Auch unsere Luftwaffe hätte «Mühe»

Die in Pakistan eingesetzten Tarn-Helikopter wären auch für das Schweizer Militär schwer zu erkennen.

Wäre wohl auch der Schweizer Armee nicht aufgefallen: Der in Abbottabad abgestürzte Helikopter.

Wäre wohl auch der Schweizer Armee nicht aufgefallen: Der in Abbottabad abgestürzte Helikopter. Bild: Keystone

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Als nach 40 Minuten alles vorbei und Bin Laden tot war, flogen die US-Elitesoldaten weg. Zuvor übergossen sie aber noch Benzin über die Trümmer des Helikopters, der bei der Kommandoaktion abgestürzt war, und zündeten diese an. Die Maschine hatte beim Anflug die Aussenmauer des Anwesens gestreift und war auf Bin Ladens Grundstück abgesackt. Das Heck aber kippte auf die andere Seite der Mauer – und konnte fotografiert werden.

«So etwas hat man noch nie gesehen», sagt Aviatik-Spezialist Max Ungricht, Chefredaktor der Schweizer Fachzeitschrift «Cockpit». Die Experten sind sich einig: Die Amerikaner haben bei der Operation gegen Bin Laden bisher geheim gehaltene Helikopter mit speziellen Tarn-Eigenschaften eingesetzt. Also keine normalen Black-Hawk-Helikopter oder «Chinooks», wie das US-Militär behauptet. Wie Ungricht deuten auch der Informationsdienst «Jane’s» mit Sitz in London – die Bibel für alle Freunde und Experten der Flugtechnik – sowie die Zeitschrift «Aviation Week» die Bilder aus Pakistan.

Kein echter Tarnkappen-Heli

Auf den Fotos ist ein Heckrotor mit fünf statt wie üblich vier Blättern und mit abgekröpften Enden zu sehen, die den Lärm des Helikopters vermindern. Eine spezielle Verschalung, wodurch der Helikopter für den Radar schwieriger zu erfassen ist. Und eine Farbe, die in der Nacht die Infraroterkennung erschwert.

Und dennoch ist im pakistanischen Abbottabad kein kompletter Tarnkappen-Helikopter abgestürzt. «Echte Stealth-Helikopter gibt es bis heute nicht», sagt Ungricht. Die Fachleute erkennen in den Wrackteilen vielmehr eine stark modifizierte Version des Black Hawk.Zwar hatten die Amerikaner in den Neunzigerjahren den Prototypen eines Stealth-Helikopters in der Luft, doch aus Kostengründen stoppte das Militär 2004 das Projekt «Comanche RAH-66». Man beschloss stattdessen, die bestehende Helikopterflotte aufzurüsten und in die Entwicklung unbemannter Fluggeräte zu investieren. Auch Spezialisten der Schweizer Luftwaffe und der Armasuisse haben die Fotos aus Pakistan studiert. Wäre die Schweiz gegen eine solche Spezialaktion gewappnet? Eine offizielle Stellungnahme ist nicht zu erhalten. Doch aus Militärkreisen verlautet dasselbe, was auch aussenstehende Fachleute sagen: Helikopter, wie sie die Amerikaner in Pakistan eingesetzt haben, sind nicht «unsichtbar» – sie sind nur später zu erkennen als herkömmliche Helikopter.

«Theoretisch möglich»

«Die entscheidende Frage ist, ob genug Zeit bleibt, um zu reagieren», sagt ein Schweizer Militär. Ein anderer Armeevertreter sagt, wenn ein Helikopter mit spezieller Tarnung in den Schweizer Luftraum eindringen würde, hätte «wohl auch unsere Luftraumüberwachung erhebliche Mühe».

Aviatikspezialist Ungricht erklärt, «theoretisch» wäre es zwar möglich, dass die Schweiz das Eindringen speziell getarnter Helikopter zu spät erkennen würde. «Doch das ginge jedem Land so.» Fähig zu einer solchen Aktion seien nur die Amerikaner. «Und warum sollten amerikanische Helikopter in die Schweiz eindringen?»

Stealth-Euphorie vorbei

Die Tarntechnik ist bei Flugzeugen realisiert: bei Kampfjets des Typs F-35 und F-22, aber auch bei Bombern. Im Panamakrieg 1989 setzte die amerikanische Luftwaffe den Stealth Bomber F117 zur Aufklärung ein. Schon damals versuchten die Amerikaner zu verhindern, dass ihr technisches Wissen in fremde Hände gerät. Im Fall eines Absturzes des Stealth Bombers war vorgesehen, dass Kampfjets dessen Wrack unverzüglich zu zerstören hatten.

Laut Ungricht wird die Stealth-Euphorie aber bald abklingen. An grosse Investitionen in diesem Bereich glaubt er jedenfalls nicht mehr. Die Erfahrung der letzten Jahre habe gezeigt, dass es mit jedem Fortschritt bei der Tarnung immer auch neue Mittel gegeben habe, die Flugzeuge trotzdem zu erkennen. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 07.05.2011, 07:37 Uhr

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