Leserkommentare

«Abschaffung der Armee durch die Hintertüre»

Das Engagement von SVP-Ständerat This Jenny für die Waffeninitiative hat unter den Lesern von Tagesanzeiger.ch/Newsnet eine lebhafte Debatte ausgelöst.

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«Chapeau, Herr Jenny!», «Bravo – ein Spitzenpolitiker mit Zivilcourage», «Danke, This Jenny!»: Der Glarner SVP-Ständerat This Jenny erhält viel Lob für seine offene Unterstützung der Waffeninitiative – nicht zuletzt, weil er der Meinung seiner Partei widerspricht. Seine Haltung begründet Jenny mit einem Erlebnis in seiner Kindheit: «Ich habe als Kind die Androhung von Waffengewalt erlebt.» Zwar nicht im eigenen Elternhaus, aber bei Freunden, wo der heutige SVP-Politiker viel Zeit verbrachte.

«Herrn Jenny ist zu danken, dass er das Problem auf die Ebene subjektiver Realität transponiert. Auf politischer, gesellschaftlicher und statistischer Ebene ist das kaum zu diskutieren», kommentiert ein Leser von Tagesanzeiger.ch/Newsnet. «Welche Auswirkungen eine Waffe im häuslichen Rahmen auf das direkte familiäre Umfeld – vor allem Frauen und Kinder – hat, ist bisher nicht offen diskutiert worden.»

Schusswaffen sind «immer eine Bedrohung»

Sozusagen als Ergänzung dazu schreibt eine Leserin, dass wohl nur Personen, die bereits einmal mit Waffengewalt in Kontakt gekommen seien, wirklich beurteilen könnten, ob die Waffeninitiative sinnvoll ist oder nicht. «Und wie das Beispiel von Jenny zeigt, unterstützt man dann die Waffeninitiative.» Diese Aussage bestätigen mehrere Leserinnen, die Opfer oder Zeuginnen von häuslicher Gewalt mit Waffen waren.

Für viele Leserinnen und Leser ist klar, dass Schusswaffen «immer eine Bedrohung» für den Menschen darstellen und bei der heutigen militärischen Bedrohungslage der Schweiz nichts mehr im Haushalt zu suchen hätten. «Waffen bedeuten heute nicht mehr Schutz und Freiheit, sondern Bedrohung und Gewalt», heisst es in einem Kommentar.

«Das unnötige Obligatorische zu Fall bringen»

«Das Gewaltmonopol liegt im Rechtsstaat beim Staat. Also sollte niemand ausser Polizisten und Soldaten im Dienst eine Schusswaffe besitzen oder tragen! Auch Jäger oder Sportschützen könnten sie jeweils an einem sicheren Ort abgeben und vor dem nächsten Einsatz wieder abholen», meint ein Leser. «Das ist angesichts der Gefahren, die von Schusswaffen ausgehen, sicher nicht zu viel verlangt – Tradition hin oder her.»

Es werden aber auch andere Gründe für ein Ja zur Waffeninitiative angeführt. So schreibt ein Leser: «Ich denke, diese Abstimmung ist die einzige Möglichkeit, das unnötige Obligatorische zu Fall zu bringen!»

«Es wird keinen einzigen Suizid weniger geben»

Auch die Gegner der Waffeninitiative haben sich engagiert zu Wort gemeldet. Zahlreiche Leser äussern Zweifel an der Wirksamkeit des Begehrens, das insbesondere Militärwaffen im Zeughaus lagern will. «Wenn die Armeewaffe eingezogen würde, gäbe es aus diesem Grunde keinen einzigen Suizid weniger.» Dieser Gedanke wird in einem anderen Kommentar ausführlicher erläutert: «Ich bezweifle, dass die Anzahl Tötungsdelikte abnehmen wird, aus einem einfachen Grund: Jemand, der seine Familie mit einer Waffe bedroht, hat eine psychische Störung, genauso jeder Selbstmörder: Diese geht nicht einfach weg, wenn keine Schusswaffe verfügbar ist.»

Das geltende Recht reiche vollkommen aus, um den Missbrauch von Schusswaffen zu verhindern, heisst es in einem Leserkommentar. Ein anderer Einwand gegen die Initiative lautet: «Wenn jemand von seinem Lebenspartner mit der Waffe bedroht wird, hat er in erster Linie ein Ehe- und nicht ein Waffenproblem.»

«Waffenbesitz – Grundlage der Demokratie»

Immer wieder wird das Argument vorgebracht, dass die Waffeninitiative der Schweiz schade («Letztlich bildet das Recht auf Waffenbesitz die Grundlage unserer direkten Demokratie»). Oder auch, dass die Initianten eine Schweiz ohne Armee wollten («Es geht nicht um die Waffe, sondern um die Abschaffung der Armee durch die Hintertür»).

«Sollte die Initiative abgewiesen werden, lassen sich trotzdem Kompromisse finden, die beide Seiten befriedigen. So könnte die Ordonanzwaffe in einem gesicherten Koffer gelagert werden, der nur im Bedarfsfall mit einem individuellen Code zu öffnen wäre», schreibt ein Leser. «Es gibt sicher zahlreiche Möglichkeiten, die Waffe wegen der besseren Logistik zu Hause zu verwahren und trotzdem vor Zweckentfremdung zu bewahren.» (vin)

Erstellt: 12.01.2011, 19:00 Uhr

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