«Für ihn war Politik Berufung und nicht bloss Beruf »

Der Bündner Politiker und Alt-Bundesrat Leon Schlumpf ist im Alter von 87 Jahren gestorben. Schlumpf wurde als Verkehrsminister und Architekt der SVP bekannt. Später wechselte er zur neu gegründeten BDP.

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Alt-Bundesrat Leon Schlumpf ist tot. Der Bündner starb 87-jährig in Chur, wie die Bundeskanzlei am Samstag mitteilte. Der Bundesrat und die BDP, würdigten Schlumpf als Politiker, der auf Gespräche gesetzt und lösungsorientiert gearbeitet habe.

Schlumpf war von 1980 bis 1987 Mitglied der Landesregierung und stand dem damaligen Verkehrs- und Energiewirtschaftsdepartement vor. Er wurde am 3. Februar 1925 in Felsberg GR geboren. Am Samstag starb er nach einem operativen Eingriff im Spital in Chur, wie Brigitte Hauser-Süess, Informationschefin des Finanzdepartements, auf Anfrage präzisierte.

Vom 1966 bis 1974 vertrat Schlumpf seinen Kanton im Nationalrat, ab 1974 und bis zur Wahl in den Bundesrat im Ständerat. Am 5. Dezember 1979 wurde Schlumpf - als Vertreter der SVP - in den Bundesrat gewählt. Im Jahr 1984 war er Bundespräsident. 1987 trat er zurück.

Planungen prägten seine Amtszeit

Seine Amtszeit als Verkehrs- und Energieminister wurde geprägt durch verschiedene Planungen. Beim Verkehr bemühte er sich um ein zukunftsträchtiges Verhältnis zwischen öffentlichem und privaten Verkehr.

Wichtige Arbeiten des Departements unter seiner Federführung waren die Koordinierte Verkehrspolitik, das Konzept Bahn 2000, der Leistungsauftrag an die SBB und die Überprüfung des Nationalstrassennetzes. Er gilt als Vater des Vereinatunnels, der Bahn-Tunnelverbindung vom Prättigau ins Engadin.

In der Energiewirtschaft prägte unter anderem die Frage eines Ausstiegs aus der Atomenergie seine Tätigkeit - in seine Amtszeit fiel das Reaktorunglück in Tschernobyl im Jahr 1986.

Im Medienwesen brachte Schlumpf den Radio- und Fernsehartikel unter Dach und Fach. Damit ermöglichte er ein Nebeneinander von SRG und privaten Radio- und TV-Stationen.

Bekannt als Preisüberwacher

Landesweite Popularität verschaffte sich Schlumpf mit der Tätigkeit als Preisüberwacher des Bundes, die er vom 1. Juli 1974 bis Ende 1978 ausübte. Nach seinem Rücktritt aus dem Bundesrat Ende 1987 engagierte sich Leon Schlumpf unter anderem bei der Pro Infirmis und im Vorstand der Organisation Patenschaft für Berggemeinden.

Leon Schlumpf war der Vater von Bundespräsidentin Eveline Widmer-Schlumpf (BDP). Die frühere Bündner Finanzdirektorin wurde - damals noch als Vertreterin der SVP - im Dezember 2007 in die Landesregierung gewählt.

Der Bundesrat würdigte den Verstorbenen am Samstag als Politiker, der die Menschen und die gegenseitige Verbundenheit ins Zentrum gestellt habe, wie die Bundeskanzlei schrieb. Als Bundespräsident habe Schlumpf klar gesagt, wie schweren sozialen und politischen Prüfungen zu begegnen sei: mit Gesprächen und Meinungsaustausch.

Für BDP ein Vorbild

Schlumpf galt als einer der Architekten der Gründung der SVP im Jahr 1971. 2008 wechselte er wie Eveline Widmer-Schlumpf zur neu gegründeten BDP, nachdem die Bündner SVP und die Bundesrätin aus der SVP Schweiz ausgeschlossen worden waren.

Aus Sicht von Martin Landolt, dem Präsidenten der BDP Schweiz, war Schlumpf ein Vorbild für die noch junge Partei. «Zu seiner Aktivzeit hat er eine Art der Politik vorgelebt, die zur heutigen BDP passt», sagte Landolt auf Anfrage. Für die BDP sei der Alt-Bundesrat eine wichtige Persönlichkeit gewesen.

Auch die BDP Graubünden trauert um ein Vorbild, wie sie schrieb. Seine konstruktive, lösungsorientierte Art habe die Schweizer Politik geprägt. Bis zu seinem Tod habe er an Parteiversammlungen und damit am politischen Leben in seinem Kanton teilgenommen. «Das beweist, dass für ihn Politik Berufung und nicht bloss Beruf war.» (kpn/sda)

Erstellt: 07.07.2012, 22:36 Uhr

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