An Simonetta Sommaruga führt kein Weg vorbei

Die Berner Ständerätin hat die besten Chancen, Moritz Leuenberger nachzufolgen. Die Gründe liegen auch in der Westschweiz.

Frauen sind bei der SP aus taktischen Gründen im Vorteil: Moritz Leuenberger und Simonetta Sommaruga.

Frauen sind bei der SP aus taktischen Gründen im Vorteil: Moritz Leuenberger und Simonetta Sommaruga. Bild: Keystone

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Ganze fünf Monate dauert es noch, bis die Nachfolge von Moritz Leuenberger bestimmt wird. Entsprechend lange können potenzielle Kandidatinnen und Kandidaten zuwarten und die Parteien taktieren. Die SP lässt ihren Kantonalparteien bis zum 22. Oktober Zeit, um Kandidaturen anzumelden. Infrage kämen Frauen wie Männer, sagt SP-Präsident Christian Levrat. Allerdings sind Frauen bei der SP aus taktischen Gründen im Vorteil. Der Grund liegt in der Nachfolge von Micheline Calmy-Rey, deren Rücktritt in absehbarer Zeit ebenfalls zu erwarten ist. Da in der Westschweiz keine aussichtsreichen Frauenkandidaturen absehbar sind, will die SP ihren Deutschschweizer Sitz an eine Frau vergeben. In der Westschweiz gelten der Freiburger Ständerat Alain Berset und Levrat als mögliche Nachfolger für Calmy-Rey.

Unbestritten ist für die SP, dass Leuenbergers Sitz der Deutschschweiz zusteht. Und wenn möglich will die SP der Bundesversammlung ein Zweier-Ticket präsentieren. Kronfavoritin ist die Berner Ständerätin Simonetta Sommaruga. Seit Jahren wird sie bereits als Nachfolgerin Leuenbergers gehandelt: Bei den Bürgerlichen ist sie als seriöse und pragmatische Vollblutpolitikerin anerkannt. In der Bevölkerung ist sie als Konsumentenschützerin bekannt und mit ihrer besonnenen Art beliebt. Sie werde sich in den nächsten Wochen mit ihrer Partei und ihrem nächsten Umfeld besprechen, sagte sie auf Anfrage. Eine Absage der 50-jährigen Bernerin nach der Sommerpause wäre überraschend.

Zürich als Handicap für Fehr

Ebenfalls zum Favoritenkreis zählt die Zürcher Nationalrätin Jacqueline Fehr, die gestern für eine Stellungnahme nicht erreichbar war. Auch Fehr wird von Bürgerlichen als Brückenbauerin und pragmatische Linke geschätzt. Allerdings ist die 47-Jährige als SP-Vizepräsidentin stärker an Parteipositionen gebunden als Sommaruga, die im Ständerat überparteilicher wirken kann. Bürgerliche Parlamentarier bemerken allerdings, dass Sommaruga wohl «kompatibler» wirke als Fehr. Doch Sommaruga vertrete etwa im Konsumentenschutz oftmals linke Anliegen mit grosser Hartnäckigkeit, auch wenn sie auf linke Rhetorik verzichte und konziliant wirke.

Fehr hätte also intakte Chancen auf eine Wahl, allerdings kommt sie wohl aus dem falschen Kanton. Zwar wurde die Kantonsklausel aus der Bundesverfassung gestrichen, und auf den Zürcher Leuenberger könnte eine Zürcherin folgen. Doch werden viele Bundesparlamentarier Zürich ungern zum dritten Mal seit 2003 eine Zweiervertretung im Bundesrat zugestehen. Die Befürchtung anderer Kantone ist, dass sich sonst faktisch ein Zürcher Anspruch auf eine Doppelvertretung etabliert. Das Argument der Zürcher SP, mit Ueli Maurer sei das urbane Zürich nicht vertreten, wird in Bern nicht ziehen.

Bald eine Frauenmehrheit?

Die Berner wie die Zürcher Kantonalpartei meldeten gestern ihren Anspruch auf den Sitz an. Aus dem Kanton Zürich kommt neben Fehr die Zürcher Bildungsdirektorin Regine Aeppli infrage. Sie sass von 1995 bis 2003 im Nationalrat und ist mit dem nationalen Politikbetrieb vertraut. Sie überlege sich eine Kandidatur, sagte Aeppli auf Anfrage. Sie habe als Bildungsdirektorin zwar ein spannendes Amt. «Doch wenn ich die Ehre habe, als mögliche Kandidatin für das höchste politische Amt genannt zu werden, werde ich natürlich darüber nachdenken.» Bundesratsformat hätte wohl auch der scheidende Zürcher Justizdirektor Markus Notter, der allerdings vor einem Monat eine Bundesratskandidatur noch ausschloss: «Einen Bundesrat Notter wird es nie geben», sagte er bei der Bekanntgabe seines Rücktritts aus dem Regierungsrat. Trotz der Absage will die Zürcher SP mit Notter nochmals reden. Notter wollte sich gestern zu einer Bundesratskandidatur nicht äussern.

Eine Kandidatur überlegen sich auch zwei weitere Frauen: die Basler Ständerätin Anita Fetz und die Aargauerin Pascale Bruderer, die zurzeit Nationalratspräsidentin ist. Fraktionschefin Ursula Wyss (BE) winkte dagegen ab. Fällt die Wahl vom 8. Dezember tatsächlich auf eine Frau, so haben ab Januar 2011 erstmals die Frauen in der Landesregierung die Mehrheit.

Erstellt: 10.07.2010, 06:14 Uhr

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