Apotheken sollen Medikamente ohne Rezept abgeben dürfen

Ohne Rezept kein Medikament: Diese Regel will der Bundesrat für Apotheken aufweichen. Sie sollen gewisse Medikamente künftig nach eigenem Ermessen verkaufen dürfen.

Kein Rezept, aber ein Beratungsgespräch: Apotheke im Kanton Aargau. (Archivbild)

Kein Rezept, aber ein Beratungsgespräch: Apotheke im Kanton Aargau. (Archivbild) Bild: Keystone

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Der Bundesrat will die Medikamenten-Abgabe in Apotheken und Drogerien lockern: Apotheken sollen einige rezeptpflichtige Medikamente nach einem Beratungsgespräch abgeben dürfen. Drogerien sollen alle nicht-rezeptpflichtigen Medikamenten verkaufen dürfen.

Mit der vereinfachten Abgabe will der Bundesrat die Selbstmedikation vereinfachen, wie das Eidgenössische Departement des Innern (EDI) heute Mittwoch mitteilte. Die Regierung verabschiedete die Botschaft für die Revision des Heilmittelgesetzes.

Apothekerinnen und Apotheker sollen demnach ihre Kunden aber vor der Abgabe von verschreibungspflichtigen Arzneimitteln fachlich beraten müssen. Ob ein Medikament in Apotheken ohne ärztliches Rezept abgegeben werden darf, soll die Heilmittelzulassungsstelle Swissmedic überprüfen.

Mit der Revision will der Bundesrat auch die Regeln für Anreize verbessern, mit denen Pharmafirmen Ärzten und Apothekern ihre Produkte schmackhaft machen wollen. Bei Vorteilen oder Geschenken wie Warenboni oder Gratismuster müsse mehr Transparenz und Klarheit herrschen, schreibt das EDI.

Geschäftliche Verbindungen offenlegen

Gewisse Rabatte will der Bundesrat verbieten. Zudem sollen Ärzte und Apotheker offenlegen, wenn sie geschäftliche Verbindungen zu Herstellern unterhalten. Ferner zielt die Revision darauf ab, die Entwicklung von Kindermedikamenten zu fördern, die wegen des grösseren Aufwands teilweise fehlen. Als Anreiz für die Pharmaindustrie, solche Medikamente auf den Markt zu bringen, soll beispielsweise der Patentschutz verlängert werden. Der Bund soll zudem eine Datenbank zum Medikamenteneinsatz bei Kindern aufbauen.

Ebenfalls regelt die Revision die Zulassung von Medikamenten der Komplementärmedizin und Pflanzenheilkunde. Diese sollen Erleichterungen erfahren und damit leichter zugänglich sein.

Angestossen wurde die Revision des Heilmittelgesetzes noch von Pascal Couchepin, dem Vor-Vorgänger des aktuellen Gesundheitsministers Alain Berset. Vom Tisch ist der frühere Vorschlag, als Sparmassnahme die Medikamentenabgabe durch Ärzte zu verbieten. In einem ersten Schritt wurde 2010 die Arzneimittel-Versorgung für Spitäler verbessert. (fko/sda)

Erstellt: 07.11.2012, 14:33 Uhr

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