Am Start waren nur erfahrene Modellflieger

Ein abstürzendes Modellflugzeug hat am Sonntag auf dem Flughafen Samedan einen 45-jährigen Mann tödlich verletzt. Laut Veranstalter habe es aber klare Sicherheitsregeln gegeben.

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Für einen 45-jährigen Familienvater aus Zürich endete am Sonntag eine Modellflugschau in Samedan tödlich. Ein Modellflugzeug des Typs AT-6 war ins Trudeln geraten und in die Zuschauermenge gestürzt. Der Zürcher wurde dabei so schwer am Kopf getroffen, dass er noch am Flugplatz verstarb.

Thomas Brütsch vom Flugschau-Veranstalter «IG Modellflugschau Engadin» ist spürbar betroffen. «Die Sicherheit steht an oberster Stelle. Vor dem Start fand ein Briefing statt, es gibt klare Richtlinien.» So dürfe auf keinen Fall über den Zuschauern geflogen werden.

«Sinnloser Unfall»

Zudem sei ein Sicherheitsabstand zwischen der Flugpiste und den Zuschauern vorhanden gewesen und ein netzartiger Zaun habe den Zuschauerraum geschützt. Laut Brütsch war es zum Unglückszeitpunkt um 11.30 Uhr windstill und nur erfahrene Modellflieger mit technisch einwandfreien Flugzeugen waren am Start.

Noch ist unklar, wie es zum Unfall gekommen ist. Die Kantonspolizei Graubünden untersucht zurzeit zusammen mit der Staatsanwaltschaft die Unfallursache und sucht Zeugen (siehe Kasten).

Modellflugbegeisterte spekulieren nun, ob es sich um menschliches Versagen handelte. Auf dem Modell-Helikopter-Forum www.flugzone.ch meint ein Stephan, der laut eigenen Angaben Zeuge des Unglücks war: «Ich denke, dieser sinnlose Unfall hätte vermieden werden können, leider überflog der Pilot die Zuschauer und hatte das Gefühl, noch eine Rolle machen zu müssen.» Forumsmitglied Yannick fragt: «Seit wann fliegt man denn bei Flugschauen über die Zuschauer?!»

Dünne gesetzliche Grundlagen

Die gesetzlichen Grundlagen für solche Veranstaltungen sind dünn. In der «Verordnung des Uvek über Luftfahrzeuge besonderer Kategorien» ist lediglich geregelt, dass ausreichende Sicherheitsabstände zu Flugzeugen eingehalten werden müssen. Nach Richtlinien für Sicherheitsabstände zu Zuschauern sucht man im Gesetz vergebens. Obligatorisch ist eine Haftpflichtversicherung für «Modelluftfahrzeuge» ab 500 Gramm.

Für Modellflugveranstaltungen braucht es keine Bewilligung des Bundesamtes für Zivilluftfahrt (Bazl). Modellflugzeuge unter 30 Kilogramm dürfen ohne Überprüfung des Bazl benutzt werden. Thomas Brütsch versichert, es seien in Samedan alle Flieger leichter als 30 Kilogramm gewesen.

(Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 02.08.2010, 16:07 Uhr

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Zeugenaufruf

Zur Abklärung des Unfallhergangs sucht die Kantonspolizei Graubünden Personen, die Foto- oder Filmaufnahmen gemacht haben. Insbesondere vom abstürzenden Modellflugzeug.
Kontakt: Kantonspolizei Graubünden, Polizeiposten St. Moritz, 081 837 54 60, oder jede andere Polizeidienststelle.

Unfallort Flugplatz Samedan

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