Aeschi hat beste Chancen – aber Bundesrat ist er noch nicht

Die anderen Parteien nehmen das SVP-Dreierticket so entgegen. Was das für eine allfällige Wahl des Deutschschweizers bedeutet.

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

SVP-Präsident Toni Brunner hat sich durchgesetzt. Wie von ihm empfohlen, präsentiert die SVP-Fraktion für die Bundesratswahlen vom 9. Dezember ein Dreierticket – mit einem Deutschschweizer, einem Romand und einem Tessiner. Nominiert sind Thomas Aeschi (36), Guy Parmelin (56) und Norman Gobbi (38).

Die meisten anderen Parteien geben sich damit zufrieden. Zwar vermuten viele, dass der Dreiervorschlag faktisch als Einervorschlag gemeint ist. Denn die SVP präsentiert mit Thomas Aeschi nur einen Deutschschweizer Kandidaten. Und die Westschweiz ist mit zwei Bundes­räten bereits gut vertreten. SP-Präsident Christian Levrat und CVP-Präsident Christophe Darbellay hatten aber via Medien explizit einen welschen Kandidaten verlangt – da die SVP mit Ueli Maurer bereits einen Deutschschweizer Bundesrat stelle.

Die Chancen von Parmelin

Für die SVP-Spitze kam diese Forderung wie gerufen. So kann sie für jede Sprachregion einen Einervorschlag präsentieren und dadurch verhindern, dass ein gemässigter Kandidat aufs Ticket kommt. «Dagegen kann man nun wenig einwenden», sagt Gerhard Pfister, Mitglied des CVP-Präsidiums. Es gebe aus seiner Sicht keinen Grund, sich nach ande­ren Kandidaten umzusehen. Auch BDP-Präsident Martin Landolt findet, man könne sich über die Auswahl nicht beklagen: «Es ist ein Dreiervorschlag, auch wenn er vom Absender wohl eher als Einervorschlag gemeint ist.»

Die Linke und ein beträchtlicher Teil der Mitte könnte nun auf Guy Parmelin setzen. Dieser steht im Gegensatz zu Thomas Aeschi nicht im Ruf, ein Zögling von Christoph Blocher zu sein. «Wird Aeschi gewählt, sitzt Blocher wieder im Bundesrat», mahnt ein Parlamentarier. Auch Gobbi ist vielen zu radikal. Bleibt – faute de mieux – noch der Waadtländer Parmelin.

Die Grünen machen nicht mit

Bei Bundesratswahlen spielen aber auch ganz persönliche Überlegungen eine Rolle. Jene Romands, die sich irgendwann ebenfalls Chancen auf einen Bundesratssitz ausrechnen, dürften sich hüten, einen dritten Westschweizer zu wählen. Sonst würden sie ihre eigenen Aussichten schmälern. Die SVP wieder­um wird grossmehrheitlich für Aeschi stimmen – und die FDP wohl auch.

Gar keinen SVP-Vertreter wollen dagegen die Grünen auf ihren Zettel schreiben. «Wir wählen sicher keinen Kandidaten, dessen Partei die Europäische Menschenrechtskonvention aufkündigen will», sagt Fraktionschef Balthasar Glättli. Dies gilt zumindest für die ersten Wahlgänge. Wenn danach nur noch SVPler im Rennen sind, wollen sich die ­Grünen nicht ins Café verabschieden. Zu Hearings werden sie aber keinen der Nominierten einladen.

Ob die SP dies ebenfalls so hand­haben will, ist noch offen. Man werde am 1. Dezember entscheiden, ob – und wenn ja mit wem – man Hearings durchführe, teilte gestern SP-Präsident Christian Levrat mit. Mehr gebe es nicht zu sagen. Zugeknöpft gibt sich auch die FDP. Sie lässt über ihren Mediensprecher ­Georg Därendinger nur verlauten: «Wir nehmen die drei Nominierten zur Kenntnis und werden mit ihnen am 1. Dezember Hearings durchführen.» Solche Gespräche planen auch die CVP und die Grünliberalen. Die BDP hingegen überlegt sich dies nur für den Tessiner Regierungs­präsidenten Norman Gobbi. Die beiden anderen Kandidaten kenne man ja, so BDP-Präsident Landolt.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 20.11.2015, 23:42 Uhr

Artikel zum Thema

Moderat im Ton, hart in der Sache

Kommentar Für viele Parlamentarier läuft das SVP-Dreierticket auf ein Einerticket hinaus: Kronfavorit Thomas Aeschi. Ein Konsenspolitiker ist er allerdings nicht. Mehr...

«Es gibt genug Romands im Bundesrat»

Für den Berner Politologen Adrian Vatter von der Uni Bern ist die Favoritenrolle für den neuen Bundesrat klar verteilt. Er rechnet Thomas Aeschi die grössten Chancen aus. Mehr...

So tickt Aeschi

Thomas Aeschi ist der Deutschschweizer Kronfavorit der SVP für den zweiten Bundesratssitz. Fünf Fragen und Antworten zu seiner Person. Mehr...

Kommentar: Die SVP-Führung will einen Bundesrat blocherscher Prägung. – Seite 2

Interview: «Es gibt überall Krieger, die nicht nachgeben wollen.» – Seite 4

So tickt Thomas Aeschi, der Deutschschweizer Bundesratsfavorit der SVP. – Seite 5


Die Redaktion auf Twitter

Stets informiert und aktuell. Folgen Sie uns auf dem Kurznachrichtendienst.

Blog

Kommentare

Blogs

Geldblog Bucher überzeugt mit seinen Marktpositionen

History Reloaded Zeit ist Macht

Paid Post

Mit Swissôtel das SOS-Kinderdorf unterstützen

Mit jedem Kommentar und jedem «Share» dieses Artikels wird die Spende von Swissôtel im Namen der Mamablog-Community ans SOS-Kinderdorf erhöht. Helfen Sie mit!

Die Welt in Bildern

Festival vereint die verschiedenen Kulturen des Landes: Eine Frau singt und tanzt bei einem Strassenfest in Südafrika in einem traditionellen Kleid. (14. Dezember 2018)
(Bild: Rajesh JANTILAL) Mehr...