Aargauer Rezept gegen Hooligans findet Anklang

Mit der Schliessung des Gästesektors beim Spiel Aarau - Zürich wird ein Artikel des Hooligankonkordats erstmals angewandt. Bern und Luzern zeigen sich offen für die Massnahme.

Der verbotene Einsatz von Pyrofackeln ist einer der Gründe für die verschärfte Repression gegen Hooligans. Foto: Keystone

Der verbotene Einsatz von Pyrofackeln ist einer der Gründe für die verschärfte Repression gegen Hooligans. Foto: Keystone

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Der Entscheid ist ein Novum. Die Kantonspolizei Aargau hat nach Absprache mit Polizeidirektor Urs Hofmann (SP) den FC Aarau angewiesen, den Gäste­sektor im Stadion Brügglifeld am Samstag geschlossen zu halten – wegen «akuter Sicherheitsbedenken». Bislang hat entweder die Swiss Football League Sektorsperrungen oder Geisterspiele als Disziplinarmassnahme gegen einen Klub verfügt. Oder aber die Clubs haben diesen Schritt gemacht. Zuletzt tat dies der FC Aarau im Juli für die Basler Fans, nachdem diese im Mai im Meistertaumel den Rasen gestürmt hatten.

Unklar ist, ob das Vorgehen in anderen Kantonen Nachahmer findet und so den Beginn einer abermals verschärften Anti-Hooligan-Politik in der Schweiz markiert. Die Situation scheint besonders delikat, nachdem die Anhänger des FC Zürich zuletzt mehrfach gewütet haben, speziell in Basel, als Chaoten mit Pyros und Böllern die Partie an den Rand des Abbruchs gebracht haben. Das Basler Sicherheitsdepartement mit Regierungsrat Baschi Dürr (FDP) an der Spitze will weder das Vorgehen der Aargauer Polizei kommentieren noch die Frage beantworten, unter welchen Umständen Basel den Fansektor schlösse. In Schweigen hüllt sich auch die Zürcher Sicherheitsdirektion von Mario Fehr (SP), die «keine Stellungnahme abgeben» will. Zugeknöpft gibt sich auch das Stadtzürcher Polizeidepartement von Richard Wolff (AL). Ein Sprecher erwähnt die Möglichkeit, «im Einzelfall die Fankurve zu schliessen»; präziser wird er aber nicht. Dem Vernehmen befürchtet man im Polizeidepartement, Öl ins Feuer zu giessen, sollten die Behörden für das Stadion Letzigrund Sektorsperrungen als Sanktionsinstrument ankündigen.

Nause lobt Aargauer

Von den Befragten wagt es einzig Reto Nause (CVP), den Entscheid der Aargauer zu werten. Der Sicherheitsdirektor der Stadt Bern hält ihn für «nachvollziehbar». Als grundsätzliches Votum für Sektorschliessungen will Nause dies aber nicht verstanden haben – aus Angst vor der Polemik, die daraus entstünde. «Im Rahmen einer Einzelfallbeurteilung werden wir diese Massnahme gegebenenfalls aber prüfen», sagt er. Auch Luzerns Polizeikommandant Adi Achermann will zumindest nicht ausschliessen, dass in Luzern der Gästesektor dereinst verriegelt bleibt.

So verschwiegen sich die Behörden nach aussen geben: Hinter den Kulissen läuft derzeit der Versuch, eine einheitliche Linie im Umgang mit Hooligans zu finden. Basis dafür ist das verschärfte Hooligankonkordat, dem mittlerweile 15 Kantone beigetreten sind (unter anderem Zürich und Bern, nicht aber Basel). Die Sektorschliessung leitet sich aus Artikel 3a des Konkordats ab. Demnach kann die zuständige Behörde bestimmen, unter welchen Voraussetzungen Fans das Stadion betreten dürfen und wie der Ticketverkauf erfolgen muss.

Die Konferenz der kantonalen Justiz- und Polizeidirektoren (KKJPD) hat letztes Jahr Empfehlungen zur Umsetzung des Konkordats erlassen. Für Spiele mit tiefem und mittlerem Risiko sind nur wenige zusätzliche Auflagen vorgesehen. Strengere Regeln sollen für Hochrisikospiele gelten, etwa Alkoholverbote oder der Einsatz von Kombitickets. Über die Auflagen entscheiden im Einzelfall die zuständigen kantonalen und städtischen Bewilligungsbehörden. Die Empfehlungen der KKJPD sind jedoch nicht bindend. Ziel ist es gleichwohl, das Konkordat harmonisiert umzusetzen. Darauf arbeitet seit letztem Sommer eine Arbeitsgruppe hin, die aus den politisch Verantwortlichen in den Städten und Kantonen sowie Polizeikommandanten besteht. Nur ein einheitliches Regime schaffe Transparenz und damit Berechenbarkeit, beschreibt ein Insider die vorherrschende Meinung. Ein Modell mit Eskalationsstufen soll festlegen, welches Verhalten wie sanktioniert wird.

Offen ist laut dem Insider, wann und ob überhaupt Sektorschliessungen zwingend angeordnet werden sollen. Die KKJPD will sich dazu nicht äussern, solange die Arbeitsgruppe keine Beschlüsse gefasst hat. Als Präjudiz will sie den Kurs der Aargauer Behörden nicht gewertet haben. Generalsekretär Roger Schneeberger jedenfalls versichert, der Entscheid der Aargauer Kantonspolizei habe mit der Arbeitsgruppe nichts zu tun. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 24.04.2015, 23:11 Uhr

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