80 Prozent der Jungen sagen Nein zu höheren Renten

Die Nachbefragung zum Resultat der AHV-plus-Initiative offenbart einen starken Altersgraben.

Das Engagement der Jungen war erfolgreich: Die bürgerlichen Jungparteien äusseren sich zur AHV Reform, 2014. Von links: Guillaume Barrazzone, Nationalrat CVP, Jean-Pascal Ammann, Präsident junge CVP, Christian Wasserfallen, Nationalrat FDP und Maurus Zeier, Präsident Jungfreisinnige. Foto: Lukas Lehmann (Keystone)

Das Engagement der Jungen war erfolgreich: Die bürgerlichen Jungparteien äusseren sich zur AHV Reform, 2014. Von links: Guillaume Barrazzone, Nationalrat CVP, Jean-Pascal Ammann, Präsident junge CVP, Christian Wasserfallen, Nationalrat FDP und Maurus Zeier, Präsident Jungfreisinnige. Foto: Lukas Lehmann (Keystone)

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Die SVP politisiert bei der Altersvorsorge nicht auf der Linie ihrer Basis: Sie setzt sich für Kürzungen ein, aber ihre Wähler lehnen einen Leistungsabbau ab. Das hat zum Beispiel der Urnengang 2010 gezeigt, als ihre Anhänger eine Senkung des Pensionskassen-Umwandlungssatzes mit 73 Prozent verwarfen – entgegen der Parteiparole. Die Abstimmung vom Sonntag relativiert diese Diskrepanz. Sie zeigt, dass die SVP ihre Basis beim Rententhema auf Kurs bringen kann, wenn sie entsprechend mobilisiert.

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Gemäss der Tamedia-Nachbefragung hat bei den SVP-Wählern im Verlauf der Abstimmungskampagne zur AHV-plus-Initiative ein Meinungsumschwung stattgefunden. Hatten sich in der ersten Umfragewelle Anfang August 62 Prozent der SVP-Sympathisanten für eine Erhöhung der AHV-Altersrenten um 10 Prozent ausgesprochen, waren es am Schluss nur noch 33 Prozent. Damit schlossen sich die Reihen bei den Bürgerlichen, so dass die Vorlage letztlich auf der Links-rechts-Achse polarisierte. Anhänger der Grünen und der SP sagten mit 65 und 67 Prozent deutlich Ja zur Initiative. In der FDP und GLP war die Zustimmung mit 23 und 26 Prozent am tiefsten.

Engagiert: Die Junge SVP

Die ersten Umfragen hätten gezeigt, dass seine Partei noch Überzeugungsarbeit leisten müsse, sagt SVP-Nationalrat Thomas de Courten, der sich im gegnerischen Komitee engagierte. Dass dies letztlich gelang, sei nur mit intensivem Einsatz im Abstimmungskampf möglich gewesen. «Geholfen hat auch, dass sich die Junge SVP ins Zeug gelegt und die jüngere Generation mobilisiert hat.»

Doch die SVP kann das Ergebnis nur bedingt zum Richtwert für ihren aktuellen Kurs in der Rentendebatte nehmen. Denn bei der Gewerkschaftsinitiative ging es um den Ausbau der Leistungen; ob die Anhänger der Partei trotz Mobilisierung auch bei einer Sparvorlage folgen würden, bleibt fraglich.

Nur 17 Prozent bei den Auszubildenden

Nicht nur die Junge SVP, auch die anderen bürgerlichen Jungparteien weibelten während Wochen gegen die Vorlage. Die Tamedia-Nachbefragung legt nahe, dass sich der Aufwand für sie gelohnt hat: Die ohnehin geringe Zustimmung der 18- bis 34-Jährigen (35 Prozent im August) sank während des Abstimmungskampfs und betrug am Schluss nur noch 21 Prozent. «Die Jungen haben erkannt, dass die AHV in finanzieller Schieflage steckt und ein einseitiger Ausbau nicht finanzierbar wäre», sagt Andri Silberschmidt, Präsident der Jungfreisinnigen. Mit zunehmendem Alter stieg gemäss der Umfrage die Zustimmung zur Vorlage. Bei den über 65-Jährigen betrug sie 57 Prozent. Aufgeschlüsselt nach der Beschäftigungssituation, erreichte sie bei den Pensionierten sogar 59 Prozent. Und auch hier bestätigt sich der Altersgraben: Auszubildende konnten sich nur zu 17 Prozent für das Anliegen erwärmen.

Bei der «Grünen Wirtschaft» spielte die Verortung im politischen Spektrum ebenfalls eine zentrale Rolle: Anhänger der Grünen und der SP stimmten der Volksinitiative mit 94 und 71 Prozent zu. Wenig Akzeptanz hatte sie dagegen mit je 13 Prozent bei FDP- und SVP-Wählern. Wichtig war zudem der Wohnort der Stimmbürger: Der Ja-Stimmenanteil war bei den Städtern mit 46 Prozent deutlich höher als bei Landbewohnern (33 Prozent). Beim Nachrichtendienstgesetz wiederum kam der Faktor Alter zum Tragen: 56 Prozent der 18- bis 34-Jährigen sagten Ja. Bei den über 65-Jährigen stieg der Anteil auf 77 Prozent.

Die gewichtete Tamedia-Nachbefragung fand von Freitag bis Sonntag online statt. Teilgenommen haben rund 9900 Personen aus der ganzen Schweiz. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 27.09.2016, 07:41 Uhr

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