt, die eigentlich im Zeughaus sein sollten. Die schwierigen Fälle kommen nun aber erst an die Reihe.

Auch der Täter von Oensingen verwendete eine Armeewaffe: Sturmgewehre 57 im Zeughaus Basel. (Archivbild)

Auch der Täter von Oensingen verwendete eine Armeewaffe: Sturmgewehre 57 im Zeughaus Basel. (Archivbild) Bild: Keystone

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Die Armee hat auf der Suche nach Armeewaffen bisher 17'000 Dienstbüchlein überprüft. Das Resultat: 31 ehemalige Armeeangehörige gaben ihre Dienstwaffe nicht ab. Eine Waffe, die trotz Aufforderung nicht zurückgeben worden war, wurde kürzlich bei einem Tötungsdelikt in Oensingen SO verwendet.

Weil die Armee in mehreren Fällen nicht wusste, wo sich die ausgegebenen Dienstwaffen befanden, wollte sie Klarheit schaffen: Ende April forderte sie deshalb bei ehemaligen Soldaten insgesamt 27'000 Dienstbüchlein für eine Prüfung ein. Erste Teilergebnisse liegen nun vor. Armeesprecher Walter Frik bestätigte einen entsprechenden Bericht der «Neuen Zürcher Zeitung».

2500 Wohnadressen unbekannt

In 10'000 Fällen konnte die Armee noch keine Prüfung vornehmen, wie Frik sagte. Dies, weil 7500 ordentlich aus dem Dienst entlassene Armeeangehörige nicht auf den ersten Brief reagiert haben. In 2500 weiteren Fällen verfügt die Armee zudem nicht über die aktuelle Wohnadresse. Vier eigens beigezogene Personen seien derzeit daran, die Adressen ausfindig zu machen, sagte Frik.

Sollten sich die angeschriebenen Ex-Soldaten auch auf den zweiten Brief nicht melden, würden diese telefonisch kontaktiert. Weil die Dienstbüchlein nach dem Ausscheiden aus der Armee nur noch während einer beschränkten Zeit aufbewahrt werden müssen, habe man keine Handhabe, falls kein Dienstbüchlein vorgewiesen werden könne. «Verdachtsfällen gehen wir aber selbstverständlich nach», sagte Frik.

Die Frist für die Rückgabe der 31 Waffen läuft gemäss Frik bis Mitte August, danach werden die Fälle den jeweiligen Kreiskommandanten der zivilen Polizei übergeben. 11 Betroffene hätten die Waffe bereits retourniert. 18 ehemalige Armeeangehörige haben zwar nicht ihre Armeewaffe, dafür aber ihre gesamte Armeeausrüstung zuhause gelagert, wie aus der Zwischenbilanz der Dossier-Überprüfung weiter hervorgeht.

Überprüfung nach Todesfall

Armeechef André Blattmann ordnete die Überprüfung von mehr als 300'000 Dossiers über entlassene Armeeangehörige sowie Leihwaffenbesitzer an, nachdem im Sommer 2011 ein Berner Polizist bei einer Zwangsräumung mit einer nicht zurückgegebenen Armeewaffe erschossen worden war.

In 27'000 Fällen stiess die Armee auf unvollständige Datensätze. Der Einzug der jeweiligen Dienstbüchlein, in denen über die Ausrüstung Buch geführt wird, sollte Klarheit schaffen.

Die Armeeführung um Blattmann sah sich Ende April gezwungen, Medienberichte zu relativieren, wonach sie die Kontrolle über tausende von Waffen verloren habe. Der Einzug der Dienstbüchlein sei nur eine «weitere Sicherheitsmassnahme».

Viele Waffen eingesammelt

Inklusive der neu aufgefundenen Waffen weiss die Armee zurzeit von 336 Armeewaffen, die eigentlich ins Zeughaus gehörten. Im Juni waren es 537 Waffen gewesen, im Mai sogar noch 733 - laut Armeesprecher Frik ein Indiz dafür, dass «mit Hochdruck gearbeitet wird». Es handle sich grösstenteils um Waffen, die nach dem Ausscheiden aus dem Militärdienst nicht zurückgegeben worden seien.

Erst vor wenigen Wochen war eine solche Waffen bei einer tödlichen Familienfehde in Oensingen SO verwendet worden, bei dem ein 51-jähriger Mann und dessen 26-jähriger Sohn ums Leben kamen. Einer der mutmasslichen Täter setzte ein Sturmgewehr 90 ein, welches er trotz einer Mahnung der Armee nicht zurückgegeben hatte. (mw/sda)

Erstellt: 24.07.2012, 19:04 Uhr

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