Ärzte wollen sich Hilfe beim Volk holen

Die Mediziner sind gegen die Einschränkung der freien Arztwahl. Die Ärzteverbindung FMH will deshalb die Managed-Care-Vorlage des Parlaments bekämpfen. Allerdings muss sie noch eine Klippe umschiffen.

Die Ärzte kritisieren die freie Wahl: medizinische Fachangestellte in einer Arztpraxis.

Die Ärzte kritisieren die freie Wahl: medizinische Fachangestellte in einer Arztpraxis. Bild: Keystone

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Mehrere Ärzteorganisationen werden ein Referendum gegen die vom Parlament gutgeheissene Managed-Care-Vorlage lancieren. Sie stören sich an der Einschränkung der freien Arztwahl und der zwingenden Budgetverantwortung der Mediziner.

Die Ärzteverbindung FMH wird das Referendum unterstützen, wie sie mitteilt. Der Zentralvorstand stehe zum Resultat der Urabstimmung im Verband. Von den rund 36'000 Mitgliedern beteiligten sich knapp 42 Prozent an der Abstimmung; zwei Drittel waren für das Referendum.

Ärztekammer muss entscheiden

Abschliessend über die Unterstützung befinden muss aus statutarischen Gründen die Ärztekammer der FMH. Sie tagt Ende Oktober. Acht Organisationen innerhalb der FMH gründen zusammen das Referendumskomitee, wie FMH-Präsident Jacques de Haller sagte.

Es sind die kantonalen Ärztegesellschaften von Bern, den beiden Basel und Schaffhausen sowie die Fachgesellschaften der Augenärzte, der Dermatologen und der Hals-Nasen-Ohren-Ärzte (HNO). Ebenfalls anschliessen wird sich laut de Haller der Verband der Schweizerischen Assistenz- und Oberärztinnen und -ärzte (VSAO). Wer das Präsidium im Komitee übernehme, sei noch offen.

Unterstützung von Seniorenorganisationen

Interessiert am Referendum seien weitere kleinere Verbände aus Ärztekreisen, sagte de Haller. Ihre Unterstützung angekündigt hat die Vereinigung aktiver Senioren- und Selbsthilfeorganisationen der Schweiz (VASOS).

Sie kritisiert, dass jene, die ihren Arzt gemäss dem Krankenversicherungsgesetz frei wählen wollen, finanziell bestraft würden. Wer sich in einem Netzwerk versichern lassen wolle, habe keine Garantie, dass sich ein solches in erreichbarer Distanz befinde. Gerade für ältere Menschen sei das ein Problem.

Die SP hatte die Vorlage in der Parlamentsdebatte kritisiert. Ob sie das Referendum unterstützen wird, ist noch offen. Die Delegiertenversammlung entscheide am 3. Dezember darüber, sagte SP- Sprecher Andreas Käsermann.

Eingeschränkte freie Arztwahl

Das Parlament verabschiedete die Managed-Care-Vorlage heute Freitag. Diese soll die Voraussetzungen schaffen, dass sich mehr Menschen einem integrierten medizinischen Versorgungsnetz anschliessen. Wer sich nicht einem Managed-Care-Modell anschliesst, soll neu 15 statt bisher 10 Prozent der Kosten selbst tragen.

In den Netzen schliessen sich Leistungserbringer – etwa Hausärzte, Spezialärzte und Physiotherapeuten – zum Zweck der Koordination der medizinischen Versorgung zusammen. Die Politiker erhoffen sich von der Einschränkung der freien Arztwahl geringere Kosten, und das bei einer höheren Behandlungsqualität.

Nach Angaben der FMH stellte sich die Ärztekammer 2006 grundsätzlich hinter Managed Care. Die Mehrheit der Hausärzte und - ärztinnen arbeiteten bereits freiwillig in Netzwerken, schrieb sie. Die Vorlage überzeugt die FMH aber wegen der eingeschränkten Arztwahl und der zwingenden Mitverantwortung für das Budget nicht. (miw/sda)

Erstellt: 30.09.2011, 13:15 Uhr

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