Armenier in Bern und Genf gedenken des Massakers

Auch in der Schweiz fanden zum 100. Jahrestag des Massakers an den Armeniern Gedenkanlässe statt. Die Teilnehmer forderten den Bundesrat auf, zu handeln.

Das Massaker an ihren Landsleuten jährt sich zum 100. Mal: Armenier bei der Kundgebung in Bern. (24. April 2015)

Das Massaker an ihren Landsleuten jährt sich zum 100. Mal: Armenier bei der Kundgebung in Bern. (24. April 2015) Bild: Keystone

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An einer Kundgebung in Bern haben knapp 1000 Menschen den Bundesrat aufgefordert, die Massaker an Armeniern im Jahr 1915 endlich als Völkermord anzuerkennen. Die Landesregierung dürfe Wirtschaftsinteressen nicht höher bewerten als die Ethik.

Handlungsbedarf bestehe auch für die Türkei als Nachfolgestaat des Osmanischen Reichs. «100 Jahre Leugnung sind genug», hiess es auf einem Flugblatt. Ohne die Anerkennung des Völkermords durch die Türkei sei keine Aussöhnung möglich.

Zu der Kundgebung vom Freitagabend aufgerufen hatte das Komitee zum Gedenken des Völkermordes an den Armeniern. Die Demonstration auf dem Münsterplatz fand im Vorfeld einer Gedenkveranstaltung im Berner Münster statt.

Gedenken auch in Genf

Nach armenischer Darstellung starben ab dem 24. April 1915 bis zum Jahr 1917 auf dem Gebiet der heutigen Türkei bis zu 1,5 Millionen Armenier. Die Türkei spricht von wesentlich geringeren Opferzahlen und weigert sich, die Massaker als Völkermord anzuerkennen.

Über 200 Personen haben in der armenisch apostolischen Kirche Saint Hagop in Troinex im Kanton Genf den Opfern des Völkermordes an den Armeniern gedacht. Die Glocke der Kirche schlug 100 Mal für die 100 Jahre, welche seit dem Massaker vergangen waren.

Auch Vertreter der anderen christlichen Kirchen nahmen an der Gedenkfeier teil. Die Reden wurden vor einem sogenannten Chatschkar gehalten, einem Gedächtnisstein mit einem Reliefkreuz in der Mitte. Viele der Gäste hatten eine violette Blume am Knopfloch befestigt, welche als Symbol des 100-jährigen Gedenkens des Völkermords gilt.

Schaffung eines Ehrenplatzes

«Es handelt sich um den ersten Völkermord des 20. Jahrhunderts», rief ein Mitglied der armenischen Diaspora in Genf in Erinnerung. Die Verantwortlichen dieser Tragödie seien nie bestraft worden. Allerdings sei die Türkei in ihrer Politik der Verweigerung der Anerkennung des Genozids heute zunehmend isoliert.

Der Bürgermeister von Troinex, Potter van Loon, zeigte sich stolz darüber, dass sich die armenische Kirche in seiner Gemeinde befindet. Er sprach sich zudem für die Schaffung einer «place d'Arménie» gegenüber der Kirche aus. (rar/sda)

Erstellt: 24.04.2015, 19:02 Uhr

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