Atomendlager: Jetzt kommen nur noch zwei Standorte infrage

An sechs Orten in der Schweiz wurde gebohrt, gemessen und geforscht. Nun ist klar, welche zwei Standorte für radioaktiven Müll noch übrigbleiben.

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Jura Ost und Zürich Nordost: Diese beiden Standorte schlägt die Nagra für die Lagerung sowohl von schwach- und mittelradioaktiven als auch von hochradioaktiven Atomabfällen vor. Vier weitere Gebiete, die ebenfalls für den Bau eines geologischen Tiefenlagers untersucht wurden, dürften damit aus dem Spiel sein.

Es handelt sich um Jura-Südfuss, Nördlich Lägern, Südranden und Wellenberg. Die Nationale Genossenschaft für die Lagerung radioaktiver Abfälle (Nagra) hatte in einer ersten Etappe insgesamt sechs Standorte identifiziert, welche als Endlager geeignet schienen.

In diesen Gebieten führte sie seit 2011 geologische und sicherheitstechnische Untersuchungen durch. Der Auftrag bestand darin, mindestens je zwei Vorschläge für hochradioaktive sowie für schwach- und mittelradioaktive Abfälle zu präsentieren.

Günstigere Bedingungen

Die Empfehlung der Nagra umfasst nun lediglich zwei Standorte. Beide eigneten sich sowohl für ein Lager für schwach- und mittelradioaktive Abfälle als auch für hochradioaktive Abfälle oder für ein Kombi-Lager, heisst es in einer Mitteilung.

Bei ihren Abklärungen ist die Nagra zum Schluss gekommen, dass alle sechs Gebiete die geforderten geologischen und sicherheitstechnischen Anforderungen erfüllen. Die Standorte Jura Ost und Zürich Nordost wiesen jedoch günstigere Bedingungen auf als die vier anderen. Sie sollen darum in einer dritten Etappe vertieft untersucht werden.

Die Berichte und Analysen, auf welche die Nagra ihren Entscheid stützt, werden nun den Bundesbehörden zur Überprüfung und den Standortkantonen zur Stellungnahme unterbreitet. 2016 soll eine öffentliche Anhörung durchgeführt werden. Voraussichtlich Mitte 2017 wird der Bundesrat auf Grundlage aller Ergebnisse entscheiden, ob er den von der Nagra vorgeschlagenen Gebieten zustimmt.

Ein definitiver Standortentscheid soll 2027 fallen. Das letzte Wort hat das Volk.

Aargauer Regierung ist überrascht

Der Aargauer Regierungsrat hat sich «ausserordentlich überrascht» gezeigt, dass die Nagra die Standortsuche für ein Atomendlager bereits jetzt stark einengte. Im Aargau ist ein Endlager im Gebiet Jura Ost (Bözberg) geplant. Es brauche ein «faires und glaubwürdiges» Standortverfahren.

Man sei weniger überrascht, dass der Aargau noch als Standortkanton in der Diskussion sei, sagte Regierungsrat und Baudirektor Stephan Attiger (FDP) am Freitag vor den Medien in Aarau. Aber die Eingrenzung auf die Standorte Jura Ost und Zürich Nordost sei schon überraschend.

Man werde nun mit dem Nachbarkanton Zürich zusammenarbeiten und die Vorschläge gemeinsam prüfen. «Wir wollen kein Atomendlager», machte Attiger klar: «Wir wollen das nicht.» Es dürfe kein politischer Entscheid sein. Aber der sicherste Standort müsse geprüft werden. Der Aargau werde die Berichte der Behörden genau prüfen und dann ausführlich Stellung nehmen.

Entscheid im Sinne Nidwaldens

Mit dem Entscheid der Nagra, auf den Wellenberg zu verzichten, wird in Nidwalden ein fast 30-jähriger Kampf gegen ein Tiefenlager beendet. Dem anfänglich von der politischen Opposition angeführten Widerstand hatte sich zuletzt auch der Regierungsrat angeschlossen.

Der Entscheid sei überfällig gewesen, schreibt das Komitee für die Mitsprache des Nidwaldner Volks bei Atomanlagen (MNA), das seit 1986 den bei Wolfenschiessen gelegenen Wellenberg als Standort für die Endlagerung radioaktiver Abfälle bekämpfte.

Der Wellenberg war damals von der Nagra auch wegen der damals positiven Haltung der Nidwaldner Regierung zum potentiellen Standort ausgewählt worden. Bei der Mehrheit des Volkes kam dies schlecht an. Beim aktuellen Evaluationsprozess für ein Tiefenlager hatte sich auch der Regierungsrat gegen den Standort Wellenberg ausgesprochen und seine ablehnende Haltung mit eigenen Studien untermauert.

Gespaltenes Nidwalden

Seit 1987 hatten sich die Nidwaldner Stimmberechtigten mehrmals direkt oder indirekt gegen das Wellenbergprojekt ausgesprochen. Die Endlagerfrage spaltete Nidwalden, die Mitsprache wurde bis vor Bundesgericht erstritten und bewirkte auch eine politische Modernisierung, der 1996 die Landsgemeinde zum Opfer fiel. (kpn/sda)

Erstellt: 30.01.2015, 09:58 Uhr

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