Arbeitgeber sollen höhere Frauenrenten finanzieren

Die Zürcher Regierungsrätin Jacqueline Fehr will ein höheres Frauenrentenalter mit der Lohngleichheit verknüpfen – und wärmt dafür eine alte Idee wieder auf.

Jacqueline Fehr bringt einen Vorschlag ins Spiel, den sie während ihrer Zeit im Nationalrat ausarbeiten liess. Foto: Ennio Leanza (Keystone)

Jacqueline Fehr bringt einen Vorschlag ins Spiel, den sie während ihrer Zeit im Nationalrat ausarbeiten liess. Foto: Ennio Leanza (Keystone)

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Bundesrat Alain Berset (SP) will bei der anstehenden AHV-Reform das Frauenrentenalter von 64 auf 65 Jahre erhöhen. Linke Parteien fordern im Gegenzug zum Frauenrentenalter 65 nichts weniger als Lohngleichheit zwischen Mann und Frau. Die Bürgerlichen wollen davon nichts wissen. Bisher waren sie nur bereit, Personen mit tiefem Einkommen eine frühzeitige Pensionierung zu ermöglichen. Davon profitierten vor allem Frauen, aber nicht nur.

Die Zürcher SP-Regierungsrätin Jacqueline Fehr bringt nun einen Vorschlag ins Spiel, den sie bereits zu Beginn der Arbeiten zur Altersvorsorge 2020 noch als Nationalrätin von Staatsrechtsprofessor Thomas Gächter ausarbeiten liess. Er machte zwei Vorschläge, wie ein höheres Frauenrentenalter mit der Lohngleichheit gekoppelt werden könnte. Ein Ansatz, den der Bundesrat bereits in seiner Botschaft zur 10. AHV-Revision skizziert hatte: Die Gleichberechtigung von Mann und Frau beim Rentenalter könne nicht völlig losgelöst davon behandelt werden, wie das Gebot der Gleichheit in anderen wichtigen Bereichen verwirklicht worden sei.

Gächters erster Vorschlag sieht vor, dass das Frauenrentenalter erst dann erhöht wird, wenn der nicht erklärbare Unterschied zwischen Männer- und Frauenlöhnen unter 3 Prozent gesunken ist – zurzeit liegt er bei 7,4 Prozent.

Der zweite Vorschlag ist schärfer: Danach soll das Erwerbseinkommen der Frauen auf ihrem AHV-Konto aufgewertet werden, bis der nicht erklärbare Unterschied zwischen Männer- und Frauenlöhnen unter 3 Prozent gefallen ist. Aber im Gegensatz zu bisherigen Vorschlägen soll diese Aufwertung nicht über die Mehrwertsteuer oder AHV-Beiträge finanziert werden. Also nicht durch Konsumenten, Steuerzahler, Arbeitnehmer und -geber – und letztlich auch nicht durch die Frauen selber. Die Aufwertung sollen alleine die Verursacher der Ungleichheit finanzieren: jene Unternehmen, die nicht nachweisen können, dass sie Mann und Frau gleiche Löhne für gleichwertige Arbeit bezahlen. Sobald sie den Nachweis dafür durch eine Lohnanalyse erbracht haben, sind sie von dieser Pflicht befreit.

Unmut ist programmiert

Der Vorteil des zweiten Modells ist laut Gächter, dass es Arbeitgebern einen Anreiz setzte, ihre Löhne überprüfen und anpassen zu lassen. So könnte eine allfällige Lohnungleichheit schneller beseitigt werden. Der Nachteil sei, dass alle Betriebe so lange unter Generalverdacht stünden, bis sie den Gegenbeweis geliefert hätten. «Das würde für viel Unmut sorgen», meint Gächter. Zudem würden jene Frauen nicht von der Aufwertung profitieren, die ohnehin schon das AHV-Maximum erhielten.

Das erste Modell hingegen setzt den einzelnen Arbeitgebern keine Anreize, Lohnunterschiede auszugleichen. Der Gesetzgeber müsste deshalb mit anderen Mitteln dagegen vorgehen. Der Vorteil des ersten Modells wäre aber, dass es einfach umsetzbar wäre und die Frauen sich so lange mit 64 Jahren pensionieren lassen können, wie grössere Lohnunterschiede bestünden.

Aber es würde – wie auch die Altersvorsorge 2020 – eine ganze Generation von Verliererinnen hinterlassen. Das sind Frauen, die heute um die 50 Jahre alt sind und möglicherweise während ihres ganzen Erwerbslebens weniger Geld als die Männer verdient haben oder andere Nachteile der Altersvorsorge in Kauf nehmen mussten. Dennoch sollen sie bis 65 arbeiten. «Ich wundere mich, dass sich diese Generation nicht stärker gewehrt hat», sagt Gächter. Denn viele ihrer Vertreterinnen sässen ja im Parlament.

Im linken Lager wird der schärfere Vorschlag begeistert aufgenommen: «Das ist eine sehr gute Idee», sagt SP-Nationalrätin Silvia Schenker. Er würde gleich zu zwei Themen, die den Genossen unter den Nägeln brennen, eine Lösung aufzeigen: zu den Renten und zur Lohngleichheit. Zudem würde der Vorschlag der erlahmten Debatte um die Lohngleichheit wieder Auftrieb geben, nachdem der Ständerat ein entsprechendes Geschäft an seine Kommission zurückgewiesen hat. CVP-Nationalrätin Ruth Humbel findet den Vorschlag und das Verursacherprinzip im Grundsatz richtig. Ihrer Ansicht nach sind die Arbeitgeber aber vielmehr bei den Pensionskassen gefordert, wo insbesondere Angestellte mit kleinen Pensen bessergestellt werden müssen.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 22.03.2018, 09:02 Uhr

Artikel zum Thema

In der Waadt sollen die Frauen gleich viel verdienen

Der Kanton will die Lohngleichheit selber durchsetzen – mit Lohnkontrollen und Sanktionen gegen fehlbare Firmen. Mehr...

Gleicher Job, gleicher Lohn – sonst gibt es eine saftige Busse

In Frankreich soll eine Software Lohnunterschiede zwischen Männern und Frauen aufspüren. Die Geldstrafen bei einem Verstoss sind happig. Mehr...

Die Redaktion auf Twitter

Stets informiert und aktuell. Folgen Sie uns auf dem Kurznachrichtendienst.

Blog

Kommentare

Blogs

Mamablog Weihnachts-Countdown ohne Stress
Outdoor Warm und trocken durch den Winter
Sweet Home Zwischen Blau und Grün

Paid Post

Mit Swissôtel das SOS-Kinderdorf unterstützen

Mit jedem Kommentar und jedem «Share» dieses Artikels wird die Spende von Swissôtel im Namen der Mamablog-Community ans SOS-Kinderdorf erhöht. Helfen Sie mit!

Die Welt in Bildern

Festival vereint die verschiedenen Kulturen des Landes: Eine Frau singt und tanzt bei einem Strassenfest in Südafrika in einem traditionellen Kleid. (14. Dezember 2018)
(Bild: Rajesh JANTILAL) Mehr...