AKW-Chef denkt über die Schliessung von Mühleberg nach

Urs Gasche, BKW-Verwaltungsratspräsident, schliesst nicht mehr aus, dass der Berner Stromkonzern das AKW Mühleberg aus wirtschaftlichen Gründen freiwillig vorzeitig stilllegt.

«Die nötige Investition könnte zu hoch sein»: BKW-Verwaltungsratspräsident Urs Gasche.

«Die nötige Investition könnte zu hoch sein»: BKW-Verwaltungsratspräsident Urs Gasche. Bild: Andreas Blatter

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Herr Gasche, was bedeuten die neuen Auflagen des Atominspektorats Ensi konkret für das AKW Mühleberg?
Urs Gasche: Die Auflagen sind streng. Es wird nicht trivial sein, sie zu erfüllen. Zunächst bedeuten sie einen hohen Arbeitsdruck für unsere Spezialisten, die Lösungen ausarbeiten müssen. Positiv ist, dass das Ensi bestätigte, dass es keine Sicherheitsbedenken gibt, die eine Sofortabschaltung nötig machen.

Der Stolperstein könnte der Umstand sein, dass das Ensi für die Notsysteme des AKW zusätzlich zur Aare eine alternative Kühlwasserzufuhr fordert.
Ich persönlich vermute auch, dass die Lösung dieses Problem die grösste Herausforderung wird. Es geht dabei nicht bloss um die Erfüllbarkeit der Auflage.

Um was noch?
Es kann sein, dass wir zwar zum Schluss kommen, dass das Problem mit der alternativen Kühlwasserzufuhr technisch lösbar ist, aber die nötige Investition zu hoch wäre.

Das Dilemma also: Wenn die BKW wie gefordert in eine alternative Kühlwasserquelle investiert, muss sie damit rechnen, dass die Investition umsonst ist. Denn es ist ja nicht ausgeschlossen, dass das AKW kurze Zeit später wegen der Kernmantelrisse doch abgestellt werden muss. Sehen Sie einen Ausweg?
Sie bringen es auf den Punkt. Das ist tatsächlich das Dilemma. Wobei wir sogar noch weitergehen müssen mit unseren Überlegungen: Wir müssen bei kommenden Investitionen nicht nur eine vorzeitige Schliessung in die Rechnung miteinbeziehen.

Sondern?
Wir wissen heute noch nicht, ob sich die geforderten Investitionen selbst dann nicht mehr lohnen, wenn das KKW die erwartete Lebensdauer erreicht. Sie beträgt noch zehn bis zwölf Jahre. In dieser Zeit muss das investierte Kapital zurückfliessen, sonst ist die Wirtschaftlichkeit nicht gegeben.

Im Klartext heisst dies: Sie schliessen nicht mehr aus, dass Sie das AKW vorzeitig abschalten, weil sich die Investitionen schlicht nicht mehr lohnen?
Ja, ich kann heute nicht mehr ausschliessen, dass wir das KKW aus wirtschaftlichen Gründen vorzeitig abschalten.

Wenn Sie das AKW heute stilllegen müssten: Wäre es bereits amortisiert?
Das ist nicht so einfach zu beantworten. Klar ist aber: Die Fonds für die Stilllegung des KKW sind noch nicht voll, weil sie jährlich geäufnet werden und weil man nicht mit einer so frühen Stilllegung rechnete. So gesehen hätten wir Verluste, wenn das KKW jetzt abgeschaltet würde.

Wie viel Geld fehlt?
Das kann ich nicht spontan sagen.

Bald wird das Ensi auch entscheiden, ob der Kernmantel ersetzt werden muss oder nicht. Das würde eine halbe Milliarde kosten. Ist es ausgeschlossen, dass sie ihn ersetzen würden?
Ich kann diese Frage nicht abschliessend beantworten. Aber gerade auch im Kontext der neuen Auflagen, die ja auch Investitionen auslösen, müssten wir die Wirtschaftlichkeit schon sehr gut prüfen, falls der Ersatz des Kernmantels nötig würde. Allerdings stellt sich dann umgekehrt die Frage, ob, wenn wir all diese Investitionen tätigen, eine Verlängerung der Lebensdauer des KKW über die erwartete Lebensdauer hinaus möglich wäre. (Berner Zeitung)

Erstellt: 06.05.2011, 07:42 Uhr

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