Abu Ramadan hetzt gegen Schweizer «Ungläubige»

Der Bieler Imam äussert sich in Predigten abwertend über christliche Feste. Die Steinigung von Ehebrechern hält er hingegen für angemessen.

Äusserte sich ausführlich zu Weihnachten: Abu Ramadan predigt und erteilt Lektionen. Foto: Ruben Wyttenbach/13 Photo

Äusserte sich ausführlich zu Weihnachten: Abu Ramadan predigt und erteilt Lektionen. Foto: Ruben Wyttenbach/13 Photo

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In seiner Stimme schwingt Hass mit, Abu Ramadan schreit. Die Freitagspredigten des 66-jährigen Libyers polarisieren, und sie haben ihm bereits Ärger mit der Justiz eingetragen. Doch das scheint den selbst ernannten Scheich wenig zu kümmern: Er hetzt einfach weiter. Dies geht aus Mitschnitten hervor, die in der Bieler Ar’Rahman-Moschee aufgenommen wurden und der SonntagsZeitung vorliegen.

Offiziell behaupten das Gotteshaus am Seelandweg sowie Abu Ramadan selbst, dass er nur ein gewöhnlicher Moscheebesucher ohne jedes Amt sei. Doch allein im Januar hat der AHV-Rentner nach Recherchen der SonntagsZeitung mehrere Freitagspredigten in der Seelandweg-Moschee gehalten. Hinzu kommen Lektionen in Religionskunde, die der Mann mit dem hennagefärbten Salafistenbart an manchen Samstagen im Gebetsraum erteilt – für Jung und Alt. Abu Ramadan drückt sich dabei immer auf Arabisch aus, denn er beherrscht auch nach mehr als 20 Jahren in der Schweiz keine Landessprache.

Seit März 2018 läuft gegen den Libyer ein Strafverfahren wegen Verdachts auf Rassendiskriminierung, weil er sich in einem Bitt­gebet gewünscht hatte, dass Allah unter anderem die Juden und Christen vernichte. Ausserdem wurde dem Hassprediger der Asylstatus entzogen, nachdem er mehrfach nach Libyen gereist war. Trotzdem konnte der Mann seine C-Bewilligung behalten. Seit Anfang 2019 läuft ein zweites Strafverfahren gegen ihn – wegen Verdachts auf Sozialhilfebetrug. Seit Abu Ramadan 1998 als Asylbewerber in die Schweiz kam, hat er mehr als 800'000 Franken Sozialhilfe und AHV-Ergänzungsleistungen erhalten. Viele der Vorwürfe hat er bestritten. In allen Fällen gilt die Unschuldsvermutung.

«Ungläubige landen alleim Höllenfeuer»

Die grosszügige Hilfe, die ihm die Schweiz und besonders der Kanton Bern gewährte, vergilt der schlecht integrierte Rentner, indem er sich öffentlich höchst abschätzig über die «Ungläubigen» in seinem Gastland äussert. So liess er sich zu Jahresbeginn in einer Predigt ausführlich über die Weihnachtsfeier und Silvester aus. Besonders ärgerte ihn, dass sich viele hiesige Muslime von den Weihnachtsfeierlichkeiten anstecken liessen. Dabei hätten jene, die das Fest feierten, keine Ahnung davon, wer Jesus sei und welche Bedeutung er in Wirklichkeit habe. Für Jesus, der auch im Islam als Prophet anerkannt ist, wählte er zwar nur respektvolle Worte, nicht aber für die Menschen, die dessen Geburt feierten. Viele dieser Leute hätten an Weihnachten gesündigt, also zum Beispiel Alkohol getrunken und Ehebruch begangen.

«Ungläubige» seien Tote, mit denen zu reden sich nicht lohne, fuhr Abu Ramadan in der Predigt fort. Nur Allah könne diese Leute zum Leben erwecken und zum Licht führen. Dafür müssten die «Ungläubigen» aber den Islam annehmen.

Im freiwilligen Religionsunterricht, der ebenfalls im Gebetsraum der Seelandweg-Moschee stattfindet, wetterte der Hassprediger weiter gegen Nichtmuslime. Im Unterricht befinden sich unter den Zuhörern oft auch Minderjährige. «Ungläubige» könnten in ihrem Leben so viel Gutes tun, wie sie wollten, behauptete der Imam, es werde ihnen aber nichts nützen, denn sie landeten sowieso alle im Höllenfeuer. Ein Muslim hingegen, der auch schwere Verbrechen wie Mord begehe, könne auf Erlösung hoffen, solange er echte Reue zeige und zu seiner Religion stehe.

In der Lektion kam danach die Sprache auf den Friedhof Madretsch in Biel, wo kürzlich ein älterer Moscheegänger beigesetzt worden war. Es gibt dort auch ein muslimisches Grabfeld. Einer von Abu Ramadans Zuhörern sagte, er bete jedes Mal für die Toten, wenn er an dem Friedhof vorbeigehe. Da antwortete ihm der Prediger, er solle doch nur für die Muslime beten, die dort begraben seien, denn auf die anderen Toten warte ohnehin die Hölle.

Der Koran sieht für Ehebruch Peitschenhiebe vor

Später sprach Abu Ramadan über die Reue im Islam. Eine der grössten Sünden sei es, wenn verheiratete Muslime Unzucht trieben, also ausserehelichen Sex hätten. Dafür sei die angemessene Strafe eindeutig die Steinigung, meinte der Hassprediger. In manchen muslimischen Ländern, wo diese brutale Strafe tatsächlich vollzogen wird, werden die Unzüchtigen eingegraben, sodass nur der Kopf zu sehen ist, bevor die Steine niederprasseln.

Abu Ramadan erzählte eine Episode von Khalid ibn al-Walid, einem Gefährten des Propheten und Feldherrn, der eine geständige Unzüchtige gesteinigt habe. Abu Ramadan legte dabei Wert auf die Feststellung, dass bei der Steinigung einer Frau auf ordnungsgemässe Bekleidung zu achten sei. Auch eine derartige Sünderin müsse vor Blicken auf ihre Blössen geschützt werden. Nach der Steinigung werde ihr die grosse Sünde der Unzucht dann aber vergeben, meinte der Hassprediger – quasi als Trost.

Seltsam ist in diesem Zusammenhang, dass der Koran, die heilige Schrift der Muslime und oberste Rechtsquelle des Islam, eine ganz andere Strafe für Ehebruch vorsieht. So heisst es im zweiten Vers der Sure «Das Licht»: «Peitscht die Unzüchtige und den Unzüchtigen gegebenenfalls jeweils mit hundert Peitschenhieben aus; und lasst euch angesichts dieser Vorschrift Allahs nicht von Mitleid mit den beiden ergreifen, wenn ihr an Allah und an den Jüngsten Tag glaubt. Und eine Anzahl der Gläubigen soll ihrer Pein beiwohnen.» Von Steinigung ist hier also keine Rede. Auf die auf mehreren Kanälen gestellte Frage, warum er einer vom Koran abweichenden und schrecklichen Körperstrafe das Wort rede, blieb Abu Ramadan die Antwort schuldig. Auf andere Fragen ebenso.



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Erstellt: 02.02.2020, 09:43 Uhr

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